Psychologie
TEIL 7

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Die Psychoanalyse: In der Kritik
Sigmund Freud | Psychoanalyse als Therapie | Drei Instanzen | Psychoanalyse im Film | Freudsche Versprecher | Protagonisten der Psychoanalyse | Kritik

Kritik der Psychoanalyse

Gleich zu Beginn dieses Kurses wurde die Frage angesprochen, ob die Psychoanalyse mangels Falsifizierbarkeit überhaupt als Wissenschaft zu bezeichnen sei. Wir sahen schillernde Persönlichkeiten in ihrem Umfeld. Wir wissen dass die These, alles sei sexualisiert, Anstoß erregt und heute in dieser Ausschließlichkeit wohl auch nicht aufrecht erhalten werden kann. All diese Faktoren lassen schon erahnen, dass die Psychoanalyse von Beginn an scharfer Kritik ausgesetzt war und dies immer noch ist.

Kritik aus der Gesellschaft

Karl Kraus
Karl Kraus

Der österreichische Schriftsteller und Satiriker Karl Kraus prägte den Satz: "Die Psychoanalyse ist die Krankheit, für deren Heilung sie sich hält!" Dass auch die Kirchen, insbesondere die katholische, und ebenso die Nationalsozialisten wenig Begeisterung für Freuds Theorien aufbrachten dürfte wenig erstaunlich sein. In bestimmten politischen Lagern wird die These vertreten, die Psychoanalyse habe den Marxismus im Sinne der Frankfurter Schule befördert.

Kritik aus der Wissenschaft

Der Philosoph und Wissenschaftstheoretiker Karl Popper gehörte ebenfalls zu den Kritikern der Psychoanalyse. Von ihm stammt die Idee, dass Wissenschaftlichkeit mit prinzipieller Falsifizierbarkeit einhergehen müsse. Gemeint ist damit, dass ein Satz, der etwas über die Realität aussagt, seiner Form nach widerlegbar sein muss. Das sei, so Popper, bei der Psychoanalyse nicht gegeben. Gesetzt den Fall, der Traum einer jungen Frau in einem halbleeren Theater zu sitzen würde dahingehend gedeutet, sie hätte nicht so früh heiraten sollen. Widerspräche die Frau nun dieser Ansicht, würde ihr dies als unbewusster Widerstand gegen eine stark libidinös besetzte Deutung ausgelegt und träfe damit erst recht zu!

 Sigmund Freud
Karl Kraus

Der empirische Beweis von Ödipuskomplex, Penisneid, Drei-Instanzen-Modell usw. schließlich, so sagen wiederum viele Wissenschaftler, sei ebenfalls nie erbracht worden. Außerdem könne sich die Psychoanalyse nicht entscheiden, was sie nun letztlich sein wolle: Sozial-, Natur- oder Geisteswissenschaft?

Bedeutung der Psychoanalyse für das 20. Jahrhundert

Wie auch immer man zur Psychoanalyse im wissenschaftlichen oder medizinisch-therapeutischen Sinn steht, eines liegt auf der Hand: Freud hat unsere Weltsicht verändert. Die Kultur und das Selbstverständnis der Menschen des 20. Jahrhunderts wurden in vielen Bereichen von seinen Ansichten und Erkenntnissen beeinflusst.

Die Psychoanalyse: Ende des Kurses