NATURWISSENSCHAFT
TEIL 3

VON 9
Hildegard von Bingen (3): Über die Bäume
Pflanzen | Elemente | Bäume | Steine | Fische
Vögel | Tiere | Reptilien | Metalle

Die Heilkraft der Bäume im Werk der Hildegard von Bingen

Galen
Hildegard von Bingen
Hippokrates
Hildegard von Bingen
Hildegard von Bingen bei der Aufzeichnung
Miniatur aus dem Rupertsberger Codex

Hinweis: Das Werk der Hildegard von Bingen gibt einen wichtigen Einblick in die Geschichte der Medizin. Dabei orientiert sich die Ärztin und Äbtissin in weit stärkerem Maße an der Mythologie, als ihre Vorgänger Hippokrates und Galen. Aus heutiger Perspektive sind Hildegards Rezepte für die Heilung von Krankheiten zumeist unwirksam und in einigen Fällen durchaus schädlich.

In ihrer Vorrede (Praefatio) unterscheidet Hildegard von Bingen Wald- und Obstbäume. Auch verschiedene Sträucher und den Weinstock rechnet sie zu den Bäumen zu. Das gemeinsame Merkmal der Kategorie ist sie das Tragen von Früchten (Obst). Zum Verzehr von rohem Obst rät Hildegard allerdings eher selten. Fast schon eine Ausnahme bildet der Apfel, den "der gesunde Mensch ohne besondere Zubereitung" essen darf. 

Über die Rebe (De Vite)

Hildegard von Bingen weiß um die Bedeutung von Sonne und Bodenbeschaffenheit für die Qualität der Reben. Den Wein emphiehlt sie in Verbinung mit der Asche des Rebstocks zur Zahnbehandlung, Zahnpflege und Zahnkosmetik:

"Die Rebe enthält feurige Hitze und Feuchtigkeit. Ihre Hitze ist so groß, daß sie dem Saft der Rebe einen ganz eigenartigen Wein gibt, wie ihn andere Bäume und Gräser nicht haben. Vor der Sintflut war die Erde gebrechlich und es wuchs kein Wein. Weil sie durch die Flut gestärkt wurde, wächst Wein. Die heutige Erde verhält sich zur Erde vor der Flut wie Grießstein zur jetzigen Erde. Wenn das Fleisch um die Zähne herum fault, und wenn die Zähne krank sind, möge man die warme Asche der Weinrebe in Wein legen, und dann möge man mit jenem Wein die Zähne und das Fleisch um die Zähne waschen. Dies möge man oft tun, und jedes Fleisch wird geheilt und die Zähne werden hart und fest. Wenn die Zähne gesund sind, so wird das Waschen von Vorteil und sie werden schön." (Hildegard von Bingen: Physica. De Arboribus)

Über den Kastanienbaum (De Kestenbaum)

Die neun Bücher der Physica, Hildgards Systematik der Heilkräfte

1. De Plantis. Über die Pflanzen
2. De Elementis. Über die Elemente
3. De Arboribus. Über die Bäume
4. De Lapidibus. Über die Steine
5. De Piscibus. Über die Fische
6. De Avibus. Über die Vögel
7. De Animalibus. Über die Tiere
8. De Reptilibus. Über die Reptilien
9. De Metallis. Über die Metalle

Mit Ausnahme des zweiten Buches beginnt jeder Teil mit der Praefatio, einer Vorrede, in der Hildegard von Bingen Glaubens- und Naturlehre miteinander verknüpft.

In ihrer Darstellung des Kastanienbaums verweist Hildegard von Bingen auf den Zusammenhang zwischen der Krankheit des Körpers und der Seele:

"Der Kastanienbaum ist sehr warm; dabei erhält er eine große Kraft, die der Wärme beigemengt ist. Er versinnbildlicht die Gelassenheit. Sein Saft und seine Frucht sind nützlich gegen jegliche Schwäche des Menschen. Wer die Gicht hat und zornig ist, und sich mehrmals aus ihren Bättern, der Rinde und ihren Früchten Dampfbäder macht, verliert die Gicht und gelangt wieder zu einem milden Sinn. " (Hildegard von Bingen: Physica. De Arboribus)

Über die Tanne (De Abiete)

Für Hildegard von Bingen ist die Tanne ein Sinnbild der Stärke. Zudem vertreibt sie unerwünschte Geister. Bei einer Rezeptur in Verbindung mit Salbei hinzugefügt gewinnt man aus der Tanne ein Heilmittel für verschiedene Organe:

"Geister hassen Tannenholz und meiden die Orte, an denen sich dieses befindet. Zauberei und Magie wirken dort weniger als anderswo. Wenn jemand im Kopf leidet, und infolge davon auch Herzbeschwerden bekommt, muß er sich zuerst über dem Herzen und danach, nach dem abrasieren der Haare, auch auf dem Kopfe zwei bis drei Tage lang mit einer Salbe einreiben, die auf diese Weise hergestellt wird: Man kocht in Wasser Rinde und Blätter und ganz kleine Stückchen vom Holz des Baumes, und halb soviel Salbei, bis es dick wird. Blätter, Rinde und Holz müssen im März oder im Mai, wenn der Baum frisch und grün ist, so abgenommen werden, daß vom Saft nichts verloren geht. Die dick gekochte Masse coliert man dann mit im Mai gemachter Butter durch und gewinnt eine Salbe, die auch gegen Magen- und Milzbeschwerden wirkt, wenn man sie wegen der Krankheit des Herzens zuerst über dem Herzen, dann erst über den kranken Organen aufträgt.

Morgen bei aphilia: Über die Steine