| Archäologie | Literatur | Psychologie |
| Astronomie | Naturwissenschaft | Sprachen |
| Geschichte | Pädagogik | Theologie |
| Kunst | Philosophie | F O R U M |

Hinweis: Das Werk der Hildegard von Bingen gibt einen wichtigen Einblick in die Geschichte der Medizin. Es ist ersichtlich, dass die Ärztin und Äbtissin in weit stärkerem Maße Wissenschaft und Mythologie vermengt, als ihre Vorgänger Hippokrates und Galen. Aus heutiger Perspektive sind Hildegards Rezepte für die Heilung von Krankheiten zumeist unwirksam und in einigen Fällen durchaus schädlich.
Hildegard von Bingen charakterisiert in ihrer Vorrede (Praefatio) die Reptilien im Einklang mit der Schöpfungsgeschichte: Sie sie stehen auf der untersten Stufe der Lebenwesen. In ihnen laueren allerlei magische Kräfte, und sind sind für den Menschen nicht genießbar.
In Hildegards Tiersystematik tummeln
sich munter Fabelwesen wie das Einhorn oder der Drache.
Die Äbtissin schreibt in Übereinstimmung mit
der Vorstellungswelt des hohen Mittelalters. Für die
Gelehrten ihrer Zeit, mit denen sie in regem Austausch steht,
bilden die mythische und die christliche Weltanschauung nicht
zwangsläufig einen Widerspruch. Der Drache symbolisiert dabei
die Figur des Teufels:
»Der Drache hat eine
trockene, ungewöhnliche Hitze und ein
unbezähmbares Feuer in sich, doch sein Fleisch ist nicht
feuriger Natur. Sein Odem aber ist so kräftig und scharf, dass
er, sobald er ausgestoßen wird, entflammt wie ein Feuer, das
aus einem Stein geschlagen wird. Dem Menschen ist er übel
gesinnt. Weil er das Wesen und die Tücken des Teufels hat,
bewegt er Geister in der Luft, wenn er ausatmet.« Hildegard
empfiehlt das feurige Tier nicht zum Verzehr,
sein kräftiges Blut aber
zur Bekämpfung von Steinen: »Wenn ein Mensch
einen Stein in
sich träft, soll er Drachenblut nehmen und es an einem
feuchten Platz bringen, danach in reinem, klaren Wasser eine knappe
Stunde lassen, damit das Wasser von seiner Wärme annimmt. Das
Blut soll er dann wieder abschöpfen und das Wasser
nüchtern trinken. Gleich darauf soll er ein wenig essen. So
soll er es über neun Tage tun, aber stets nur
mäßig von dem Wasser trinken. Durch die Kraft des
Drachenblutes sird der Stein in ihm zerbrechen, und der Mensch wird vom
Stein befreit. Unverdünntes Drachenblut soll man niemals
trinken, man würde daran sterben.« (Hildegard von
Bingen: Physica. De
Reptilibus)
Die Giftigkeit des Skorpions betrifft bei Hildegard seinen ganzen Körper. Heilmittel lassen sich aus ihm nicht herstellen. Der Skorpion ist so giftig, das nicht erst das Kosten, sondern schon die Berührung eines mit ihm hergestellten Trankes tödlich wirkt.
Das Kapitel über den
Regenwurm zeigt Hildegard zu gleichen Teilen als Naturbeobachterin wie
Mystikerin. Die Erde beschreibt sie als Lebewesen, das von Adern
durchzogen ist:
»Der Regenwurm ...hat
wegen seiner reinen Natur keine Knochen. Die Erde
hat Feuchtigkeit in sich, durch die sie, wie Adern, zusammengehalten
wird, und nicht auseinanderströmt. Wenn Regen bevorsteht,
spürt die Feuchtigkeit der Erde, dass ihre Adern
gefüllt werden. Der Regenwurm spürt das und kriecht
wegen der Fülle der Adern hervor.« Die Zeit nach
einem
Regen empfiehlt Hildegard dazu, Würmer
einzufangen und mit Weizenmehl zu einem Teig zu verarbeiten.
Die weiteren Zutaten des Teigs sind Eichenholz und in gleicher Menge
Wein und Essig. Dieser Teig soll bei Geschwüren eingesetzt
werden: »Gegen nicht
aufgebrochene Geschwüre hilft der Teig, wenn er
drei Tage aufgelegt wird. Wenn sie aber schon aufgebrochen sind, muss
man den Teig erst in eine Lauge tunken und dann
auflegen.« (Hildegard von Bingen: Physica. De
Reptilibus)