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Auf der Schwelle zwischen Spätantike und Christentum vereint und versöhnt Boethius die griechische Schule mit der neuen Weltsicht. Sein Büchlein über den "Trost der Philosophie" ist im Kerker geschrieben. Der christliche König Theoderich, dem er einst als hoher Beamter gedient hatte, verdächtigte ihn der Konspiration mit dem rivalisierenden Byzanz und hatte ihn zum Tode verurteilt. Boethius nimmt den Schicksalsschlag in stoischer wie christlicher Duldsamkeit hin. In der Zeit der zu erwartenden Pein bewahrt er sich die innere Haltung der Menschenliebe: "Liebe die Guten nach Recht, Böser erbarme dich mild".
"Während Paulus in Athen (...) wartete, erfasste ihn heftiger Zorn; denn er sah die Stadt voller Götzenbilder. Er redete in der Synagoge mit den Juden und Gottesfürchtigen, und auf dem Markt sprach er täglich mit denen, die er gerade antraf. Einige von den epikureischen und stoischen Philosophen diskutierten mit ihm, und manche sagten: Was will denn dieser Schwätzer?"
Die Vetreter der alten, stoischen und
der
neuen, christlichen Weltsicht lagen zunächst in einem
Konflikt. Doch das Christentum entwickelte sich wie alle Religionen im
Laufe der Jahre.Verschiedene Teile anderer Ströungen wurden
integriert. Mit der Stoa war dies nicht allzu schwierig, denn.es gibt
zwischen den beiden Lehren
durchaus Parallelen. Beide idealisieren das
Bedürfnislosigkeit,
die Maßhaltung, und die Orientierung an den wesentlichen
Dingen des menschlichen Lebens. Und in beiden Traditionen können alle Menschen am
Glück
teilhaben. Die Stoa unterscheidet nicht in Bürger, Sklaven und
Barbaren, vertritt also wie das Christentum das Ideal der Gleichheit.
Auch die Schwierigkeiten sind ähnlicher Natur: In der realen
Welt,
die von Macht- und Besitzstreben
geprägt ist, droht die ursprüngliche, moralisch
bestimmte Lehre den
Sachzwängen unterworfen zu werden. Der Unterschied zwischen
Stoa
und Christentum liegt ironischerweise weniger im Detail wie im
Grundsätzlichen. Die Stoa ist eine philosophische
Lehre unter
vielen und beruft sich anders als das Christentum nicht auf eine
göttliche Offenbarung.