THEOLOGIE
Lektion

4 von 5
Die Reformation: Hauptströmungen der Reformation
Lektion 1 | Lektion 2 | Lektion 3 | Lektion 4 | Lektion 5

Die Abendmahlslehre des Zürcher Reformators Ulrich Zwingli

Ulrich Zwingli, der sich später Huldrych nennt, da sein Taufnahme an den Hl. Ulrich von Augsburg erinnert, baut mit Zustimmung des Zürcher Rates eine Volkskirche auf. Später schließen sich auch Bern, St. Gallen, Basel und Straßburg an seine Gemeinde an. Die Theologie Zwinglis weicht dabei nicht nur von der römischen Kirche ab, sondern im "Abendmahlsstreit" auch von der Lehre Martin Luthers.

Während Luther im Gleichklang mit den Katholiken an der Lehre der leiblichen Präsenz Jesus Christus festhält, führt Zwingli das Abendmahl als Gedächtnismahl in den Gottesdienst ein. Zudem beruft sich Zwingli noch stärker als Luther auf das ausdrückliche Wort der Bibel. Selbst die Musik verbannt er eine Zeit lang auf aus dem Gottesdienst. Die Kirchen werden schmucklos gehalten, damit das Wort des Evangeliums nicht durch Äußerlichkeiten überdeckt wird.

Der Gottesstaat des Johann "Jean" Calvin

Johann Calvin
Heinrich VIII.
Martin Luther
Johannes Tetzel

Calvin muss wegen seiner religiösen Überzeugung aus Frankreich fliehen und wirkt zunächst in Basel und danach in Genf. Dort errichtet er mit seinen Anhängern einen straffen Gottesstaat und eine theologische Hochschule, die viele Studenten anzieht und das Gedankengut in Europa verbreitet. Seine Rolle bei der Behandlung von Glaubensabweichlern, denen Scheiterhaufen, Enthauptung oder Verbannung erwartete, ist umstritten. Calvins Theologie unterscheidet sich in einem wesentlichen Punkt von der Lehre Martin Luthers. Während Luther den Menschen grundsätzlich eher zum Heil prädestiniert (vorbestimmt) sieht, vertritt Calvin die Theorie der doppelten Prädestinierung: Die menschliche Entscheidungs- und Handlungsfreiheit ist demnach sehr begrenzt und Gott alleine trennt die Seligen von den Verdammten. Beide sind ihrem Los unterworfen, nicht aber durch Schicksal, Zufall oder gar Verdienst, sondern alleine durch die unerforschliche Entscheidung Gottes.

Die Reformation in Europa

(1) Renaissance
(2) Martin Luther
(3) Radikalisierung
(4) Strömungen
(5) Gegenreformation
Die Hugenotten in Frankreich

Da die kirchliche und die weltliche Macht unter dem französischen König Franz I. miteinander verschränkt sind, und die religiösen Ideale entsprechend instrumentalisiert werden, fallen die Ideen einer reformierten Kirche auch hier auf fruchtbaren Boden. Ihre Anhänger entwickelten im Untergrund eine am Genfer Calvinismus orientierte Kirchengemeinschaft, der 1560 etwa zehn Prozent der französischen Bevölkerung nahe stehen. Sie werden als Hugenotten bezeichnet, was ursprünglich spöttisch gemeint war. Über die Herkunft des Wortes gibt es bis heute keine einheitliche Erklärung.

Die Reformation breitet sich in unterschiedlichen Strömungen über viele Teile Europas aus, oft verbunden mit dem Wunsch nach politischen Veränderungen. In den Niederlanden wird der Calvinismus zum geistigen Motor des Freiheitsbewegung gegen Spanien und schließlich zur Staatsreligion. Die Reformation in Schottland beeinflusst die Entwicklung in England, wo sich unter Elisabeth I. der Protestantismus endgültig durchsetzt. Freilich war die Abspaltung von der römischen Kirche durch ihren Vater Heinrich VIII. nicht theologisch begründet, sondern in der Tatsache, dass die Kirche ihm in Scheidungsfragen keine Zugeständnisse machte. In Deutschland verbreitet sich die Bewegung besonders in den Fürstentümern Kurpfalz und in Brandenburg-Preußen.
Neben den breiten und volksnahen reformatorischen Strömungen gibt es auch immer wieder einzelne religiöse Eiferer mit der Vision eines strengen Gottesstaates. Zu ihnen gehören der Zwickauer Prediger Thomas Müntzer, der Anführer der "Täuferbewegung" Jan Matthys und weitere "Schwarmgeister". Die meisten von ihnen werden hingerichtet oder in die Flucht geschlagen. Ihre Gegner sind dabei nicht nur die Fürsten und Anhänger des alten Glaubens, sonder auch die Vertreter der Reformation selbst. Die Spaltung innerhalb der Protestanten ist letztendlich auch eine Ursache für den Bruch des Augsburger Religionsfriedens und somit für den Ausbruch des 30-jährigen Krieges. Denn die Übereinkunft des Augsburger Religionsfriedens galt primär zwischen Katholiken und Lutheranern. Andere protestantische Gruppen fühlten sich den Vereinbarungen nicht verpflichtet und brachten das fragile Gefüge ins Wanken.

Die Reformation: (4) Strömungen