NATURWISSENSCHAFT
TEIL 9

VON 9
Hildegard von Bingen (9): Die Metalle
Pflanzen | Elemente | Bäume | Steine | Fische
Vögel | Tiere | Reptilien | Metalle

Die Heilkraft der Metalle im Werk der Hildegard von Bingen

Galen
Hildegard von Bingen
Hippokrates
Hildegard von Bingen
Hildegard von Bingen bei der Aufzeichnung
Miniatur aus dem Rupertsberger Codex

Hinweis: Das Werk der Hildegard von Bingen gibt uns einen wichtigen Einblick in die Geschichte der Medizin. Dabei ist ersichtlich, dass die Ärztin und Äbtissin in weit stärkerem Maße Wissenschaft und Mythologie vermengt, als ihre Vorgänger Hippokrates und Galen. Aus heutiger Perspektive sind Hildegards Rezepte für die Heilung von Krankheiten zumeist unwirksam und in einigen Fällen durchaus schädlich. Die giftige Wirkung der Metalle war Hildegard von Bingen noch nicht bekannt. Die Entstehung der Metalle erklärt sie in ihrer Vorrede (Praefatio) durch die Durchmischung von Feuer und Wasser.

Über das Gold (De Auro)

Das edle Metall bringt Hildegard von Bingen mit der Kraft der Sonne in Verbindung. Als Heilmittel empfiehlt sie es gegen die Gicht:

"Ein Mensch der von der Gicht befallen ist, koche Gold so lange, bis es völlig rein ist. Dann zermahle er es zu Pulver, nehme eine Handvoll Mehl, knete dies mit Wasser und gebe zum Teig ein wenig von dem Goldpulver, im Gewicht eines Obulus. Wenn er am Morgen nüchtern ißt, um am Tag darauf ebenfalls nüchtern ißt, vertreibt es die Gicht für ein ganzes Jahr. Das Gold liegt zwei Monate in seinem Magen. aber es macht den Magen nicht bitter. Es erzeugt auch keinen Eiter, sondern er reinigt ihn ohne Gefahr, wenn er kalt und schleimig ist. Wenn ein Gesunder dies tut, erhält er damit seine Gesundheit, ein Kranker gewinnt sie. (Hildegard von Bingen: Physica. De Metallis)

Über das Kupfer (De Cupro)

Die neun Bücher der Physica, Hildgards Systematik der Heilkräfte

1. De Plantis. Über die Pflanzen
2. De Elementis. Über die Elemente
3. De Arboribus. Über die Bäume
4. De Lapidibus. Über die Steine
5. De Piscibus. Über die Fische
6. De Avibus. Über die Vögel
7. De Animalibus. Über die Tiere
8. De Reptilibus. Über die Reptilien
9. De Metallis. Über die Metalle

Mit Ausnahme des zweiten Buches beginnt jeder Teil mit der Praefatio, einer Vorrede, in der Hildegard von Bingen Glaubens- und Naturlehre miteinander verknüpft.

Das Kupfer ist für Hildegard von Bingen als Medizin und Mensch und Tier gleichermaßen geeignet. Freilich soll es für den Menschen mit Wein, für das Vieh mit Wasser aufgegossen werden. Hildegard erreicht bei ihren Missionsreisen auch viele Menschen in Weinanbaugebieten. Die örtlichen Winzer werden es mit Freude vernommen haben, wenn der Wein ihrer Anbaugebiete von der populären Äbtissin ob seiner Heilkraft gerühmt wurde:

"Das Kupfer ist kalt, erwärmt sich jedoch schnell und ist gleichsam der Asche des Goldes. Wer ein Fieber hat, das im Magen entsteht, der soll reines Kupfer in fränkischen Wein legen und den Wein stark kochen. Sobald er einzudampfen beginnt, soll er ihn vom Feuer nehmen und nun neun Tage lang nüchtern und mäßig trinken." Gegen Krankheiten der Pferde, Esel, Rinder, Ziegen, Schafe und Schweine empfiehlt Hildegard einen Wasseraufguss, mit dem das Futter der Tiere besprengt wird. (Hildegard von Bingen: Physica. De Metallis)

Über das Silber (De Argento)

Auch das Silber bedarf des guten Weines, um seine heilende Wirkung zu entfalten: "Ein Mensch, der zu viele Säfte in sich hat und sie oft auswirft, der soll drei- bis viermal ganz reines Silber erhitzt in guten Wein legen, damit der Wein davon warm. Am Abend soll er ihn nüchtern trinken. So werden sich die überflüssigen Säfte verringern." (Hildegard von Bingen: Physica. De Metallis)

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