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Hinweis: Das Werk der Hildegard von Bingen gibt einen wichtigen Einblick in die Geschichte der Medizin. Die Ärztin und Äbtissin vermengt in weit stärkerem Maße Wissenschaft und Mythologie als ihre Vorgänger Hippokrates und Galen. Aus heutiger Perspektive sind Hildegards Rezepte für die Heilung von Krankheiten zumeist unwirksam und in einigen Fällen durchaus schädlich.
Die Vögel versinnbildlichen
bei Hildegard von
Bingen Kraft und Weisheit. Dem Menschen verhelfen sie zu bedachter
Rede. Als Tiere der Lüfte sind sie im
Guten
und Schlechten Vorboten kommender Ereignisse. Ihr Gespür
entnehmen
sie dabei den Luftveränderungen.
Die nachtaktive Eule, das Wappentier
Athens, war in der Antike ausschließlich mit der
Weisheit verbunden. In den Überlieferungen
Mitteleuropas
wird sie auch zum
unheilbringenden Wesen. Auch Hildegard von Bingen stützt sich
auf
altes Volksgut:
"Die Eule ist warm und hat die Angewohnheiten des
Diebes, der den Tag kennt, ihn aber flieht und die Nacht liebt. Die
anderen Vögel meidet sie weil sie ihr Wesen nicht liebt. Sie
spürt den Tod des Menschen im Voraus. Sie weiß, wo
Trauer
bevorsteht, und eilt wie ein Leichenvogel sogleich dorthin, flieht
aber, noch bevor die Trauer ausbricht. Sie ernährt sich von
Dingen, die der menschlichen Natur entgegen sind. Eine Salbe aus dem
Schmalz der Eule, gemischt mit einem Dekokt von Rinfarn und
Baumöl, hilft paralytischen und gichtigen Menschen. (Hildegard
von Bingen: Physica. De avibus)
Die Nachtigall ist nicht wie die Eule das Symbol eines nahenden Unglücks, sondern der fröhliche Seite der Nacht: "Die Nachtigall ist warm, trocken und rein. Sie hat ihre Natur von der Nachtluft. Deshalb singt sie und freut sich in der Nacht mehr als am Tage. Wer verdunkelte Augen hat, soll vor Anbruch des Tages eine Nachtigall fangen. ihre Galle entleeren, eine Tautropfen hinzufügen und damit vor dem Schlaf seine Wimpern und Lider benetzen. Das wird die Verdunkelung auf wunderbare Weise von den Augen nehmen. (Hildegard von Bingen: Physica. De avibus)
Leber, Lunge und Fett des Schwanes
sollen gegen verschiedene Leiden nützlich
sein: "Der Schwan ist kalt und
Feucht, er hat etwas vom Wesen der Gans und
der Ente. Er schwimmt gerne im Wasser, liebt die Erde und das Wasser
mehr als die Lüfte. Sein Fleisch ist Gesunden wie Kranken ohne
Nutzen. Gegen
Lungenleiden soll
man seine Leber gekocht essen, gegen Leiden der Milz seine gekochte
Lunge. Das Fett des Schwanes ist in einer Salbe mit Beifuß
und
Eichenrinde gegen Ausschläge zu verwenden. Nach dem
Einschmieren
wird die Haut Pusteln zeigen, dann jedoch rasch heilen." (Hildegard von
Bingen: Physica. De avibus)