PSYCHOLOGIE
TEIL 2

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Die Existenzanalyse (2): Die Dimensionen 
Wiener Schulen | Psyche, Physis und Noesis | Methoden der Existenzanalyse

Die Dimensionen der menschlichen Existenz

Viktor Emil frankl
Viktor Emil Frankl, Gründer der Existenzanalyse

Die Dimensionen der menschlichen Existenz teilt Frankl in die Bereiche Psyche, Physis und Noesis.
Die Psyche (Seele) und die Physis (Körperlichkeit) des Menschen stehen dabei immer in einem engen Zusammenhang, denn die Psyche kann den Körper ja nicht ablegen. Die Noesis (der Verstand) ist am ehesten dazu in der Lage, sich selbst gesund zu erhalten. Frankl geht dabei, im Gegensatz zur behaviouristischen Psychologie, von der Freiheit des Willens aus. Als freier Mensch ist er Gestalter seines Lebens, er bestimmt selbst trotz aller Widrigkeiten selbst die Grundkoordinaten seines Daseins. Frankl will dies in seiner Therapie den Patienten bewusst machen und so die Selbstheilungskräfte wecken.

Existenzanalyse und Philosophie

Karl Jaspers
Viktor E. Frankl
Sören Kierkegaard
Sokrates

Die existentialistischen Philosophen Heidegger und Jaspers, Brüder im Geiste des existentialistischen Psychologen Frankl, schöpfen beide aus den Quellen von Sören Kirkegaard. Der dänische Theologe und Privatgelehrte und Ur-Existentialist beschreibt die menschliche Existenz in ständigen Gegensätzen: Das Entweder-Oder, so der Titel einer seiner Schriften, stellt den Menschen vor Entscheidungen, die er verantworten kann und muss. Ein bloßes sich fallen lassen in das vermeintliche Schicksal oder das Akzeptieren einer falschen Entscheidung für das eigene Leben ist für Kierkegaard eine Versündigung an sich selbst.

Die Selbstheilungskräfte des Patienten

Mündigkeit und Psychotherapie

Die Frage nach der Mündigkeit des Patienten kann in ihrer Bedeutung kaum überschätzt werden. Der Streit zwischen den Verfechtern der biologischen Determiniertheit des Menschen auf der einen und der Bestimmtheit auf der anderen Seite ist so alt wie die Psychologie selbst. Die Grenzen sind dabei nicht immer klar zu erkennen. So geht die Psychoanalyse, die Wurzel der Existenzanalyse, selbst von einem eher geringen Handlungsspielraum des von der Lust determinierten Menschen aus. 

Zwar ist der Mensch durch seine Gene in vielen Dingen festgelegt, und er kann auch seine Biographie und seine Erlebnisse nicht einfach ablegen. Dennoch hat er die Freiheit, um zwische gut und böse zu unterscheiden und sein Leben so weit wie möglich zu gestalten. Jeder Mensch ist gleichzeitig soziales Wesen wie einmalig und original. In der Welt sucht er Sinn und Bedeutung.

Die therapeutischen Techniken

Viktor Emil Frankl
Die drei Dimensionen der menschlichen Existenz

Jede gute pädagogische oder psychologische Theorie beinhaltet auch einen Weg, mit der das Ziel am besten erreicht werden kann. Frankl kombiniert dabei drei unterschiedliche Ansätze: Im sokratischen Gespräch soll dem Patienten dazu verholfen werden, seine eigenen Ideen und Gedanken zu gebären - Sokrates' Mutter war Hebamme und der Athener Philosoph gebrauchte schon selbst diese Metapher für einen fruchtbaren Dialog. Die Dereflexion ist eine Technik, die dem sokratischen Selbsterkennen entgegen steht. Sie dient der Verdängung und mit ihrer Hilfe hat Frankl seine Zeit in den Konzentrationslagern überlebt. Die paradoxe Intention ist eine Methode, die die Zwangsvorstellungen eines neurotischen Patienten zu unterlaufen versucht.

Literatur: Riehmeyer, Jörg: Die Logotherapie Viktor Frankls, Gütersloh 2002. Schlüter, Christiane: Die wichtigsten Psychologen im Portrait, Wiesbaden 2007. Vesely-Frankl, Gabriele (Hrsg.): Frühe Schriften 1923-1942. Maudrich, Wien 2005. Kurs eingereicht von Günther Lamprecht 2008.

Morgen bei aphilia: Die Methoden der Existenzanalyse