NATURWISSENSCHAFT
Lektion

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Die Tierwelt der Galápagos-Inseln (5): Die Riesenschildkröte

Die friedlichen Methusalems und ihre Superstars

Riesenschildkröte
Galápagos-Riesenschildkröte 
Foto: MA Ernst

Die Riesenschildkröten sind der eindrucksvolle Beweis dafür, dass zumindest im Tierreich das Ideal eines langen und friedvollen Daseins auf Erden möglich ist. Ihre Lebenserwartung ist wahrhaft alttestamentarisch. Die Schildkrötendame Harriet, vom Evolutionstheoretiker Charles Darwin einst noch persönlich eingefangen, verstarb erst im Juni 2006 im Alter von wahrscheinlich 176 Jahren in einem australischen Zoo an Herzversagen. Das lange Leben kommt nicht von ungefähr. Die gemächlich schreitenden Tiere ernähren sich äußerst gesundheitsbewusst und streng vegetarisch: Kakteen, Gräser, Flechten und Heilkräuter gehören zu ihrem täglichen Speiseplan. 

Die Riesenschildkröte Adwaita hält bisher noch den Altersrekord der bekannten Exemplare. Sie stammt vermutlich nicht von den Galapagosinseln, sondern von den Seychellen. Bereits in der Mitte des 18. Jahrhundert wurde sie von britischen Seefahrern in die Kolonie Indien gebracht. Wie Harriet von den Galapagosinseln verstarb sie 2006. Die Schildkröten sind auch der Namensgeber des Archipels. "Islas galápagos" bedeutet im Spanischen nichts anderes als "Inseln der Schildkröten".

Das Leiden von Lonesome George

Charles Darwin

Die zweifellos berühmteste Schildkröte der Welt ist Lonesome George von der Galapagos - Insel Pinta. Er ist mit ungefähr 80 Jahren und 90 Kilo im besten Alter und Zustand und besitzt heute ein Haus auf der Charles-Darwin-Forschungsstation auf Santa Cruz. Leider ist seine Unterart Geochelone nigra abingdoni ausgestorben. Zu anderen Arten fiel ihm der Kontakt eine lange Zeit schwer. Verschiedene Anbahnungsversuche auf den Inseln Isabela, Cristobal und Espanola waren nicht von Erfolg gekrönt. 

Im Juli 2008 erreichte die Biologen eine frohe Kunde: Acht Eier, darunter sechs intakte, wurden in seinem Gehege entdeckt. Da das Geschlecht der Schildkröte durch die Bruttemperatur bestimmt wird, wurden sie sofort in zwei Gruppen getrennt und in Brutkästen mit unterschiedlicher Temperatur gelegt. Die männlichen Nachkommen schlüpfen bei 28 Grad, die weiblichen lieben es etwas wärmer bei 29,5 Grad. Doch die Wissenschaftler wurden schließlich enttäuscht: Die Eier waren nicht befruchtet. Lonesome George blieb weiterhin ohne Nachwuchs und starb am 24. Juni 2012.

Die Anpassung des Schildkrötenpanzers

Systematik

Name:
Galápagos-Riesenschildkröte (Geochelone nigra porteri)

Gattung:
Geochelone

Familie:
Landschildkröten (Testudinidae)

Unterordnung: Halsberger-Schildkröten (Cryptodira)

Ordnung:
Schildkröten (Testudinata)

Unterklasse:
Anapsida

Klasse:
Reptilien (Reptilia)

Reihe:
Landwirbeltiere (Tetrapoda)

Panzer und Kopf der Schildkröte sind je nach Insel unterschiedlich ausgebildet. Die Tiere haben sich, so sagt es zumindest die Theorie der Evolution von Charles Darwin, an die Bedingungen der Umwelt angepasst. Wo sie ihre Nahrung vom Boden aufnehmen, tragen sie einen geschlossenen Panzer in Form einer Kuppel und haben einen kurzen Hals. Sie erinnern an die kleineren und bei uns als Haustiere vertrauten Arten. Die Schildkröte im Bild oben lebt in Gebieten mit wenig Grasbewuchs. Sie besitzt einen Panzer mit einer nach oben gebogenen Stelle, was eine große Bewegungsfreiheit für den Hals ermöglicht. Für die Aufnahme der Nahrung von Sträuchern und Kakteen und Flechten ist dies sehr vorteilhaft.

Als Fleischlieferant vom Aussterben bedroht

(1) Galapagos Geschichte
(2) Blaufusstoelpel
(3) Landiguan
(4) Meeresiguan
(5) Riesenschildkroete
(6) Unterwasserwelt

Der Mensch trachtete den Riesenschildkröten lange nach dem Leben. Piraten und Seefahrer schätzten gleichermaßen ihr Fleisch, und dies nicht nur aus geschmacklichen Gründen. Die genügsamen Tiere können monatelang ohne Aufnahme von Nahrung und Wasser auskommen. Die Schiffsköche nahmen sie deshalb gerne an Bord, in zynischer Weise ausgedrückt, als Vorläufer der Konservenbüchse. Im 20. Jahrhundert waren es dann ausgewilderte Haustiere, die den Riesenschildkröten und ihren Gelegen das Leben schwer machten. In den 60er und 70er - Jahren des vergangenen Jahrhunderts führte die Charles-Darwin-Forschungsstation Programme zur Aufzucht und Auswilderung durch, um die Art zu erhalten. Die verwilderten Haustiere werden seither systematisch eingefangen. Es besteht also die Hoffnung, dass die Tiere mit der langen Lebenserwartung weiterhin auf dem Archipel heimisch sein dürfen, wenn auch nicht in allen Unterarten.

Galápagos-Inseln (5): Die Riesenschildkröte