NATURWISSENSCHAFT
Lektion

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Die Tierwelt der Galapagos-Inseln (2): Der Blaufußtölpel

Der Blaufußtölpel

Blaufußtölpel
Der Blaufußtölpel 
Foto: MA Ernst

Wie der Kormoran und der Pelikan gehört auch der Blaufußtölpel zur Familie der Ruderfüßler. Er lebt auf dem amerikanischen Festland nur an der tropischen Westküste zwischen Kalifornien und Peru, ebenso trifft man ihn man auf den vorgelagerten Inseln an.
Sein Hauptverbreitungsgebiet ist aber das Galapagosarchipel. Er hält sich in der Brutzeit auf dem Land und ansonsten überwiegend auf dem Meer auf. Seine Körperlänge umfasst ca. 80-90 cm, sein Gewicht beträgt etwa anderthalb Kilogramm.
Kopf und Rumpf sind in Brauntönen gefärbt. Besonders augenfällig sind seine leuchtenden blauen Füße, mit denen er sich hervorragend im Wasser fortbewegen kann. Beim Eintauchen aus großer Höhe werden sie nach hinten abgewinkelt. Seinen Namen trägt der Tölpel wohl zu Unrecht, denn sehr geschickt fängt er je nach Situation seine Beute beim Ein- oder beim Wiederauftauchen. Selbst Fische, die sich nur kurz über der Wasseroberfläche aufhalten, werden zum Ziel des geschickten Jägers. Der Blaufußtölpel geht aber ebenso gerne in seichtem Gewässer auf Beutefang. Der europäische Verwandte des Blaufußtölpels ist der Basstölpel (Sula bassana). Er hat seine Brutplätze in großen Kolonien um Island, die britischen Inseln und Skandinavien. In Deutschland findet man ihn auf der Insel Helgoland.

Das eigentümliche Balzritual

Blaufußtölpel
Das Markenzeichen des Blaufußtölpels
Foto: MA Ernst
Systematik

Wissenschaftlicher Name:
Sula nebouxii

Gattung:
Sula

Familie:
Tölpel (Sulidae)

Ordnung:
Ruderfüßer (Pelecaniformes)

Unterklasse:
Neukiefervögel (Neognathae)

Klasse:
Vögel (Aves)

Reihe:
Landwirbeltiere (Tetrapoda)

Das Balzritual ist recht außergewöhnlich und für den Ornithologen wie für den Laien immer wieder ein wunderschönes Schauspiel der Natur. Die paarungswilligen Vögel umtanzen sich zunächst.
Dann streckt das Männchen seine Füße vor und lässt sie vom Weibchen begutachten. Die auffälligen blauen Füße sind nicht nur Namensgeber der Tiere, sondern auch Zeichen der Geschlechtsreife. Der Farbton der Füße ist ein Indiz für die Gesundheit der Tiere und spielt damit für die Versorgungsqualität der zukünftigen Familie eine große Rolle. Die Intensität des Farbtons hängt von der Erährung ab, die ausschließlich aus Fischen besteht. Nimmt ein Blaufußtölpel zu wenig Nahrung auf, so lässt seine Fußfarbe nach, und seine Paarungschancen verringern sich. Während des Rituals wird auch ein Werbungsgesang angestimmt, der aus langanhaltenden Pfeiflauten besteht. Immer wieder werden dabei Kopf und Schnabel nach oben gereckt und heftig bewegt. Auch der Sterz und die Unterseite der Flügel werden zum Himmel gerichtet.

Die Hochzeitszeremonie der Blaufußtölpel

Im gesamten Balzritual gibt es ein klar zu erkennendes Signal für den erfolreichen Abschluss des gegenseitigen Umwerbens. Es kommt also - wie beim Menschen - zu eine Art von Vertragsabschluss und der Übergabe eines Ehesymbols. Der Ehering der Tierwelt ist bei den Blaufußtölpeln von ganz praktischer Natur und betrifft die Grundsteinlegung eines neuen gemeinsamen Hauses: 
Das Männchen bringt der Angebeteten nämlich einige kleine Stöckchen für den Nestbau und dokumentiert so seine handwerklichen Fähigkeiten und sein Organisationsgeschick. Wenn die Stöckchen akzeptiert werden ist die Hochzeit besiegelt. Das Weibchen wird die übergebenen Stöckchen in des Nest einbauen und dem gemeinsamen Glück steht dann nichts mehr im Wege.
Die Blaufußtölpel leben monogam, der einmal geschlossene Bund der Ehe hält in der Regel ein ganzes Vogelleben lang, in der Freiheit sind dies etwa 15 bis 17 Jahre. Zu ihrem angestammten Brutplatz kehren die Paare der Blaufußtölpel  immer wieder zurück. 

Nestbau, Brut und Aufzucht der Jungen

(1) Galapagos Geschichte
(2) Blaufusstoelpel
(3) Landiguan
(4) Meeresiguan
(5) Riesenschildkroete
(6) Unterwasserwelt

Das Nest baut das Weibchen im Schutz von felsigen Küstengebieten. Es ist daher nicht besonders kunstvoll angelegt, sondern besteht aus einem Ring von kleinen Stöckchen in einer Mulde. Das Weibchen legt nach der Paarung in einem Zeitraum von 1 bis 2 Wochen 1 bis 3 Eier. Der Brutvorgang ist außergewöhnlich, er wir nämlich zum Großteil mit den gut durchbluteten Füßen durchgeführt. Nach den 40 oder 41 Tagen der Brutperiode werden die Küken von beiden Eltern mit Nahrung versorgt. Die Familienplanung der Blaufußtölpel kennt wenig Rücksichtnahme in knappen Zeiten. Falls nicht genug zu essen vorhanden ist, wird nur das Erstgeborene oder Kräftigste gefüttert, und die anderen müssen das Nest verlassen. Nach 3-4 Monaten verlassen die aufgezogenen Jungvögel mit braunem Gefieder die Kinderstube.

Tierwelt der Galápagos-Inseln (2): Blaufusstoelpel