KUNST
Teil 4

von 4
Das Streichquartett (4): Die Moderne

Das Streichkonzert in der Moderne

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Das Streichquartett unserer Tage zeichnet sich durch eine große Vielfalt aus. Im 20 Jahrhundert komponierte Benjamin Britten "Alla Marcia" in der Besetzung für Oboe, Violine, Viola und Cello. Schostakowitsch komponierte 15 Streichquartette, die heute zu den prägenden Stücken der Kammermusik des 20. Jahrhunderts zählen. Moderne Interpreten wie das Mandelringquartett beherrschen die gesamte Bandbreite des Genres von Haydn bis Schostakowitsch aus. Sehr außergewöhnlich für  das Streichquartett wie für die gesamte Musikgeschichte sind die musikalischen Experimente von Karheinz Stockhausen. Der Ausnahmekünstler komponierte zwischen 1977 und 2003 seinen Opernzyklus "Licht, die Sieben Tage der Woche." Jedem Wochentag ist dabei eine Oper zugeordnet. Das von 1995-1979 komponierte Helikopter-Streichquartett bildet die aufwändigste Szene des Mittwochs. Neben den vier Helikoptern und den Instrumenten des klassischen Streichquartetts fordert Stockhausen Instrumentalisten für Flöte, Bassetthorn, Trompete, und Posaune und Bass. Dazu kommen Chor und Orchester, Tänzer, Synthesizer und der Einsatz elektronischer Versatzstücke aus Samplern (elektronischen Klangbibliotheken). Die Tontechnik erhob Stockhausen zur Klangregie und Klangchoreographie.

Das Helikopter - Streichkonzert

Stockhausens Zyklus "Licht"

Der Zyklus "Licht" ist Stockhausens Lebenswerk. An ihm arbeitet der Künstler von  1977 bis 2003.  Der Umfang des Licht-Zyklus' stellt selbst Wagners Ring in den Schatten. Sein musikalischer Bogen reicht so weit wie Stockhausens Inspiration. Einflüsse kommen vom japanischen Zen-Buddhisus, von der elektronischen Musik und ebenso von der Klassik.

Seine Premiere in Deutschland feierte das Helikopter-Streichquartett nach sechsmonatigen Proben am 17. Juni 2007 in Braunschweig. Aufführungsort war der Forschungsflughafen Braunschweig-Wolfsburg. Nach einer Einführung durch Martin Weller, den Leiter des Staatstheaters von Braunschweig, starteten vier Helikopter mit jeweils einem Piloten, einem Musiker und einem Tontechniker an Bord.

Nach der Vorgabe des Komponisten Stockhausen erklang das Werk dreimal hintereinander, um 15, 17 und 19 Uhr. Das Publikum wechselte dabei, auch dies entsprechend Stockhausens Festschreibung. Die Zuhörer konnten den Start der Helikopter verfolgen, danach wurden die Hangars verdunkelt und es begann die Übertragung in die Halle. Das Auditorium war von vier Leinwänden und vier Lautsprechertürmen umgeben. Ein Tontechniker am Boden mischte die verschiedenen Klangquellen zu einem einzigartigen akustischen Erlebnis. Auf jedem der Leinwände war ein Musiker in Großaufnahme zu sehen. Die Tremoli der Streicher mischten sich mit den Geräuschen der rotierenden Hubschrauberblätter, die Wiener Klasssik mit der industriellen Klangkulisse.

Eine Verbindung von Musik und räumlicher Bewegung schuf Stockhausen erstmals 1958 in seinem Orchesterwerk "Gruppen". Darin spielen 109 Musiker in drei Orchesterteilen zu exakt festgelegten Zeitpunkten  und schaffen einen "wandernden Klang".  Stockhausen wurde  in Deutschland weniger als Musiker denn als Musiktheoratiker rezipiert. Tatsächlich hatte er einen großen Einfluss auf die internationale elektronische Avantgarde.

Das Streichkonzert: Kursende