Pädagogik
Teil 7

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Die Pädagogik der Adenauerzeit (7): Familiengründung

Die Erziehungslehre der 50er Jahre

Pädagogik der Ära Adenauer
Erziehungslehre 1952/53
Bild: Erika Biehl

Die Pädagogik der 50er Jahre war konservativen ausgerichtet. Erika Biehl besuchte im Schuljahr 1952/53 eine Mädchenrealschule in Stuttgart. Ihr sorgfältig geführtes Heft aus dem Fach Erziehungslehre bietet uns heute einen unverfälschten Einblick in die Moralvorstellungen der Nachkriegszeit: Für eine Ehe muss die Frau hohe Opfer bringen.

Familiengründung

Schon im im Spiel des kleinen Mädchens  offenbart sich der wesentliche Zug der Frau: die Mütterlichkeit. Mit welcher Hingabe und Sorge betreut das Puppenmütterchen sein Püppchen. Mit den reifen Jahren geht die Sehnsucht bewußter auf das große Ziel. Einmal ein Heim aufbauen zu dürfen und darin glücklich Frau und Mutter zu sein.
Die Gründung einer Familie ist eine ernste Angelegenheit, denn es handelt sich dabei nicht nur um das eigene Glück, sondern um das Glück vieler. Darum wird gerade das junge Mädchen mit sich selbst ernstlich zu Rate gehen und sich fragen: Bin ich überhaupt zur Ehe berufen, oder habe ich die Neigung in einem anderen Berufe? Bin ich gesund, bin ich frei von Erbkrankheiten, die das Leben meiner Kinder schwer schädigen könnten?

Bin ich charakterlich für die Ehe geeignet? Kann ich tragen, kann ich ertragen? kann ich schweigen, und selbstlos dienen, habe ich Liebe und Opferfreudigkeit zum Kind, ist meine Religiosität so echt, um aus ihr meine Familie christlich gestalten zu können? Auch bei der Wahl des Ehegatten überlegen, ob ist der zukünftige Vater meiner Kinder gesund? Ist er frei von erblichen Krankheiten? Wie ist seine Familie? Hat er eine sichere Existenz? Ist er fleißig und sparsam, kann er sich beherrschen? Ist er ein Charakter? Wie steht er zu seiner Mutter? und zu seinen Schwestern? Hält er Mädchenehre und Frauenwürde hoch oder witzelt er? Wie denkt er vom Kind? Ist er meines Glaubens? Das Alter?
Nicht zu jung, da ist Mangel an Lebenserfahrung, unfertig, unreif, aber auch umgekehrt, nichz  zu große Altersunterschiede, das wirkt sich selten gut aus.

Die Verlobung

Erziehungslehre 1952/53 - ein Schulheft erzählt...

Dieser Kurs verzichtet bewusst auf die sonst üblichen didaktischen Elemente. Stattdessen wurde das gesamte Schulheft des Faches Erziehungslehre originalgetreu abgeschrieben und an einigen wenigen Stellen orthographisch überarbeitet. 

Im Kontext mit der aktuellen Werte- und Erziehungsdebatte nach den Amokläufen in Erfurt und Winnenden wird heute vielfach nach pädagogischen Rezepten aus der Vergangenheit gerufen. Das Schulheft gewährt einen weder geschönten noch verdammenden Einblick in die pädgogischen Ziele, die  Methoden und das zugrunde gelegte Menschenbild der Nachkriegs - Ära.

Familie und Kirche stehen in engster Verbindung; vor dem Altar wird die christliche Ehe gegründet. Die Kirche unterstützt die Eltern bei der Erfüllung ihrer schwersten Pflichten, bei der Erziehung der Kinder, steht ihnen mit Rat und Tat zur Seite. Die Familie pflegt neben dem natürlichen vor allem das übernatürliche Leben ihrer Kinder; unterstützt dadurch sie seelsorgliche Arbeit der Kirche; pflegt das geistliche Brauchtum und die geistlichen Sitten.

Grundlagen des Familienglückes 

Forum Pädagogik
Forum Pädagogik

Wirtschaftliche Grundlagen: Eine sichere Existenz , getragen und gesichert durch Berufstüchtigkeit, Fleiß, Sparsamkeit, die notwendigen wirtschaftlichen Bedarfsgüter, zu einem menschenwürdigen Dasein, vor allem eine genügend große Wohnung (Not zehrt die Liebe auf!) Ethische Grundlagen: Unverbrauchte körperliche und seelische Jugendkraft, rein verlebte Jugend. Eine hohe, voll Ehrfurcht getragene Auffassung von den Aufgaben der Familie, der Ehe, Heilighaltung der Ehe und unentwegte Treue. Auch in schweren Zeiten. Selbstlose, opferstarke Liebe, aus der tapferes Ertragen der Eigenart, der Schwächen und Unvollkommenheiten des Anderen, der Mühen und Sorgen. 

Feinde des Familienlebens

Mangel an den notwendigen Gebrauchsgütern, unbeherrschte Ichsucht, Trunksucht, Spielwut, Arbeitsscheu, ausschweifendes Leben, Untreue, Sittenlosigkeit und Religionslosigkeit. Die Frau insbesonder kann ein Familienglück zerstören durch mangelnde wirtschaftliche Eigenschaften, durch Vergnügungssucht, durch Launenhaftigkeit, durch Klatschsucht, Eifersucht, Opferscheu.

Morgen bei aphilia: Die Eheschließung