PHILOSOPHIE
TEIL 3

VON 5
Die Philosophie der Stoa: Die großen Lehrmeister
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Zenon, Epikur und Chrysipp

Die Philosophiehistoriker unterscheiden üblicherweise eine ältere, mittlere und jüngere Stoa. Vertreter der älteren Stoa, gewissermaßen ihre Gründungsväter, sind Zenon von Kition, Epikur und Chrysipp. Zenon lehrte in der Bunten Säulenhalle (Stoa poikile) in Athen, woher die Philosophenschule auch ihren Namen entlieh. Epikur gründete 306 v.Chr. die "Schule des Gartens", die auch noch lange nach seinem Tod, bis ins zweite Jahrhundert nach Christus weiterbestand. Dieser Garten war nicht nur ein Lehrort, sondern auch ein Ort epikureischer Lebenspraxis.
Dabei verfolgten die Epikureer eine Spielart der stoischen Lehre, die häufig Missinterpratationen unterworfen ist, empfahl Epikur doch das Leben in "dauerhafter Lust". Damit wollte er jedoch nicht der Hemmunglosigkeit Vorschub leisten, der Verächter des vergänglichen Rausches suchte die Lust der Ruhe. Lust begann bei Epikur mit der Abwesenheit von Schmerz. Chrysipp, der letzte Vertreter des drei großen älteren Stoiker systematisierte die Lehre in zahlreichen Schriften.

Sokrates und die Stoa

Julius Cäsar
Cleopatra
Epikur von Samos
Marc Aurel
Sokrates
Zenon von Kition
"Indes, wozu muss er sich Unterhalt verschaffen? Etwa des Lebens wegen? Aber das Leben ist etwas Gleichgültiges. Oder der Lust wegen? Auch diese ist gleichgültig. Oder der Tugend wegen? Sie ist für sich selbst genug zur Glückseligkeit. Lächerlich ist auch jede Art der Beschaffung des Unterhaltes, wie z.B. die durch die Gnade eines Königs; denn man muss sich dann dessen Launen fügen; oder die auf dem Wege der Freundschaft, denn dann wird diese käuflich für Gewinn; oder mittels der Weisheit; dann wird die Weisheit auf Lohn ausgehen."

(Chrysipp, zitiert nach Diogenes Laertius)

Mit der sokratischen Wende begann ein neues Zeitalter der Philosophie. Nicht mehr die Natur, sondern der Mensch wurde zum Mittelpunkt der Betrachtung. Sokrates hatte sein Leben damit verbracht, die Bürger Athens zum vernünftigen Denken zu verführen. Wie Sokrates waren die Stoiker der Ansicht, dass die gesamte Natur von einer übergeordneten, göttlichen Vernunft bestimmt ist, dem Logos, der für alle Menschen gleich gilt. Einen Unterschied zwischen Sokrates und den Stoikern gibt es in der Lebenspraxis. Der Stoiker verstand sich als Weltbürger (Kosmopolit) mit einem distanzierten Verhältnis zum Staat. Epikur riet den Menschen, "im Verborgenen zu leben". Sokrates hingegen war nicht nur patriotischer Athener, sondern auch überzeugter Verfechter einer offen ausgetragenen politische Debatte um alle wichtigen Angelegenheiten. 

Die verlorenen Schriften

Chrysipp befasste sich nicht nur mit den typisch stoischen Fragen nach der richtigen Lebensweise, sondern auch mit Logik und Sprache. Leider gibt es sehr wenige erhaltene Schriften des stoischen Systematikers. Schuld daran ist niemand Geringeres als der ungestüme Römer Lulius Cäsar. Er ließ im Jahre 47 vor Christus im Liebesrausch zu Cleopatra die Schiffe ihrer Gegner im Hafen von Alexandria niederbrennen. Das Feuer griff auf die Bibliothek von Alexandria nieder und nicht nur Chrysipps Schriften gingen für immer verloren.  

Morgen bei aphilia: Die römische Stoa