Naturwissenschaft
Lektion

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Die Tierwelt der Galápagosinseln (4): Der Meeresiguan

Das Rätsel um die Reise der Iguane

Meeresiguan
Galápagos-Meeresiguan 
Foto: MA Ernst

Der Meeresiguan oder Meeresleguan (Amblyrhynchus cristatus) ist auf dem gesamten Archipels beheimatet. Er unterscheidet sich aber je nach Insel in Farbe und Größe. Das Bild links stammt von der Insel Santa Cruz, wo die schwarz und rot gefärbten Tiere eine mittlere Größe erreichen. Auf der der Insel Isabela erreichen sie die maximale Größe von 130 cm beim Männchen. Das Weibchen ist wie auch beim Landiguan sehr viel kleiner.
Die Lebenserwartung liegt bei ungefähr 30 Jahren. Paarungszeit ist von Dezember bis Januar. Das Weibchen legt 1-6 Eier, die ungefähr 95 Tage lang ausgebrütet werden. Die Jungen sind gleich nach der Geburt selbständig und ernähren sich zunächst von den Algen oberhalb der Wasserlinie. Geschlechtsreif werden die Männchen mit 6 bis 8, die Weibchen schon mit 3 bis 5 Jahren. Bevorzugte Aufenthaltsorte sind Wasser und Felsküsten, aber auch Strände und Mangrovengebiete.

Systematik

Familie:
Leguane (Iguanidae)

Teilordnung:
Leguanartige (Iguania)

Ordnung:
Schuppenkriechtiere (Squamata)

Klasse:
Reptilien (Reptilia)

Reihe:
Landwirbeltiere (Tetrapoda)

Das Aussehen der Landiguane erinnert uns unwillkürlich an die Dinosaurier. Allerdings sind sie keine direkten Abkömmlinge, sondern besitzen lediglich gemeinsame Vorfahren. Immer noch ist es ein Rätsel, wie die Iguane das Galápagosarchipel erreichen konnten, denn eine Landverbindung zwischen dem submarinen Gebirgsspitze und einem Kontinent hat niemals existiert. Eine plausible Theorie geht davon aus, dass sie treibende Bäume als Transportmittel benutzt haben. 

Der Wärmehaushalt der Meeresiguane 

Meeresiguan
Meeresiguane wärmen sich in Gruppen auf
Foto: MA Ernst

Die Meeresiguane sind hoch spezialisiert. Durch das Tauchen nehmen sie zwangsweise Meeressalz auf, was sie in kristalliner Form über eine Drüse an der Nase wieder ausscheiden. Die Tiere tauchen bis zu 20 Meter tief und könnnen bis zu einer Stunde unter Wasser bleiben. Dabei regulieren sie ihren Kreislauf über das Verlangsamen der Herzschlagfrequenz.
Bei diesem Vorgang verringert sich die Körpertemperatur der wechselwarmen Tiere im Wasser von 37 auf 27 Grad. Um sich aufzuwärmen, legen sie sich danach stundenlang in die Sonne, bis ihre Körpertemperatur wieder auf 37 Grad gestiegen ist. Die schwarze Hautfarbe erweist sich als nützlich um den Vorgang zu beschleunigen.
Auch wenn das Bild rechts auf den ersten Blick andere Assoziationen weckt: Es handelt sich keineswegs um eine Gruppe Halbwüchsiger, die am Strand um Zerstreuung sucht oder gar Artgenossen provozieren möchten. Die Zusammenrottung der friedlichen Tiere ist ganz praktischer Natur, denn die Körper wärmen sich gegenseitig in der Sonne, was den Regenerationsprozess noch einmal beschleunigt.

Kreuzungen zwischen Land- und Meeresiguanen

(1) Galapagos Geschichte
(2) Blaufusstoelpel
(3) Landiguan
(4) Meeresiguan
(5) Riesenschildkroete
(6) Unterwasserwelt

Gefährdet sind die Meeresiguane vor allen Dingen in ihrer Erschöpfungsphse nach dem Tauchen. Auch ihre Brut ist nicht sicher. Die in den Sand oder Vulkanasche gelegten Eier sind eine leichte Beute für Fressfeinde. Sie selbst stellen keine Gefährdung für andere Tiere dar, ernähren sie sich doch von  von Algen und Seegras. Eine Abnahme ihres Bestandes ist zudem stets nach einem starken Auftreten des Naturphänomens El Niño zu verzeichnen. Die Wasserqualität vor Galapagos wird normalerweise durch den Humboldtstrom reguliert, der kühles und nährstoffreiches Wasser an die Oberfläche des Meeres bringt. Wird diese Zufuhr durch El Niño gedrosselt wird, so verknappt sich die Nahrung für den Meeresiguan. Land- und Meeresiguanen paaren sich auch miteinander. Die Nachkommen der Kreuzungen sind selbst aber nicht mehr fortpflanzungsfähig. 

Tierwelt der Galápagosinseln (4): Der Meeresiguan