THEOLOGIE
Lektion

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Die Reformation: Kirchenkritik in der Renaissance
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Die Krise des Papsttums

Jan Hus auf dem Scheiterhaufen
Jan Hus auf dem Scheiterhaufen

Im 15. Jahrhundert kommt es in ganz Europa zu einer Bewegung, die die Institution Kirche in ihren Grundfesten erschüttert. Ihre Anführer richten sich aber nicht gegen den Glauben selbst, sondern gegen die Verweltlichung der christlichen Lehre, Ämtermissbrauch und die Vergnügungssucht der Kirchenfürsten. Die christliche Botschaft sollte in ihren Ursprüngen zurückgeführt werden, frei von äußeren Symbolen wie Heiligenkult, Mysterien und Ritualen. Zu den schärfsten Kritikern der römischen Amtskirche gehört der Prediger Jan Hus, der zeitweise auch als Dekan an der Prager Universität wirkt. Nicht genug, dass er das Finanzgebaren der Kurie anprangert, er wiegelt die Gläubigen sogar mit markigen Sprüchen gegen den Papst auf: "Einem irrenden Papst Widerstand leisten ist soviel wie dem Herrn Christus gehorchen".

Das Konzil von Konstanz

Jan Hus und die Hussiten

Nach der Verbrennung von Jan Hus entsteht in Böhmen die Bewegung der Hussiten und formuliert die "Vier Prager Artikel" :

1. Vollständiges Abendmahl mit Kelch, gleichberechtigt für Laien und Priester

2. Freie Predigt in der Landessprache, auch von Laien

3. Abgabe des kirchlichen Besitzes und der Verzicht des Klerus auf Reichtum und weltlichen Einfluss

4. Strenge Bestrafung der Todsünden

Von 1414-1418 findet auf Anregung von König Sigismund das Konzil von Konstanz statt. Sein mächtiger Vater Karl IV. hatte einst ein Reich hinterlassen, dessen innerer Friede öfters auf die Probe gestellt wurde. Aber noch mehr als das Reich ist die Kirche gespalten, denn Päpste und Gegenpäpste machen sich die Herrschaft streitig. Sigismund möchte die Einheit der katholischen Kirche wiederherstellen, um die Einheit des Reiches zu bewahren. Dem Kritiker Jan Hus hat der König freie Hin- und Rückreise zugesagt und ihm dies mit einem Geleitbrief garantiert. Doch das Konzil folgt seinen eigenen Regeln. Jan Hus und seine Lehre werden in Konstanz scharf verurteilt. Da der Papstkritiker seine Aussagen nicht zurücknimmt, wird ihm das freie Geleit aberkannt. König Sigismund missbilligt zwar diesen Wortbruch, schreitet aber aus diplomatischen Gründen nicht ein. Führende Vertreter haben Sigismund wegen seiner Rücksichtnahme auf Jan Hus schon mit ihrer Heimreise gedroht, was einen Abbruch des Konzils bedeutet hätte. Unter den Augen des Königs wird Jan Hus schließlich verhaftet und 1415 zusammen mit seinen Schriften verbrannt. Seine Asche wird in den Rhein gestreut.

Der sinnenfreudige Borgia - Papst

Jan Hus
Girolamo Savonarola Kaiser Sigismund
Savonarola
Der Bußprediger Savonarola

Gegen Ende des 15. Jahrhunderts ruft Papst Alexander der VI. die Kritiker auf den Plan. Er stammt aus dem Geschlecht der einflussreichen Borgia und hatte seine Papstwahl typisch für die damalige Zeit per Simonie (Ämterkauf) beeinflusst. Zudem lässt er Verwandte in der kirchlichen Hierarchie aufsteigen, um seine Macht zu festigen. Es wird ihm ferner nachgesagt, gegen Gebühr Kardinäle zu ernennen und später umbringen zu lassen. Berichte über Orgien und Trinkgelage runden das Bild des sinnenfreudigen Klerikers ab. Schon zu seiner Zeit als Kardinal zeigte er sich gerne an der Seite der attraktiven Mätresse Giulia Farnese. Der Volksmund hatte schnell einen Namen für sie bereit: "Sponsa Christi", die Braut Christi.

Der strenge Bußprediger 

(1) Renaissance
(2) Martin Luther
(3) Radikalisierung
(4) Strömungen
(5) Gegenreformation

Die Ausschweifungen der Päpste sorgen nicht nur in Rom ein Atmosphäre, in der das Volk den radikalen Kritikern der Kirche Aufmerksamkeit schenkt. Der  Bußprediger Girolamo Savonarola errichtet nach der Vertreibung der Medici aus Florenz 1494 einen sittenstrengen theokratischen Staat (Theokratie = Gottesherrschaft). Glücksspiel, Ausschweifungen und lasterhafte Musik sind von nun an verboten. Savonarola will in Florenz ein "neues Rom" errichten, um ein Zeichen gegen die Verderbtheit zu setzen. Papst Alexander VI. versucht zunächst auf die bewährte Methode, den Eiferer zu beruhigen, und bietet ihm einen Kardinalsposten an. Als der unbestechliche Savonarola ablehnt, belegt er ihn nun weniger kooperativ mit einem Bann. Doch der Bußprediger scheitert mit dem Florentiner Experiment weniger an seinem Widersacher als an der eigenen Radikalität. Nachdem er bei den ursprünglich begeisterten Florentinern ob seiner völligen Lustfeindlichkeit in Misskredit geraten ist, wird er von politischen Gegnern festgenommen, gefoltert, verurteilt und als Ketzer erhängt. Sein Leichnam wird verbrannt und die Asche in den Fluss Arno verstreut.

Die Reformation: (1) Kirchenkritik der Renaissance