Theologie
Lektion

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Der Buddhismus (3): Das buddhistische Gebet

Das Gebetsritual

Im buddhistischen Gebet wird das Ausbrechen aus dem Kreislauf der Wiedergeburten beschworen. Dieser Zustand wird im Nirvana erreicht, dem "Nichts" oder dem "Nichtwissen". Die Errettung des Menschen geschieht durch den Verzicht auf alles weltliche Verlangen. Das buddhistische Gebet unterscheidet sich hier vom Christentum, insbesondere vom Ritual der katholischen Fürbitten, bei denen etwa das Erreichen des persönlichen Zieles eines Gläubigen mit eingeflochten werden kann. Die links im Bild zu sehenden Gebetstrommeln enthalten religiöse Texte, die von den Gläubigen durch das Drehen in ihrem Namen "gelesen" werden. Sie befinden sich zumeist an heiligen Orten und Tempeln. Die Buddhisten feiern nicht wie die Christen gemeinsame Messen, sondern suchen das individuelle Gebet in der Stille. Die Gebetsfahnen, links unten im Bild zu sehen, werden in den Wind gehängt, der sie irgendwann erfasst und mitnimmt.

Die Religion als Selbsthilfe

Mögen alle Wesen Glück
und den Schlüssel zum Glück finden,
mögen sie frei von Leiden
und der Wurzel des Leidens sein
mögen sie nicht vom großen Glück getrennt sein,
in dem es kein Leiden gibt,
mögen sie in großem Gleichmut,
frei von Leidenschaft, Aggression und Vorurteil leben

Dieses traditionelle Gebet ist nicht an eine höhere Macht gerichtet. Die Lehre Buddhas besagt, dass "das Selbst im Selbst Zuflucht nimmt". Es strebt nicht im westlichen Sinne nach Verwirklichung, sondern nach Auslöschung, nach einem Zusand, an dem nichts mehr an ihm haften kann. Der Buddhist kennt keinen Gott, der für ihn alles zum Guten lenkt. Und auch Buddha ist kein Heilsbringer, sondern lediglich ein Wegweiser. Der Mensch selbst muss den Weg auf sich nehmen. Der Buddhismus ist eine atheistische Religion, eine Religion ohne Gott.  

Schamanen und Orakelpriester 

Die Mantren

Mantren sind Wörter oder Sätze in Sanskrit, die nach hinduistischer und buddhistischer Lehre in Verbindung mit Gottheiten und übernatürlichen Kräften stehen. Der Gläubige reinigt sich durch das innere oder laute Gebet. Sie gehören innerhalb des Buddhismus zur Tantra - Lehre.  

In der Frühzeit der chinesischen Kultur stützen sich die jeweiligen Herrscher auf Orakelpriester und Schamanen. Die Orakelpriester vollzogen seit Mitte des zweiten Jahrtausends ein Ritual, bei dem sie Knochen und Schildkrötenschalen präparierten und mit heißen Metallstäben berührten. Durch die Hitze sprangen die Teile umher, und anhand der neuen Lage wurden die Antworten auf die Orakelfragen abgelesen.
Auch die Schamanen hatten Einfluss auf die Entscheidungen am chinesischen Hofe, über ihre Kulthandlungen ist aber nur wenig bekannt. Wichtigste Quellen sind die Aufzeichnungen der Orakelpriester, die mit den Schamanen um Einfluss konkurrierten. Nach ihnen waren unter den Schamanen auch Frauen, die tanzend eine Art Geisterbeschwörung zelebrierten. An ihren Armen hing ein Schmuck aus Federn.

Buddhistische Priester und Mönche

(1) Religion oder Philosophie
(2) Buddhistische Lehre
(3) Buddhistisches Gebet
(4) Buddhistische Klöster
(5) Buddhistische Strömungen

Mit der Etablierung der Religion übernahmen die buddhistischen Priester die Durchführung der Bestattungsrituale. Die meisten Buddhisten verbrennen ihre Toten. Die Abhaltung von Gottesdiensten und gemeinsame Gebete gehören nicht zu den Kernaufgabe der buddhistischen Geistlichen. Amtspersonen sind daher weniger wichtig als im Christentum, sie sind hauptsächlich für die buddhistischen Feste zuständig. Sehr ausgeprägt ist hingegen das Mönchstum. Die Mönchsregeln sind so gestaltet, dass der Kontakt mit dem Laien zwar offen gehalten, der Umgang aber durch ein strenges Reglement bestimmt wird. Dies bedeutet, dass der buddhistische Mönch nicht mit einer Frau unter einem gemeinsamen Dach wohnen darf. Frauen dürfen auch keine Wohnungen eines Mönchs betreten. Mönche mit einer höheren Weihe (bhikkhu) nehmen im Gegesatz zu den Novizen keine Speisen und Getränke an, die nicht ausdrücklich in die Almosenschale oder die Hand gereicht werden. Zur Begrüßung falten die Mönche ihre Hände wie beim christlichen Gebet, halten sie dabei aber vor der Brust. 

Literatur: Bauer Wolfgang: Geschichte der chinesischen Philosophie. Konfuzianismus, Daoismus, Buddhismus. München 2001. Hammer, Christiane & Führer, Bernhard: Tradition und Moderne. Religion, Philosophie und Literatur in China. Dortmund 1997. Jingang pi (Taisho shinshu) 55 Bde. Tokyo 1924-1928.

Der Buddhismus (3) Das buddhistische Gebet