THEOLOGIE
Lektion

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Die Reformation (3): Radikalisierung der Reform
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Der Bauernkrieg

Karl V.
Martin Luther
Johannes Tetzel

Luther ist der Überzeugung, dass sich der Mensch nicht durch seine Taten, sondern allein durch seinen Glauben (sola fide) und die Gnade Gottes (sola gratia) rechtfertigen könne. Die Erlösung von den Sünden ist demnach nicht durch Wiedergutmachung zu erlangen, sondern nur durch den Glauben an Jesus Christus, der zur Menschheit ausgeschickt wurde, um die Gerechtigkeit Gottes zu verkünden. Damit steht er nicht nur theologisch gegen die Lehrmeinung der römischen Kirche, nach der die göttliche Offenbarung nur durch die Einsicht des Menschen erfahrbar ist, er hat obendrein die päpstliche Finanzpolitik mit ihrer Methode der Sündenvergebung gegen Geldmünzen an einem empfindlichen Nerv getroffen. Sein kritischer Geist hat aber auch Kräfte auf den Plan gerufen, deren Zielsetzung eher politisch als theologisch motiviert ist. In Württemberg stürmten am Karfreitag des Jahres 1525 wütende Bauern die Burg Weinsberg, verurteilten die Adeligen zum Tode und richten sie auf grausame Weise hin. Die "Weinsberger Bluttat" empört Martin Luther so sehr, dass er von seiner anfänglich gezeigten Sympathie für die Anliegen der Bauern wieder abrückt.

Der Augsburger Reichstag von 1530

Augsburger Reichstag
Christian Beyer verliest die Confessio Augustana vor Karl V.
auf dem Augsburger Reichstag von 1530.

Luther selbst ist nicht anwesend. Nachdem Kaiser Karl V. über ihn die Reichsacht verhängte und er somit ohne Strafe von jedermann getötet werden kann, verschanzt er sich in der Veste Coburg. Zu seinen Anhängern hält er brieflichen Kontakt. Sein Schüler Phillip Melanchthon vermittelt auf dem Reichstag zu Augsburg zwischen katholischer und protestantischer Seite.
Melanchthon erreicht in zähen Verhandlungen eine vorläufige Anerkennung des neuen Glaubens vor der katholischen Kirche. Auch Luther akzeptiert das Augsburgische Bekenntnis (Confessio Augustana). Dabei sollten eigentlich die Übereinstimmungen zwischen den christlichen Lehren im Vordergrund stehen. De facto wurden Glaubens- und Kirchenspaltung auf dem Augsburger Reichstag besiegelt.

Die Confessio Augustana

Das Augsburger Bekenntnis

Artikel 1:
Zuerst wird einträchtig laut Beschluß des Konzils von Nizäa gelehrt und festgehalten, dass ein einziges göttliches Wesen sei, das Gott genannt wird und wahrhaftig Gott ist, und dass doch drei Personen in diesem einen göttlichen Wesen sind, alle drei gleich mächtig, gleich ewig: Gott Vater, Gott Sohn, Gott Heiliger Geist.(...)

Artikel 4:
(...) dass wir Vergebung der Sünde und Gerechtigkeit vor Gott nicht durch unser Verdienst, Werk und Genugtuung erlangen können, sondern dass wir Vergebung der Sünde bekommen und vor Gott gerecht werden aus Gnade um Christi willen durch den Glauben. (...)

Artikel 15:
(...) dass alle Satzungen und Traditionen, die von Menschen zu dem Zweck gemacht worden sind, daß man dadurch Gott versöhne und Gnade verdiene, dem Evangelium und der Lehre vom Glauben an Christus widersprechen. (...)

Die Confessio Augustana gehört bis heute zu den wichtigsten Bekenntnisschriften der evangelischen Kirche. Da sie in sehr vielen Punkten mit der römisch-katholischen Lehre übereinstimmt, bemühen sich ökumenisch orientierte Christen um eine Anerkennung. Die Ökumenische Bistumskommission richtete am 19. Juni 1974 folgenden Appell an die Deutsche Bischofskonferenz:

(1) Renaissance
(2) Martin Luther
(3) Radikalisierung
(4) Strömungen
(5) Gegenreformation

"Die Deutsche Bischofskonferenz möge die Möglichkeit einer Anerkennung der Confessio Augustana von seiten der katholischen Kirche prüfen. Mit einer derartigen Anerkennung soll erstens die Augsburger Konfession in ihrer historischen und gegenwärtigen Bedeutung als Ausdruck evangelisch-lutherischen Glaubens ernst genommen und gleichzeitig ein katholisches Bild des Luthertums abgebaut werden, das vor allem durch polemisch überspitzte Äußerungen aus der bewegten Umbruchszeit von 1520/21 bestimmt ist (...) Zweitens soll damit zum Ausdruck gebracht werden, daß die Augsburgische Konfession keine kirchentrennenden Lehren vertritt und als Zeugnis gemeinkirchlichen Glaubens von katholischer Seite bejaht werden kann."

Joseph Ratzinger, der spätere Papst Benedikt XVI., leitete 1977 aus der Confessio Augustana nicht grundsätzlich die Notwendigkeit einer Glaubensspaltung ab:

"Die Forschungen der letzten Jahre konvergieren dahin, daß die Confessio Augustana als grundlegende lutherische Bekenntnisschrift nicht nur aus diplomatischen Gründen so abgefaßt wurde, daß sie reichsrechtlich als katholisches Bekenntnis auslegbar sein sollte; sie wurde auch mit innerer Überzeugung als Suche nach evangelischer Katholizität konzipiert - als ein Mühen darum, das brodelnde Gebilde der frühen reformatorischen Bewegung in einer Weise zu filtern, die es zu katholischer Reform gestalten konnte. Demgemäß sind Bemühungen in Gang, eine katholische Anerkennung der Confessio Augustana, oder richtiger: eine Anerkennung der CA als katholisch zu erreichen." (Joseph Ratzinger: Prognosen für die Zukunft des Ökumenismus)

Die Reformation: (3) Radikalisierung