NATURWISSENSCHAFT
TEIL 8

VON 9
Hildegard von Bingen (8): Über die Reptilien
Pflanzen | Elemente | Bäume | Steine | Fische
Vögel | Tiere | Reptilien | Metalle

Die Heilkraft der Reptilien  im Werk der Hildegard von Bingen

Galen
Hildegard von Bingen
Hippokrates
Hildegard von Bingen
Hildegard von Bingen bei der Aufzeichnung
Miniatur aus dem Rupertsberger Codex

Hinweis: Das Werk der Hildegard von Bingen gibt einen wichtigen Einblick in die Geschichte der Medizin. Es ist ersichtlich, dass die Ärztin und Äbtissin in weit stärkerem Maße Wissenschaft und Mythologie vermengt, als ihre Vorgänger Hippokrates und Galen. Aus heutiger Perspektive sind Hildegards Rezepte für die Heilung von Krankheiten zumeist unwirksam und in einigen Fällen durchaus schädlich.

Hildegard von Bingen charakterisiert in ihrer Vorrede (Praefatio) die Reptilien im Einklang mit der Schöpfungsgeschichte: Sie sie stehen auf der untersten Stufe der Lebenwesen. In ihnen laueren allerlei magische Kräfte, und sind sind für den Menschen nicht genießbar.

Über den Drachen (De Draconis)

In Hildegards Tiersystematik tummeln sich munter Fabelwesen wie das Einhorn oder der Drache. Die Äbtissin schreibt in Übereinstimmung mit der Vorstellungswelt des hohen Mittelalters. Für die Gelehrten ihrer Zeit, mit denen sie in regem Austausch steht, bilden die mythische und die christliche Weltanschauung nicht zwangsläufig einen Widerspruch. Der Drache symbolisiert dabei die Figur des Teufels:

»Der Drache hat eine trockene, ungewöhnliche Hitze und ein unbezähmbares Feuer in sich, doch sein Fleisch ist nicht feuriger Natur. Sein Odem aber ist so kräftig und scharf, dass er, sobald er ausgestoßen wird, entflammt wie ein Feuer, das aus einem Stein geschlagen wird. Dem Menschen ist er übel gesinnt. Weil er das Wesen und die Tücken des Teufels hat, bewegt er Geister in der Luft, wenn er ausatmet.« Hildegard empfiehlt das feurige Tier nicht zum Verzehr, sein kräftiges Blut aber zur Bekämpfung von Steinen: »Wenn ein Mensch einen Stein in sich träft, soll er Drachenblut nehmen und es an einem feuchten Platz bringen, danach in reinem, klaren Wasser eine knappe Stunde lassen, damit das Wasser von seiner Wärme annimmt. Das Blut soll er dann wieder abschöpfen und das Wasser nüchtern trinken. Gleich darauf soll er ein wenig essen. So soll er es über neun Tage tun, aber stets nur mäßig von dem Wasser trinken. Durch die Kraft des Drachenblutes sird der Stein in ihm zerbrechen, und der Mensch wird vom Stein befreit. Unverdünntes Drachenblut soll man niemals trinken, man würde daran sterben.« (Hildegard von Bingen: Physica. De Reptilibus)

Über den Skorpion (De Scorpione)

Die neun Bücher der Physica, Hildgards Systematik der Heilkräfte

1. De Plantis. Über die Pflanzen
2. De Elementis. Über die Elemente
3. De Arboribus. Über die Bäume
4. De Lapidibus. Über die Steine
5. De Piscibus. Über die Fische
6. De Avibus. Über die Vögel
7. De Animalibus. Über die Tiere
8. De Reptilibus. Über die Reptilien
9. De Metallis. Über die Metalle

Mit Ausnahme des zweiten Buches beginnt jeder Teil mit der Praefatio, einer Vorrede, in der Hildegard von Bingen Glaubens- und Naturlehre miteinander verknüpft.

Die Giftigkeit des Skorpions betrifft bei Hildegard seinen ganzen Körper. Heilmittel lassen sich aus ihm nicht herstellen. Der Skorpion ist so giftig, das nicht erst das Kosten, sondern schon die Berührung eines mit ihm hergestellten Trankes tödlich wirkt.

Über den Regenwurm (De Ulwurm)

Das Kapitel über den Regenwurm zeigt Hildegard zu gleichen Teilen als Naturbeobachterin wie Mystikerin. Die Erde beschreibt sie als Lebewesen, das von Adern durchzogen ist:

»Der Regenwurm ...hat wegen seiner reinen Natur keine Knochen. Die Erde hat Feuchtigkeit in sich, durch die sie, wie Adern, zusammengehalten wird, und nicht auseinanderströmt. Wenn Regen bevorsteht, spürt die Feuchtigkeit der Erde, dass ihre Adern gefüllt werden. Der Regenwurm spürt das und kriecht wegen der Fülle der Adern hervor.« Die Zeit nach einem Regen empfiehlt Hildegard dazu, Würmer einzufangen und mit Weizenmehl zu einem Teig zu verarbeiten. Die weiteren Zutaten des Teigs sind Eichenholz und in gleicher Menge Wein und Essig. Dieser Teig soll bei Geschwüren eingesetzt werden: »Gegen nicht aufgebrochene Geschwüre hilft der Teig, wenn er drei Tage aufgelegt wird. Wenn sie aber schon aufgebrochen sind, muss man den Teig erst in eine Lauge tunken und dann auflegen.« (Hildegard von Bingen: Physica. De Reptilibus)

Morgen bei aphilia: Über die Metalle