THEOLOGIE
Lektion

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Der Buddhismus (5): Buddhistische Strömungen

Menander von Baktrien und der Buddhismus mit griechischem Antlitz 

Wie jede andere Religion entwickelte auch der Buddhismus im Laufe der Zeit unterschiedliche Strömungen und Verschmelzungen. Eine fruchtbare Begegnung mit der griechischen Kultur fand im 3. und 2. Jahrhundert vor Chr. im Königreich Baktrien statt. In diesem Nachfolgestaat des untergegangenen Alexanderreiches herrschte König Menander, der dem Buddhismus gegenüber sehr aufgeschlossen war und seine Verbreitung föderte. Der kulturelle Austausch zwischen Ost und West funktionierte in beide Richtungen, wenn auch nicht auf der selben Ebene. Die abendländische Philosophie erschien den buddhistischen Gelehrten als wenig attraktiv. Zwar stimmen die Schulen des Stoizismus und Epikureismus in einigen Punkten mit der buddhistischen Lehre überein, aber dies bestätigte lediglich den eigenen Standpunkt. Der Transport philosophischer Ideen verlief von Ost nach West.
Ganz anders verhielt es sich mit der Kunst der griechischen Plastik, denn die griechischen Baumeister und Künstler schufen neue Impulse für die Herstellung von buddhistischen Statuen und den Bau von Kultstätten. Daher ist es nicht verwunderlich, dass die mit 55 Metern größte je gebaute Statue eines Buddha in dieser von Hellenismus und Buddhismus zu gleichen Anteilen geprägten Region entstand. Das Bild links zeigt die große Buddha - Statue von Bamiyan, die um 550  n. Chr. aus dem Felsen gehauen wurde. Der Standort liegt 2500 Meter über dem Meer gelegenen Bamiyan - Tal im heutigen Afghanistan im Nordwesten von Kabul.
Trotz internationaler Proteste sprengte die fundamentalistische Taliban- Regierung 2001 die große Buddhastatue in die Luft. Auch die kleinere Buddhastatue daneben wurde nicht verschont. Heute klafft in den Felsnischen nur ein riesiges Loch. Die Kunstwerke sind für immer zerstört. Ob an der selben Stelle wieder Statuen stehen sollen, wird zur Zeit sehr kontrovers diskutiert. Berfürworter der Widererichtung machne vor allem ökonomische Interessen geltend. In der Zeit vor der sowjetischen Invasion Afghanistans waren die Statuen ein beliebter Anziehungspunkt für Touristen.

Mahayana und Hinayana 

(1) Religion oder Philosophie
(2) Buddhistische Lehre
(3) Buddhistisches Gebet
(4) Buddhistische Klöster
(4) Buddhistische Strömungen

Bereits im 3. vorchristlichen Jahrhundert gab es innerhalb der buddhistischen Gemeinden einen Disput, der zur Trennung der Lehre führte. Das Hinayana (sanskrit: kleines Fahrzeug) steht hierbei für den älteren und eher auf die Einzelperson fixierte Lehre. Die Tradition des Hinayana umfasste 18 Schulen, von denen heute aber nur noch die Richtung des Theravada aktiv ist. Der Mahayana - Buddhismus, (sanskrit: großes Fahrzeug) hat nicht nur das individuelle Glück zum Ziel, sondern das Wohl aller Lebewesen. Seine Anhänger verstehen sich selbst als  im Gegensatz zum Hinayana weniger elitäre Bewegung. Der Erfolg des Mahayana ist auch mit dem hohen Stellenwert der Familie in der chinesischen Gesellschaft zu erklären. Die Hinayana - Variante rückte das Mönchtum ins Zentrum und schuf dadurch eine Trennung zwischen dem Gläubigem und seinen Angehörigen. Der Mahayana - Buddhismus berücksichtigte hingehen auch die Bedürfnisse des Laientums.

Der Buddhismus in Europa 

Buddhistische Weisheit

Ein Mönch beklagte sich beim Meister und sagte:
"Ich fühle mich todkrank, ach bitte heilt mich doch."
"Nein", erwiderte der Meister "ich werde dich nicht heilen."
"Und warum nicht?" fragte der Mönch.
Der Meister antwortete: "Damit du weder lebst noch stirbst".

(Chan - Schule, 9. Jhdt.)

"Wenn ich die Resultate meiner philosophischen Forschung als den Maßstab für die Wahrheit heranzöge, sähe ich mich veranlasst, dem Buddhismus den Vorrang vor allen anderen Lehren einzuräumen." Quelle: Arthur Schopenhauer: Die Welt als Wille und Vorstellung (1859).
Schopenhauer, Nietzsches geistiger Ziehvater, übernahm vom Buddhismus die Ansicht, dass der Willen als Ursache des menschlichen Leidens anzusehen ist. Im Gegensatz zur östlichen Lehre, fasste er aber das Nichts (Nirwana) keineswegs als etwas Absolutes auf, sondern als einen erstrebenswerten Zustand für das einzelne Individuum. Der buddhistische Ansatz Schopenhauers führt über eine Negation des Willens zu einem einigermaßen erträglichen Dasein. Nietzsche, der sich im Laufe der Zeit immer weiter von seinem Mentor entfernte, verkehrte vor seinem geistigen Zusammenbruch das buddhistische Ideal des Nicht - Wollens ins Gegenteil, zum "Willen zur Macht." Im 20. Jahrhundert erlebte der Buddhismus im Westen eine Renaissance durch das Aufkommen neuer spiritueller Bewegungen im Zuge des gesellschaftlichen Aufbruches der 60er Jahre. Heute gehören die Symbole fernöstlicher Lebenskunst zu gleichen Teilen zum Markenzeichen von Managern und Psychotherapeuten. 

Literatur: Bauer Wolfgang: Geschichte der chinesischen Philosophie. Konfuzianismus, Daoismus, Buddhismus. München 2001. Hammer, Christiane & Führer, Bernhard: Tradition und Moderne. Religion, Philosophie und Literatur in China. Dortmund 1997. Jingang pi (Taisho shinshu) 55 Bde. Tokyo 1924-1928.

Der Buddhismus (5): Buddhistische Strömungen