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Sokrates, der Spross einer Hebamme,
übertrug
das leibliche zur-Welt-bringen auf seine Art,
Gespräche zu
führen. Dabei bediente er sich der Mittel von Scharfsinn,
Provokation und Ironie. Die Gesprächspartner wurden von
Sokrates
so lange in die Enge getrieben, bis sie sich zu grundlegenden Fragen
nach Wertvorstellungen stellten und über ihre
persönlichen
Überzeugungen nachdachten. Sokrates ging davon aus, dass ein
reflektierender Gedanke besser sei als ein unreflektierter, und ein
unreflektiertes Leben eines Menschen nicht würdig
sei.
Diese verbale Hebammentechnik (Maieutik) ist auch
eine Grundlagen
der Existenzanalyse. Nach Frankl findet durch das sokratische
Gepräch eine Klärung der eigenen Haltung statt, bei
der der
Patient seine Kraft zur Selbstheilung weckt. Erstes Ziel des
sokratisches Gespräches ist es, die Ursache des Leidens eines
Patienten in Worte zu fassen.
Die Dereflexion geht den umgekehrten Weg des sokratischen Gesprächs. Denn die andauernde Selbstbeobachtung und Überprüfung, die so genannte Hyperreflexion, kann letztlich auch als Ursache für eine psychische Erkrankung angesehen werden. Indem sich der Patient auf angenehme Dinge konzentriert und Probleme ausblendet, richtet er seine Aufmerksamkeit nicht in destruktiver Weise auf das, was ihn krank macht.
Der Vater des Regisseurs Roberto Benigni war selbst zwei Jahre im Konzentrationslager Bergen-Belsen und hat wie Viktor Frankl auch Aufzeichnungen hinterlassen. Benigni nahm dieser zur psychologischen Grundlage seiner Tragikomödie um eine junge Familie, die deportiert wurde. Der Hauptdarsteller und Lebenskünstler Guido wird dahin mit seinem Sohn Giosue in eine Konzentrationslager verschleppt, seine Frau Dora folgt den beiden freiwillig. Im Lager erklärt Guide dem Kind, dass die Menschen im Lager nur an einem Spiel teilnehmen, bei dem zwei Mannschaften um Punkte spielen. Auf die kindlichen Fragen lässt er sich immer neue Ausreden einfallen, und schließlich überlebt Giosue das Konzentrationslager ohne seelisch zugrunde zu gehen.

Die Theorie der paradoxen Intention
geht davon
aus, dass sich ein Patient im Inneren dagegen sträubt, was er
sich
an Neurotischem wünscht. Daher fixiert der Therapeut nicht auf
das
Krankheitssymptom. Der Teufelskreis zwischen neurotischem
Wunsch
und Angst vor den Konsequenzen dieses Wunsches soll so unterbrochen
werden. Ganz im Sinne Sokrates' nimmt der Therapeut eine ironische und
distanzierte Haltung zum Patienten und seinem Problem ein. Ziel ist es,
eine Gelassenheit zu entwickeln, die sich schließlich auf den
Patienten überträgt und ihn von seiner selbst
zugewiesenen
Opferrolle befreit.