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Hinweis: Das Werk
der Hildegard von Bingen gibt uns einen wichtigen
Einblick in die
Geschichte
der Medizin. Dabei ist ersichtlich, dass die Ärztin und
Äbtissin in weit stärkerem Maße
Wissenschaft und Mythologie vermengt, als
ihre Vorgänger Hippokrates und Galen. Aus heutiger
Perspektive sind
Hildegards Rezepte für die Heilung von
Krankheiten zumeist
unwirksam und in einigen Fällen durchaus
schädlich. Die giftige Wirkung der Metalle war Hildegard von
Bingen noch nicht
bekannt. Die Entstehung der Metalle erklärt sie in ihrer
Vorrede (Praefatio) durch die Durchmischung von Feuer und Wasser.
Das edle Metall bringt Hildegard von
Bingen mit der Kraft der Sonne in Verbindung. Als Heilmittel empfiehlt
sie es gegen die Gicht:
"Ein Mensch der von der Gicht befallen ist, koche Gold so lange, bis es
völlig rein ist. Dann zermahle er es zu Pulver, nehme eine
Handvoll Mehl, knete dies mit Wasser und gebe zum Teig ein wenig von
dem Goldpulver, im Gewicht eines Obulus. Wenn er am Morgen
nüchtern ißt, um am Tag darauf ebenfalls
nüchtern ißt, vertreibt es die Gicht für
ein ganzes Jahr. Das Gold liegt zwei Monate in seinem Magen. aber es
macht den Magen nicht bitter. Es erzeugt auch keinen Eiter, sondern er
reinigt ihn ohne Gefahr, wenn er kalt und schleimig ist. Wenn ein
Gesunder dies tut, erhält er damit seine Gesundheit, ein
Kranker gewinnt sie. (Hildegard von Bingen: Physica. De Metallis)
Das Kupfer ist für Hildegard
von Bingen als Medizin und Mensch und Tier gleichermaßen
geeignet. Freilich soll es für den Menschen mit Wein,
für das Vieh mit Wasser aufgegossen werden. Hildegard erreicht
bei ihren Missionsreisen auch viele Menschen in
Weinanbaugebieten. Die örtlichen Winzer werden es mit
Freude vernommen haben, wenn der Wein ihrer Anbaugebiete von der
populären Äbtissin ob seiner Heilkraft
gerühmt wurde:
"Das Kupfer ist kalt, erwärmt sich jedoch schnell und ist
gleichsam der Asche des Goldes. Wer ein Fieber hat, das im Magen
entsteht, der soll reines Kupfer in fränkischen Wein legen und
den Wein stark kochen. Sobald er einzudampfen beginnt, soll er ihn vom
Feuer nehmen und nun neun Tage lang nüchtern und
mäßig trinken." Gegen Krankheiten der Pferde, Esel,
Rinder, Ziegen, Schafe und Schweine empfiehlt Hildegard einen
Wasseraufguss, mit dem das Futter der Tiere besprengt wird. (Hildegard
von Bingen: Physica. De Metallis)
Auch das Silber bedarf des guten
Weines, um seine heilende Wirkung zu entfalten: "Ein Mensch, der zu
viele Säfte in sich hat und sie oft auswirft, der soll drei-
bis viermal ganz reines Silber erhitzt in guten Wein legen, damit der
Wein davon warm. Am Abend soll er ihn nüchtern trinken. So
werden sich die überflüssigen Säfte
verringern." (Hildegard von Bingen: Physica. De Metallis)