PSYCHOLOGIE
TEIL 3

VON 3
Die Existenzanalyse (3): Die Methoden 
Wiener Schulen | Psyche, Physis und Noesis | Methoden der Existenzanalyse

Das sokratische Gespräch

Viktor E. Frankl
Sokrates
Viktor Emil frankl
Viktor Emil Frankl, Begründer der Existenzanalyse 

Sokrates, der Spross einer Hebamme, übertrug das leibliche zur-Welt-bringen auf seine Art, Gespräche zu führen. Dabei bediente er sich der Mittel von Scharfsinn, Provokation und Ironie. Die Gesprächspartner wurden von Sokrates so lange in die Enge getrieben, bis sie sich zu grundlegenden Fragen nach Wertvorstellungen stellten und über ihre persönlichen Überzeugungen nachdachten. Sokrates ging davon aus, dass ein reflektierender Gedanke besser sei als ein unreflektierter, und ein unreflektiertes Leben eines Menschen nicht würdig sei. 
Diese verbale Hebammentechnik (Maieutik) ist auch eine Grundlagen der Existenzanalyse. Nach Frankl findet durch das sokratische Gepräch eine Klärung der eigenen Haltung statt, bei der der Patient seine Kraft zur Selbstheilung weckt. Erstes Ziel des sokratisches Gespräches ist es, die Ursache des Leidens eines Patienten in Worte zu fassen.

Die Dereflexion

Die Dereflexion geht den umgekehrten Weg des sokratischen Gesprächs. Denn die andauernde Selbstbeobachtung und Überprüfung, die so genannte Hyperreflexion, kann letztlich auch als Ursache für eine psychische Erkrankung angesehen werden. Indem sich der Patient auf angenehme Dinge konzentriert und Probleme ausblendet, richtet er seine Aufmerksamkeit nicht in destruktiver Weise auf das, was ihn krank macht.

Exkurs: Die Dereflexion im Medium Film 

Das Leben ist schön (Original: La vita e bella)

Regie: Roberto Benigni
Hauptdarsteller:
Roberto Benigni (Guido)
Nicoletta Braschi (Dora)
Giorgio Cantarini (Giosue)
Horst Buchholz (Dr. Lessing)

Produktionsjahr: 1997
Auszeichnungen (Auswahl): Großer Preis 1998 in Cannes
Europäischer Filmpreis 1998
Deutscher Filmpreis für den besten ausländischen Film 1999

Der Vater des Regisseurs Roberto Benigni war selbst zwei Jahre im Konzentrationslager Bergen-Belsen und hat wie Viktor Frankl auch Aufzeichnungen hinterlassen. Benigni nahm dieser zur psychologischen Grundlage seiner Tragikomödie um eine junge Familie, die deportiert wurde. Der Hauptdarsteller und Lebenskünstler Guido wird dahin mit seinem Sohn Giosue in eine Konzentrationslager verschleppt, seine Frau Dora folgt den beiden freiwillig. Im Lager erklärt Guide dem Kind, dass die Menschen im Lager nur an einem Spiel teilnehmen, bei dem zwei Mannschaften um Punkte spielen. Auf die kindlichen Fragen lässt er sich immer neue Ausreden einfallen, und schließlich überlebt Giosue das Konzentrationslager ohne seelisch zugrunde zu gehen.

Die paradoxe Intention

Viktor Emil Frankl
Die Methoden der Existenzanalyse / Logotherapie

Die Theorie der paradoxen Intention geht davon aus, dass sich ein Patient im Inneren dagegen sträubt, was er sich an Neurotischem wünscht. Daher fixiert der Therapeut nicht auf das Krankheitssymptom. Der Teufelskreis zwischen neurotischem Wunsch und Angst vor den Konsequenzen dieses Wunsches soll so unterbrochen werden. Ganz im Sinne Sokrates' nimmt der Therapeut eine ironische und distanzierte Haltung zum Patienten und seinem Problem ein. Ziel ist es, eine Gelassenheit zu entwickeln, die sich schließlich auf den Patienten überträgt und ihn von seiner selbst zugewiesenen Opferrolle befreit.
 

Literatur: Riehmeyer, Jörg: Die Logotherapie Viktor Frankls, Gütersloh 2002. Schlüter, Christiane: Die wichtigsten Psychologen im Portrait, Wiesbaden 2007. Vesely-Frankl, Gabriele (Hrsg.): Frühe Schriften 1923-1942. Maudrich, Wien 2005. Kurs eingereicht von Günther Lamprecht 2008.

Die Existenzanalyse: Ende des Kurses