NATURWISSENSCHAFT
TEIL 2

VON 9
Hildegard von Bingen (2): Über die Elemente
Pflanzen | Elemente | Bäume | Steine | Fische
Vögel | Tiere | Reptilien | Metalle

Die Elemente  im Werk der Hildegard von Bingen

Galen
Hildegard von Bingen
Hippokrates
Hildegard von Bingen
Hildegard von Bingen bei der Aufzeichnung
Miniatur aus dem Rupertsberger Codex

Hinweis: Das Werk der Hildegard von Bingen gibt uns einen wichtigen Einblick in die Geschichte der Medizin. Dabei ist ersichtlich, dass die Ärztin und Äbtissin in weit stärkerem Maße Wissenschaft und Mythologie vermengt, als ihre Vorgänger Hippokrates und Galen. Aus heutiger Perspektive sind Hildegards Rezepte für die Heilung von Krankheiten zumeist unwirksam und in einigen Fällen durchaus schädlich.

Hildegard Elementelehre unterscheidet sich von der klassischen Lehre der Antike, da sie sich auf Luft, Wasser und Erde beschränkt. Den Schwerpunkt legt sie auf des Wasser, das Feuer findet aber als Element keine Erwähnung. Ausführlich beschreibt sie die Gewässer ihres Wirkungskreises: Rhein, Main, Donau, Mosel, Glan und den Fluss Nahe, an deren Mündung auch das Kloster Rupertsberg liegt. Rätselhaft ist ihre Bemerkung über die Fließrichtung des Wassers. Obwohl die Äbtissin viele Reisen unternimmt und sich als aufmerksame Beobachterin erweist, bezeichnet sie das Meer als Quelle der Flüsse: "Mare flumina flumina emittit". Womöglich spielt sie dabei auf die Verdunstung des Meerwassers an, das als Regen über den Bergen wiederkehrt. Dem widerspricht allerdings ihre präzise Darstellung über den Ursprung des Rheins, der "das Meer ungestüm verlässt". 

Über die Luft  (De Aere)

Hildegards Überlegungen zur Luft beschreiben nicht nur den Treibhauseffekt, sie führen auch in Spekulationen über die Himmelskörper und die Existenz einer (tatsächlich sehr geringen) Mondatmosphäre:
"Die Luft läßt die Keime in der feuchten Erde warm werden, damit alles grünt. Sie bringt die Blumen hervor und läßt durch Wärme alles reifen. Die Luft in der Nähe des Mondes und der Sonne benetzt diese, gleich wie die Luft um die Erde alle Wesen gemäß ihrer Natur am Leben erhält und bewegt." (Hildegard von Bingen: Physica. De Elementis)

Über die Erde (De Terra)

Die neun Bücher der Physica, Hildgards Systematik der Heilkräfte

1. De Plantis. Über die Pflanzen
2. De Elementis. Über die Elemente
3. De Arboribus. Über die Bäume
4. De Lapidibus. Über die Steine
5. De Piscibus. Über die Fische
6. De Avibus. Über die Vögel
7. De Animalibus. Über die Tiere
8. De Reptilibus. Über die Reptilien
9. De Metallis. Über die Metalle

Mit Ausnahme des zweiten Buches beginnt jeder Teil mit der Praefatio, einer Vorrede, in der Hildegard von Bingen Glaubens- und Naturlehre miteinander verknüpft.

Hildegard unterscheidet vier Arten von Erde: Weiße, schwarze, fuchsrote und grünliche: "Die weiße Erde ist sandig und trocken, ...und trägt Wein- und Obstbäume, aber wenig Getreide. Die schwarze Erde trägt wegen ihrer maßvollen Feuchtigkeit zwar nicht alle Früchte, aber die sie trägt sind sehr ergiebig. Dagegen trägt die rote Erde wegen ihrer Ausgewogenheit an Temperatur und Feuchtigkeit zwar sämtliche Früchte, aber wegen ihrer Fülle können sie nicht bis zur Vollendung reifen." (Hildegard von Bingen: Physica. De Elementis)

Über den Rhein (De Rheno)

Eigenartigerweise hat die Äbtissin über den großen Strom ihrer Heimat nur wenig Gutes zu berichten. Noch viel rätselhafter ist ihre Darstellung seines Ursprungs:
"Weil der Rhein das Meer ungestüm verläßt, ist er scharf wie eine Lauge. Wenn man ungekochtes Rheinwasser trinkt, zehrt dies die schädlichen und giftigen Säfte auf. Findet es nichts zum reinigen vor, so zehrt es am gesunden Menschen. Speise, die in Rheinwasser gekocht wird, entzieht es die schädlichen Stoffe. und macht sie so gesünder. Wenn man es sich aber beim Baden oder Waschen über das Gesicht gießt, bläht es das Fleisch auf. Es läßt das Fleisch anschwellen, schwärzt und entstellt es. Auch Fleisch, das in ihm gekocht wird, wird geschwärzt und aufgebläht. Das Wasser des Rheins ist rauh und durchdringt schnell die Haut des Menschen. Weil es so rauh ist, faulen auch die Fische rasch, wenn man sie liegen lässt. Frisch gefangen sind sie jedoch sehr bekömmlich." (Hildegard von Bingen: Physica. De Elementis)

Morgen bei aphilia: Über die Bäume