THEOLOGIE
Lektion

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Der Buddhismus (2): Die buddhistische Lehre

Das Leben und die Lehre Buddhas

Buddhas Lebensdaten werden heute ungefähr auf 560 bis 480 v. Chr. festgesetzt. Er kam mit dem Namen Siddharta Gautama als Sohn eines indischen Fürsten zur Welt. Nach einer Krankheit verließ er die wohlhabende Familie und zog sich in die Einsamkeit zurück. Nach der Legende kam ihm unter einem Feigenbaum eine Erleuchtung über das richtige Leben des Menschen und über das Wesen der Welt. Ab diesem Zeitpunkt wurde er Buddha (der Erleuchtete) genannt. Zentrales Element des Buddhismus ist der Glaube an die Wiedergeburt. Die Seele des Menschen geht - wie auch im Christentum - nicht mit dem physischen Tod verloren. Während sie aber im Christentum im Himmel weiter existiert, kehrt sie im Buddhismus in einer anderen Form auf die Erde zurück. Nur durch die buddhistische Lebensweise kann sie endgültig erlöst werden und ins Nirwana, ins "Nichts" eingehen.

Die Lehren Buddhas sind in 108 Bänden gesammelt. Als Zeichen der Verbundenheit tragen die buddhistischen Mönche die Mala, eine Gebetskette mit 108 Perlen. Die wichtigsten Schriften des Buddhismus vereint die Sammlung Tripitaka (Sanskrit: Drei Körbe), die im 1. Jahrhundert nach Christus entstand. Sie umfasst die Sutras (Lehrsprüche des Buddha), Vinaya (Ordensregeln) und die Abidhamma (philosophische Werke).

Alexander der Große
Ashoka
Siddharta Gautama Buddha

Zu den interessantesten Werken außerhalb dieses buddhistischen Kanons zählen die "Fragen des Menandros". Diese in Dialogform verfasste Schrift schildert die Begegnung zwischen dem baktrischen König Menander (Milinda) und dem buddhistischen Mönch Nagasena. Baktrien war ein Nachfolgestaat der griechischen Weltreichs unter Alexander dem Großen, in dem sich die griechische und die buddhistische Kultur miteinander verbanden. Treibende Kraft hinter dieser Liason war auch der indische Herrscher Ashoka, der sich nach einer Phase der rücksichtlosen Machtausübung zum Buddhismus bekannte und in weiten Gebieten Säulen errichten ließ, in denen buddhistische Lehrsätze eingehauen waren. Archäologen fanden in Baktrien auch Inschriften in griechischer Sprache.

Die buddhistische Heilslehre

Anders als im Christentum gelten Gut und Böse im Buddhismus nicht als moralische Kategorien. Der Buddhist versteht unter dem Guten das, was im Bereich der Wahrheit liegt. Das Böse ist für ihn mit Unwissenheit, mit der "Abwesenheit von Erleuchtung" begründet. Wie in jeder Religion gibt es darüber aber auch abweichende Meinungen. In der zum Mahayana - Buddhismus gehörenden Tiantai - Schule existiert durchaus auch eine Lehrauffassung der Unmittelbarkeit von Gut und Böse. Im Buddhismus unstrittiger als die Bedeutung von Gut und Böse ist der Gedanke, dass sich die Wilt nicht nur im Großen, sondern auch in den kleinsten Dingen widerspiegelt. Ein berühmter Lehrsatz der Tiantai - Schule lautet: "In jedem Staubkorn sind alle dreitausend Welten enthalten".

Die fünf Regeln des Buddhismus 

Die vier edlen Wahrheiten

Die vier edlen Wahrheiten bilden den Kern der Lehre Buddhas. Die erste Wahrheit setzt den Kreislauf der Wiedergeburten mit dem Leiden gleich. Die zweite Wahrheit nennt die Begierde nach Genüssen als Grund des Leidens. Die dritte Wahrheit besagt, dass durch das Erlöschen der Ursachen des Leidens auch das Leiden selbst überwunden werden kann. Die vierte Wahrheit lehrt die  Überwindung des "Durstes nach dem Sein" durch den achtfachen Pfad.

Die christlichen Zehn Gebote sind bei näherem Hinsehen eine Mischung aus Ge- und Verboten: "Du sollst Vater und Mutter ehren" steht in einer Auflistung mit "Du sollst nicht töten". Der Buddhismus hingegen kennt zwei getrennte Auflistungen. Dem Gläubigen untersagt sind: Das Töten, das Stehlen, das Lügen, die Wollust und der Genuss von Alkohol. Das Gegenstück zu den fünf Verbotsregeln bildet der achtfache Pfad.

Der achtfache Pfad zur Aufhebung des Leidens

Der achtfache Pfad ergibt sich aus den vier edlen Wahrheiten (siehe Kasten links). Er beschreibt, wie die Ursache des Leidens durch acht Tugenden aufgehoben werden kann: Rechte Anschauung, rechte Gesinnung, rechtes Reden, rechtes Handeln, rechte Lebensführung, rechtes Streben, rechte Aufmerksamkeit und rechte Meditation. Ein Symbol des achtfachen Pfades ist das achtspeichige Rad.

Dharma und Nirwana

(1) Religion oder Philosophie
(2) Buddhistische Lehre
(3) Buddhistisches Gebet
(4) Buddhistische Klöster
(5) Buddhistische Strömungen

Der aus dem Hinduismus stammende Begriff Dharma bedeutet ursprünglich "Träger". Im religiösen Kontext ist damit aber etwas Elementares und Gleichgültiges verbunden. Das Dharma ist ein unveränderlicher Teil des Universums, das unser Schicksal bestimmt. Es ist im modernen Sinne vergleichbar mit der Zelle der Menschen, die in ihrer DNS sämtliche Informationen bereithält. Das Nirwana kennzeichnet das Ende der Wiedergeburten und des Kreislaufs des Lebens. Die Leiden des Daseins, die Begierden und der Hass werden im Nirwana aufgelöst.

Literatur: Bauer Wolfgang: Geschichte der chinesischen Philosophie. Konfuzianismus, Daoismus, Buddhismus. München 2001. Hammer, Christiane/Führer, Bernhard: Tradition und Moderne. Religion, Philosophie und Literatur in China. Dortmund 1997. Jingang pi (Taisho shinshu) 55 Bde. Tokyo 1924-1928.

Der Buddhismus (2): Die buddhistische Lehre