NATURWISSENSCHAFT
TEIL 5

VON 9
Hildegard von Bingen (5): Über die Fische
Pflanzen | Elemente | Bäume | Steine | Fische
Vögel | Tiere | Reptilien | Metalle

Die Heilkraft der Fische im Werk der Hildegard von Bingen

Galen
Hildegard von Bingen
Hippokrates
Hildegard von Bingen
Hildegard von Bingen bei der Aufzeichnung
Miniatur aus dem Rupertsberger Codex

Hinweis: Das Werk der Hildegard von Bingen gibt einen wichtigen Einblick in die Geschichte der Medizin. Dabei wird deutlich, dass die Ärztin und Äbtissin in weit stärkerem Maße Wissenschaft und Mythologie vermengt, als ihre Vorgänger Hippokrates und Galen. Aus heutiger Perspektive sind Hildegards Rezepte für die Heilung von Krankheiten oft unwirksam und in einigen Fällen durchaus schädlich.

In der Vorrede (Praefatio) zu den Fischen beschreibt Hildegard von Bingen ihre Lebensgewohnheiten in den unterschiedlichen Wassertiefen. Sie unterscheidet Tiere die sich an der Oberfläche, in der Mitte des Wassers und in größerer Tiefe aufhalten. Als Nahrung der Fische nennt sie Kräuter, die auch dem Menschen zuträglich wären, wenn er sie finden und sich nutzbar machen könnte. Der erste Mensch Adam kannte diese Kräuter, verschmäht sie aber als er andere Nahrung gefunden hatte. Den Laich der Fische hält Hildegard für ungenießbar, ja giftig. Den Fischern empfiehlt sie daher, die Netze nach dem Fang sorgsam zu reinigen.

Über den Walfisch (De Cete)

Über den Walfisch weiß Hildegard zu berichten, dass ohne ihn das Meer aufgrund der Vielzahl der "anderen Fische" völlig undurchdringlich wäre: "Si pisces comedendo et devorando non minuerentur." Das Tier beschreibt sie als gefräßig, sein Fleisch als für den Menschen heilsam:

"Nachdem er viel gefressen hat, wird fett und kann sich kaum von seinem Ort weg bewegen. Dann erhebt er sich und und spuckt mit dem Schaum etwas aus, dass er gefressen hat. Erst wenn er merkt, dass er sich bewegen kann, schwimmt er zu einem anderen Ort. Dadurch verliert er etwas Fett und Schwere. Er freut sich, dass er sich bewegen kann, und schwimmt froh nach hier und dort. Was ihm begegnet, frißt er in seinem Übermut. Zu dieser Zeit fangen ihn die Menschen mit List. Sein Fleisch ist sehr kräftig, wer es ißt, bekämpft alle üblen Kräfte. So wie Gott jedem Lebewesen eine Gestalt gegeben hat, um seine Macht zu zeigen, hat er es auch bei diesem Fisch getan. Deshalb esrpürt der Wal auch die Unwürde des Teufels und bläst seinen Atem gegen ihn. Sein Fleisch ist nahrhaft und den Menschen, gesund oder krank, zuträglich. Geister entfliehen vor ihm, denn wenn er seine Haut zusammenzieht, dann bietet er einen furchterregenden Anblick, und er bläst gegen das Trugbild seinen schrecklichen Atem. Ein wahnsinniger Mensch soll vom Fleisch des Walfisches viel essen, mit etwas Brot zusammen. Davon gewinnt er an Verstand zurück." (Hildegard von Bingen: Physica. De Piscibus)

Über den Hering (De Allec)

Die neun Bücher der Physica, Hildgards Systematik der Heilkräfte

1. De Plantis. Über die Pflanzen
2. De Elementis. Über die Elemente
3. De Arboribus. Über die Bäume
4. De Lapidibus. Über die Steine
5. De Piscibus. Über die Fische
6. De Avibus. Über die Vögel
7. De Animalibus. Über die Tiere
8. De Reptilibus. Über die Reptilien
9. De Metallis. Über die Metalle

Mit Ausnahme des zweiten Buches beginnt jeder Teil mit der Praefatio, einer Vorrede, in der Hildegard von Bingen ihre Glaubens- und Naturlehre miteinander verknüpft.

Den frischen Hering empfiehlt Hildegard nicht zum Genuss, da er "im Körper Eiter verursacht". Um ihn ohne Reue zu genießen, soll man ihn deshalb abkochen, und solange er noch warm ist mit Weinessig übergießen und darin beizen. Generell ist er für Hildegard mehr Heil- als Nahrungsmittel:

"Wer auf dem Haupt ein Grind hat, oder am Leib Spuren von Krätze oder Aussatz, säubere einen Hering gesalzen im Wasser und reinige sich selbst dann im Abstand einer Stunde zweimal das Haupt oder die befallenen Stellen des Leibes mit diesem Wasser. Am nächsten Tag soll er die gleichen Stellen mit einer Lauge aus Buchenasche reinigen. Am dritten Tag soll er sich an den Stellen mit Bockstalg einreiben. Wenn er dies richtig macht, werden Grind, Krätze oder Aussatz gemildert." (Hildegard von Bingen: Physica. De Piscibus)

Über den Aal (De Anguilla)

Den Aal beschreibt Hildgard nicht als Tier, das von Gott so geschaffen wurde. Es ist Ergebnis einer Kreuzung zwischen einem Fisch und einem anderen Tier:

"Und wie auch manchmal der Mensch seine Natur aufgibt und sich mit dem Vieh mischt, so führt auch die Vermischung unter den Tieren zu einem neuen Geschlecht."  Das Aalfleisch charakterisiert Hildegard als für den Menschen schlecht verträglich: "Er liebt die Nacht und hat die Natur von Würmern, die sich gerne in Höhlen aufhalten, aber dennoch wenig unrein sind. Aber er hat ebenso die Natur der Fische und frisst wenig Unreines. Trotzdem ist sein Fleisch etwas unrein, es taugt deinem gesunden Menschn nicht zur Speise, ebenso wie das Fleisch des Schweines. Seine Galle ist Fett. Wer sich damit die Augen einreibt, kann so für kurze Zeit besser sehen, danach werden sie aber umso mehr geschwächt." (Hildegard von Bingen: Physica. De Piscibus)

Morgen bei aphilia: Über die Vögel