PHILOSOPHIE
TEIL 1

VON 5
Die Philosophie der Stoa (1): Griechische Antike
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Die Vorgeschichte der Stoa

Zenon von Elea
Zenon von Elea

Die Geburtsstunde der Stoa als Schule mit einem festen Ort und einem systematischen Lehrkanon schlägt im vierten Jahrhundert vor Christus in Athen. Als ihr Gründer gilt Zenon von Kition. Doch es lohnt sich durchaus, auch das Wirken seines Namensvetters Zenon von Elea unter der "stoischen Brille" zu betrachten. Der ältere Zenon gehört zu einer eine Gelehrtengruppe im unteritalienischen Elea, einem Zentrum der griechischen Kultur außerhalb des Kernlandes, das im 6. und 5. Jahrhundert vor Christus seine Blütezeit hat. Zu den herausragenden "Eleaten" zählen neben Zenon auch der Existenzphilosoph Parmenides und der Religionsphilosoph Xenophanes. Was hat aber nun Zenon von Elea mit der stoischen Schule gemein? Zenon war ein genialer Theoretiker der Langsamkeit, einer stoischen Urtugend, und die auf sehr spezielle Weise. Mit Hilfen von Paradoxien - schlüssigen und zugleich widersprechenden Aussagen - zeigt er wie leicht unser Denken und unsere Wahrnehmung getäuscht werden können und warnt uns damit vor der Gefahr des allzu schnellen Urteils. Sein Rennen zwischen dem griechischen Helden Achill und einer Schildkröte ist bis zum heutigen Tage Gesprächsstoff für Philosophen und Mathematiker. 

Das Rennen zwischen Achill und der Schildkröte

Das Bild  links zeigt die Startaufstellung zwischen dem Rennläufer Achill und einer Schildkröte. Um es Achill nicht gar zu einfach zu machen, erhält die Schildkröte einen Startvorsprung. Die Kontrahenden begeben sich in Hab-acht-Position und erwarten den Beginn des Wettkampfes.

Das Rennen beginnt. Nach einiger Zeit hat Achill den Punkt erreicht, an dem die Schildkröte einst gestartet war. Die Schildkröte selbst hat er natürlich noch nicht erreicht, denn sie ist in der Zwischenzeit schon wieder ein Stückchen weiter gekrochen. Betrachtet man die Szenerie ein kleines Zeitintervall später, so ergibt sich das selbe Szenario. Jeder Punkt, den Achill erreicht, wurde von der Schildkröte bereits verklassen

Julius Cäsar
Cleopatra
Epikur von Samos
Marc Aurel
Sokrates
Zenon von Kition

Bei der stetigen Verkleinerung des Zeitintervalls der Betrachtung wird der Rennläufer Achill die Schildkröte nie erreichen. Diese Botschaft erscheint uns heute, in einer vom Ideal der Dynamik (griech. Bewegung) geprägten Welt wenig brauchbar. Trotzdem ist die Stoa eine Philosophie des glücklichen Lebens. Dieses ist aber nicht durch hektisches Tun oder dem Streben nach Lustgewinn erreichbar, sondern durch die vernunftbedingte Einsicht in die göttliche Kraft, den "Logos", der das Weltgeschehen bestimmt. Wer innerhalb dieser Ordnung lebt, befindet sich in Übereinstimmung mit der Natur und ist im wohlmeinenden Sinne bewegungslos. Die Schule der Stoa in Athen wird das Prinzip der Entschleunigung als Mittel zur Erlangung der "Meersstille der Seele" in ihr Lehrgebäude integrieren.

Morgen bei aphilia: Der Weg zum Glück