PSYCHOLOGIE
Die Psychoanalyse: Sigmund Freud
TEIL 1

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Sigmund Freud | Psychoanalyse als Therapie | Drei Instanzen | Psychoanalyse im Film | Freudsche Versprecher | Protagonisten der Psychoanalyse | Kritik

Sigmund Freud - Vater der Psychoanalyse

Sigmund Freud
Sigmund Freud

Die Psychologie liebt die Psychoanalyse so sehr, dass sie teilweise sogar in Frage stellt ob diese überhaupt ein Teilbereich der Psychologie ist! Psychologen und andere Kritiker sprechen ihr die Wissenschaftlichkeit ab, da sie nicht falsifizierbar sei.

Dennoch hat die Psychoanalyse die Psychologie beeinflusst und einige Erkenntnisse gebracht die heute noch gültig sind. In ihrem Protagonisten Freud hat sie einen Vater, der nicht nur durch seine ungewöhnlichen Denkansätze, sondern mindestens eben so sehr durch Witz, Ironie und kritische Selbstdistanz besticht.

Die frühen Jahre des "Vaters der Psychoanalyse" in Wien

Geboren 1856 in Mähren, zieht Freuds Familie 1860 nach Wien. Dort entschließt er sich zu einem Medizinstudium, während dessen er unter anderem die Geschlechtsdrüsen der Aale erforscht. Dieser wunderbaren Thematik widmet sich auch seine erste Publikation. Neben der Medizin interessiert er sich brennend für die Philosophie, insbesondere für den englischen Philosophen John Stuart Mill. 1879 übersetzt er den letzten Band der Gesamtausgabe dieses Utilitaristen. 1881, in seinem 35. Lebensjahr promoviert er zum "Doktor der gesamten Heilkunde".

 

Freud, Breuer und "Anna O.": Geburt der Psychoanalyse

In einer Selbstdarstellung aus dem Jahr 1925 schreibt Freud über seine Studentenzeit:

"Vor allem traf mich die Zumutung, dass ich mich als minderwertig und nicht volkszugehörig fühlen sollte, weil ich Jude war. ... Aber eine für später wichtige Folge dieser ersten Eindrücke von der Universität war, dass ich so frühzeitig mit dem Los vertraut wurde, in der Opposition zu stehen und von der "kompakten Majorität" in Bann getan zu werden. Eine gewisse Unabhängigkeit des Urteils wurde so vorbereitet."

Während eines Gastspiels als Krankenhausarzt in Paris erwacht Freuds Interesse an der Hysterie. Zurück in Wien stößt er mit seinen Betrachtungen über die selbige auf allgemeines Unverständnis und feindselige Ablehnung. Er ist nämlich der Meinung dass diese auch Männer befallen kann, was ihm die Herren Kollegen bitter verübeln.

Etwa um diese Zeit behandelt der Wiener Arzt Josef Breuer die hysterische Patientin "Anna O.". Er findet heraus dass die Symptome der Patientin verschwinden nachdem sie über die Erinnerungen, die mit diesen Symptomen zusammenhängen, gesprochen hat. Anna verliebt sich in ihren Therapeuten, der daraufhin mit seiner Frau die Flucht nach Venedig ergreift. Ein Problem, das aus dem besonderen Beziehungsaspekt bei dieser Behandlungsform erwächst.

Breuer diskutiert diesen Fall mit seinem jüngeren Kollegen Freud. Dieser schließt daraus, dass die Ursachen für die Symptome im "Unbewussten" liegen müssen und entwickelt die Technik der "freien Assoziation", um seine eigenen Patienten damit zu behandeln. Seine Erkenntnis über die Bedeutung des Unbewussten kann man als ersten zarten Spross der Psychoanalyse bezeichnen. Der Meilenstein, den man heute oft als offiziellen "Startschuss" für die Psychoanalyse ansieht, ist die Veröffentlichung seines Werkes "Die Traumdeutung" 1899.

Freuds Theorien und sein Einfluss auf die Nachwelt

John Stuart Mill
Josef Breuer
Jaques Lacan

Freud stirbt nach langem Krebsleiden am 23.09.1939 in London. Ob Ödipuskomplex, Freudscher Versprecher, Traumdeutung, Todestrieb oder das Drei-Instanzen-Modelll des "Ich, Über-Ich und Es": von den Theorien Sigmund Freuds hat jeder schon einmal gehört, auch wenn nur wenige wissen worum es dabei im Einzelnen geht. Einigen dieser Bausteine der Psychoanalyse werden wir im weiteren Verlauf des Kurses wieder begegnen.

Viele der Freudschen Theorien sind mittlerweile überholt, widerlegt oder wenigstens umstritten. Als Therapieform wird die Psychoanalyse noch immer praktiziert, obwohl sie wegen ihrer Langwierigkeit nicht gerade dem Zeitgeist entspricht. In Frankreich steht man ihr aufgeschlossener gegenüber als in Deutschland, da die Franzosen in Lacan einen exponierten modernen Vertreter dieser Gattung verehren.

Morgen: Psychoanalytische Therapie