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Die Kollission reißt die Außenhülle des Dampfers auf ungefähr einem Fünftel der Gesamtlänge auf. Trotzdem bricht nicht sofort Panik aus. Der Schaden, unterhalb der Wasserlinie gelegen, ist für die Passagiere zunächst nicht wahrnehmbar. Man nimmt den Ruck des Schiffs und die Neigung nach vorn zunächst nicht ernst. Doch das Wasser strömt immer stärker durch das Leck in den Innenraum.
Die Titanic ist am Rumpf mit abgeschlossenen Kammern, sogenannten Schotten versehen, die die Auswirkungen eines Lecks gering halten sollen. Unter dem starken Wasserdruck brechen diese jedoch ein. Erst ab diesem Zeitpunkt beginnt die Kommandobrücke den Ernst der Lage zu begreifen und erteilt das Kommando zur Flucht in die Rettungsboote. Doch davon gibt es zu wenige an Bord. Nach den damals geltenden Vorschriften des Britischen Handelsministeriums ist die Anzahl der Rettungsboote von der Tonnage (Größe) eines Schiffe abhängig. Allerdings existiert für sehr große Schiffe, die die Grenze von 10.000 BRT (Bruttoregistertonnen) überschritten, eine einheitliche Vorgabe von 16 Rettungsbooten. Bei der Verabschiedung des Gesetzes waren die Schiffe durchweg kleiner gebaut, die Sicherheitsvorschriften hinken der Realität hinterher. Die 46.328 BRT große Titanic hat sogar mehr Rettungsboote als es das Gestz vorschreibt - aber immer noch viel zu wenig für alle Menschen an Bord. Zudem versagt die Schiffsmannschaft bei der Organisation der Rettung. Die ersten Boote, die auf eine Kapazität von 60 Personen ausgelegt sind, gehen mit erheblich weniger Personen zu Wasser. Andererseits wollen viele Passagiere ihr Leben lieber dem Ozeanriesen als einem schwankenden Boot anvertrauen, sie müssen in die Boote gezwungen werden.
Nach einer Stunde beginnt sich der Bug des Schiffes immer stärker zu neigen. Wegen der Brand- und Explosionsgefahr müssen die Feuer unter den Kesseln gelöscht werden. Das Heck hebt sich aus dem Wasser und ragt drohend in den Himmel. Auf den Decks ist es nun kaum mehr möglich, sich fortzubewegen und noch in ein Rettungsboot zu kommen. Panik bricht aus, und die Mannschaft muss mit Gewalt dafür sorgen, dass keine Boote gestürmt werden.
Hilfe für die Menschen in den Rettungsbooten kommt von einem Schiff der Cunard-Line. Die Carpathia, im Linienverkehr zwischen dem Mittelmeer und New York eingesetzt, empfängt per Funk am 15. April 1912 morgens gegen 0.25 Uhr den Notruf der Titanic. Zu diesem Zeitpunkt ist sie immerhin 58 Seemeilen von der Titanic entfernt. Sie ändert ihren Kurs, beschleunigt von ihrer Normalgeschwindigkeit von 14 auf 16 Knoten und prescht sich durch das gefährliche Gebiet zum Unglücksort. Wer aber nicht rechtzeitig einen Platz in einem Boot gefunden hat, ist zum Tode verurteilt. Um 2 Uhr 5 geht das letzte Rettungsboot zu Wasser. Um 2 Uhr 17 hört die Kapelle auf zu spielen, kurz darauf zerbricht das gewaltige Schiff in zwei Teile. Um 2 Uhr 20 sinkt die Titanic auf den Grund des Ozeans und nimmt die Passagiere mit sich. Wer jetzt noch über Bord geht, bleibt ohne Hoffnung in den eisigen Fluten zurück. Die 705 Überlebenden in den Booten werden von der Carpathia aufgenommen und nach New York gebracht.