THEOLOGIE
Lektion

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Die vier Evangelien: Das Johannes-Evangelium
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Der Evangelist Johannes

Franz von Assisi
>Jesus Christus
Paulus
Johannesevangelium
Das Johannes-Evangelium

Über den Autor des letzten Evangeliums gibt zwei plausible Theorien. Die erste setzt den Evangelisten mit dem Apostel Johannes gleich. Er und sein Bruder Jakobus, die Söhne des Zebedäus, standen Jesus besonders nahe. Nach Ostern wirkte Johannes zusammen mit Petrus, und war maßgeblich am Aufbau der Urgemeinde in Jerusalem beteiligt. Der Verfasser des Evangeliums wäre demnach besonders nahe am Geschehen gewesen.
Daneben existiert eine Hypothese, die sich auf den zwischen 120 und 130 gestorbenen Bischof Papias von Ephesos stützt. Eine Presbyter (Ältester) mit dem Namen Johannes wird von ihm als bedeutender Theologe und Verfasser der Johannesbriefe erwähnt. Bei der Stilanalyse zeigten sich deutliche Parallelen zwischen dem Johannesevangelium und den Johannesbriefen. Vertreter der zweiten Hypothese gehen davon aus, dass das Evangelium in einem längeren Zeitraum entstand, in etwa von 70 bis 90, und erst zum Ende des 1. Jahrhunderts seine endgültige Fassung erhielt.

Das Evangelium nach Johannes

Die frohe Botschaft

Das Wort Evangelium stammt aus dem Griechischen und setzt sich aus den Teilen "eu" (gut, froh) und "angelos" (Botschaft, aber auch Bote) zusammen. Die Silbe "eu" hat sich zu "ev" gewandelt. Ursprünglich war das Evangelium gleichbedeutend mit dem Akt der mündlichen Verkündigung selbst, heute umfasst der Begriff auch die schriftlichen Zeugnisse. Die gebräuchliche Übersetzung lautet "frohe Botschaft". 

Das Wort Evangelist findet sich nur in einigen wenigen Stellen des Neuen Testaments. Es bezeichnet ganz allgemein einen predigenden Wandermissionar. Erst im dritten Jahrhundert hat es sich konkretisiert und meint seither den Verfasser einer Geschichte über das Leben Jesu. 1947 wurde eine koptische Übersetzung des Thomasevangeliums entdeckt. Es enthält Jesusworte, nicht aber die zugehörigen Rahmenhandlung, weshalb der Kreis der Evangelisten nicht erweitert wurde.

Die Schrift des Johannes weist einige Besonderheiten auf. Seine topographischen Angaben enthalten zahlreiche historische Konnotationen, die  jedoch nicht immer zutreffend sind. Von allen Evangelisten hat sich Johannes am weitesten von der Historie entfernt. Jesu Reden sind in tiefgründiger, hymnischer und metaphernreicher Sprache wiedergegeben. Der Verfasser wusste in besonderer Weise um die Wirkung der Worte.
Der Prolog des Johannes-Evangeliums gehört zu den bekanntesten Stellen der Bibel und hebt die gesamte Schrift von Beginn an auf eien besondere Stufe. Das Johannesevangelium wurde schon im 2. Jahrhundert als das pneumatische Evangelium bezeichnet. Pneuma ist das griechische Wort für "Geist" oder Hauch". Gemeint ist der Hauch des Schöpfers, der die Seelen durchdringt. Die wohl bekanntestes Stelle des Evangeliums ist der Prolog (griech. Vorrede). In ihm nimmt Johannes der Täufer das Erscheinen Gottes in Gestalt seines Sohnes Jesus vorweg.

Der Prolog des Johannes - Evangeliums

(1) Matthäus - Evang.
(2) Markus - Evang.
(3) Lukas - Evang.
(4) Johannes - Evang.

Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Im Anfang war es bei Gott. Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist. In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat's nicht begriffen. Es ward ein Mensch von Gott gesandt, der hieß Johannes. Dieser kam zum Zeugnis, daß er von dem Licht zeugte, auf daß sie alle durch ihn glaubten. Er war nicht das Licht, sondern daß er zeugte von dem Licht. Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet kam in die Welt. Er war in der Welt und die Welt ist durch ihn geworden, aber die Welt erkannte ihn nicht. Die ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, die an seinen Namen glauben; welche nicht von dem Geblüt noch von dem Willen des Fleisches noch von dem Willen eines Mannes, sondern von Gott geboren sind. Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit. Johannes zeugt von ihm, ruft und spricht: Dieser war es, von dem ich gesagt habe: Nach mir wird kommen, der vor mir gewesen ist; denn er war eher als ich. Und von seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade. Denn das Gesetz ist durch Moses gegeben; die Gnade und Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden. Niemand hat Gott je gesehen; der eingeborene Sohn, der in des Vaters Schoß ist, der hat es uns verkündigt.
(Joh 1, 1-18)


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