PSYCHOLOGIE
TEIL 2

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Die Psychoanalyse: Psychoanalytische Therapie
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Psychoanalyse als Therapie

Freuds Couch
Freuds Behandlungscouch, ausgestellt im
Londoner Freudmuseum

Die Psychoanalyse ist nicht nur Wissenschaft und eine Methode zur Untersuchung geistiger und kultureller Phänomene, sie bietet auch eine Form der Therapie für Menschen mit psychischen Problemen.

Das vielleicht bekannteste Bild, das viele Menschen mit dem Begriff "Psychotherapie" verbinden, stammt in Wirklichkeit aus der Psychoanalyse: die berühmte Couch, auf welcher liegend der Patient seinen Gedanken freien Lauf lässt, während der Analytiker am Kopfende zigarrerauchend in einem schweren, ledernen Ohrensessel sitzt.

Wie die psychoanalytische Therapie funktioniert

Die psychoanalytische Therapie ist eine Einsichtstherapie. Sie geht davon aus, dass durch die Einsicht des Patienten in die Ursachen seines Leidens die Symptome verschwinden und der Leidensdruck gemindert wird. In der klassischen Psychoanalyse sieht es tatsächlich so aus wie oben beschrieben: der Patient liegt auf der Couch, während der Analytiker am Kopfende sitzt und dem Patienten mit einer "Haltung gleichschwebender Aufmerksamkeit" zuhört, wie dieser seinen Gedanken freien Lauf lässt. Dabei deutet der Analytiker die Assoziationen des Patienten, wodurch dieser Einsicht in die Gründe von unbewussten Verhaltensweisen erlangt und sich dadurch davon befreit.

Langfristig wird der Analytiker zu einer "inneren Stimme" des Patienten, die die frühere, autoritär verbietende, ungeduldige, uninteressierte innere Bezugsperson ersetzt und so ein bewusstes, von Zwängen befreites Leben ermöglicht. Hieraus wird auch ersichtlich dass die Beziehung zwischen Analytiker und Analysand tiefer und vertrauter sein muss als gewöhnliche Arzt-Patient Beziehungen. Schließlich muss der Patient alles sagen können, was ihm gerade in den Sinn kommt, und sei es auch noch so peinlich oder unangenehm.

Verschiedene Formen psychoanalytischer Therapie

Carl Gastav Jung
Sigmund Freud

Die klassische Psychoanalyse erfordert einen hohen Zeitaufwand. Es finden - über mehrere Jahre hinweg - wöchentlich 3 bis 4 Sitzungen statt bis der Patient als "geheilt" entlassen wird. Verständlich, denn einerseits wird hier nach Gründen gesucht und nicht nur an Symptomen herumgedoktert, während andererseits das Vertrauen zwischen Therapeut und Patient erst langsam so weit wachsen muss dass wirklich eine vollständige Öffnung des Patienten möglich wird. Ein anderes Therapiemodell stellt die psychoanalytische Psychotherapie dar. Hier sitzen sich Analytiker und Analysand gegenüber und treffen sich lediglich 1 bis 2 mal wöchentlich. Die psychoanalytische Fokaltherapie (auch psychodynamische Kurzzeittherapie genannt) behandelt ein klar umrissenes Problem innerhalb von 20 bis 30 Sitzungen. Darüber hinaus gibt es auch psychoanalytische Gruppen- und Familientherapien, und - nicht zu vergessen - die Selbstanalyse, die jeder Psychoanalytiker während seiner Ausbildung zu durchlaufen hat.

Psychoanalyse vs. Psychotherapie

Die lange Dauer einer klassischen Psychoanalyse bedingt entsprechend hohe Kosten. Um die Krankenkasse dennoch zur Kostenübernahme zu bewegen kann es helfen, die Langzeitwirkung einer Analyse mit der Langzeitwirkung einer Psychotherapie zu vergleichen. Die Analyse geht den Ursachen auf den Grund, während z. B. eine kognitive Verhaltenstherapie eher konditionierend wirkt, also nur die Symptome behandelt. Dadurch kann die Psychoanalyse eine langfristige Änderung im Bewusstsein des Patienten bewirken, während die Erfolge von Psychotherapien oft eher kurzfristiger Natur sind.

Morgen: Das Drei-Instanzen-Modell