Theologie
Lektion

3 von 4
Die vier Evangelien: Das Lukas-Evangelium
Lektion 1 | Lektion 2 | Lektion 3 | Lektion 4

Der Evangelist Lukas

Franz von Assisi
>Jesus Christus
Paulus
Lukasevangelium
Das Lukas-Evangelium

Um die Person des Evangelisten Lukas gibt es unterschiedliche Ansätze. Der Kanon Muratori nennt einen Arzt mit Namen Lukas als Verfasser des dritten Evangelienbuchs, der Apostelgeschichte und als Reisebegleiter und Schüler des Paulus. Ob er tatsächlich im Umkreis des Apostels Paulus gewesen ist, gilt als sehr umstritten. Denn Lukas irrt nicht nur in seiner Darstellung der Jerusalemreisen des Paulus, er berichtet auch nichts von seinen zahlreichen Briefen. Aus diesem Grund bleiben für die Autorenschaft der Apostelgeschichte einige Fragen offen. Denn die Briefe des Paulus sind für die Apostelgeschichte weder eingearbeitet noch als Quellen nachweisbar, wahrscheinlich stammt die Apostelgeschichte aus einer Zeit vor oder nach Paulus. Das Bild rechts unten zeigt Lukas auf dem Goslaer Evangeliar. Das Buch wurde für Otto III. angefertigt, es ist das einzige erhaltene Gebetbuch eines Königs aus der ottonischen Zeit.  

Das Evangelium nach Lukas

Lukasevangelium
Der Evangelist Lukas
Die frohe Botschaft

Das Wort Evangelium stammt aus dem Griechischen und setzt sich aus den Teilen "eu" (gut, froh) und "angelos" (Botschaft, aber auch Bote) zusammen. Die Silbe "eu" hat sich zu "ev" gewandelt. Ursprünglich war das Evangelium gleichbedeutend mit dem Akt der mündlichen Verkündigung selbst, heute umfasste der Begriff die schriftlichen Zeugnisse. Die gebräuchliche Übersetzung lautet "frohe Botschaft". 

Das Wort Evangelist findet sich nur in einigen wenigen Stellen des Neuen Testaments. Es bezeichnet ganz allgemein einen predigenden Wandermissionar. Erst im dritten Jahrhundert hat es sich konkretisiert und meint seither den Verfasser einer Geschichte über das Leben Jesu. 1947 wurde eine koptische Übersetzung des Thomasevangeliums entdeckt. Es enthält Jesusworte, nicht aber die zugehörigen Rahmenhandlung, weshalb der Kreis der Evangelisten nicht erweitert wurde.

Der Verfasser legt im Vorwort Rechenschaft darüber ab, was er mit seiner Schrift verfolgt und er erwähnt auch das Markusevangelium als Quelle. Das umfangreiche Werk, es entspricht in etwa dem Doppelten des Markusevangeliums, richtet sich in erster Linie nicht an Juden, sondern an die Anhänger der griechischen Gottheiten und anderer Religionen jenseits des jüdisch-christlichen Bekenntnisses.
Texte, die in den anderen Evangelien nicht enthalten sind, werden als "Lukanisches Sondergut" bezeichnet. Sie umfassen etwa ein Drittel der Schrift. Auch das Gleichnis des barmherzigen Samariters ist nur im Evangelium nach Lukas enthalten. In der christlichen Ethik symbolisiert es die Aufforderung zur tätigen Nächstenliebe. Der Name Samariter leitet sich vom Herkunftsort des Helfers im Gleichnis ab. Im Laufe der Zeit entwickelt er sich zum Inbegriff für wohltätige Menschen. 

Das Gleichnis des barmherzigen Samariters

(1) Matthäus - Evangelium
(2) Markus - Evangelium
(3) Lukas - Evangelium
(4) Johannes - Evangelium

"Da stand ein Gesetzeslehrer auf, und um Jesus auf die Probe zu stellen, fragte er ihn: Meister, was muß ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen? Jesus sagte zu ihm: Was steht im Gesetz? Was liest du dort? Er antwortete: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit all deiner Kraft und all deinen Gedanken, und: Deinen Nächsten sollst du lieben wie dich selbst. Jesus sagte zu ihm: Du hast richtig geantwortet. Handle danach, und du wirst leben. Der Gesetzeslehrer wollte seine Frage rechtfertigen und sagte zu Jesus: Und wer ist mein Nächster? Darauf antwortete ihm Jesus: Ein Mann ging von Jerusalem nach Jericho hinab und wurde von Räubern überfallen. Sie plünderten ihn aus und schlugen ihn nieder; dann gingen sie weg und ließen ihn halbtot liegen. Zufällig kam ein Priester denselben Weg herab; er sah ihn und ging weiter. Auch ein Levit kam zu der Stelle; er sah ihn und ging weiter. Dann kam ein Mann aus Samarien, der auf der Reise war. Als er ihn sah, hatte er Mitleid, ging zu ihm hin, goß Öl und Wein auf seine Wunden und verband sie. Dann hob er ihn auf sein Reittier, brachte ihn zu einer Herberge und sorgte für ihn. Am andern Morgen holte er zwei Denare hervor, gab sie dem Wirt und sagte: Sorge für ihn, und wenn du mehr für ihn brauchst, werde ich es dir bezahlen, wenn ich wiederkomme. Was meinst du: Wer von diesen dreien hat sich als der Nächste dessen erwiesen, der von den Räubern überfallen wurde? Der Gesetzeslehrer antwortete: Der, der barmherzig an ihm gehandelt hat. Da sagte Jesus zu ihm: Dann geh und handle genauso!"
(Lk 10, 25-37)

Die Evangelien: (3) Das Lukasevangelium