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Als mittlere und jüngere
Stoa wird der Einfluss der griechischen Lehre in Rom bezeichnet. Bei
den elitären römischen Patriziern war die Lehre des
einfachen Lebens zumindest als Theorie durchaus beliebt, verlangte sie
doch eine gewisse Selbstdiziplin und andere Eigenschaften, die zur
Staatsführung notwendig erschienen.
Der Jurist, Anwalt und messerschafe Logiker Seneca hielt den
Reichen zwar nicht ihre angesammelten Schätze nicht direkt als
Makel vor, wohl aber deren Umgang mit ihnen. Statt den Reichtum dazu zu
verwenden, sich mit Kunst, Wissenschaft oder Reisen zu befasssen,
>eringen sie sich im
sinnlosen Rausch und dem Leeren, Oberfächlichen. Sie
betäubten sich mit ihrem Reichtum und wurden dabei selbst
nicht glücklich.
Das Ideal Senecas war weit von der Wirklichkeit Roms entfernt: Er hatte
das Bild des stoischen Weisen vor Augen, der durch die rechte Gesinnung
(Menschenliebe) und das richtige Handeln (Wohltaten) zum sozialen
Gelingen beiträgt. Hierdurch unterscheidet er sich vom
elitären Denken des griechischen Stoikers Epikur, der die
Beteiligung an der Gesellschaft ablehnte und sich im Garten
zurückzog. An der Aufgabe, seinen von Natur aus unbeherrschten
Schüler Nero zur Mäßigung zu erziehen,
scheiterte Seneca selbst in kläglicher Weise.
In seinem "Handbüchlein der Moral" stellte Epiktet eine Reihe von Lebensregeln auf, mit denen der Weise dem Schicksal begegnen kann, ohne an der Welt zu verzweifeln. Weil Ereignisse wie Verlust, Krankheit und Tod oft nicht in menschlicher Hand liegen, ist es vernünftig mit den Wünschen sparsam umzugehen:
"Verlange nicht, dass die Dinge verlaufen, wie du es wünschst, sondern wünsche sie so, wie sie verlaufen; dann wirst du glücklich sein."
Epiktet war ein freigelassener phrygischer Sklave. Als viele Stoiker aus Rom verbannt wurden, gründte er in Nikopolis eine eigene Philosophenschule. Bekannt ist er durch sein "Handbüchlein", eine auch heute erhältliche und sehr lesens- wie nachdenkenswerte Sammlung lebenspraktischer Traktate. Mit Marc Aurel gelangte erstmals ein Stoiker auf den Kaiserthron. In seinen "Selbstbetrachtungen" resümierte er über die Bestimmung des Menschen in einer von den Göttern wohl durchdachten Welt:
"Ehre die Götter und sorge für die Menschen. Kurz ist das Leben. Nur eine Frucht trägt das irdische Dasein: fromme Gesinnung und gemeinnütziges Tun."
Die Kraft zum Guten liegt nach der Überzeugung von Marc Aurel im Inneren eines jeden verborgen. Sie macht den Weisen so stark, dass er vor der Welt "aufrecht oder aufgerichtet" bestehen kann. Die Lehren Marc Aurels wurden nicht nur vom Christentum adaptiert, auch Friedrich der II. von Preußen wählte den Philosophenherrscher zum Vorbild.