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Die "Russischen Streichquartette" von Joseph Haydn gelten als Begründung des klassischen Stils. Haydn vollendet sie 1781, während Mozart die Oper "Idomeneo" komponiert. Mozart, dessen Schwerpunkt eigentlich nicht in der Kammermusik liegt, beginnt im nächsten Jahr mit der Adaption Haydns. Seinem Meister erweist er dabei alle Ehre. Von 1782-1785 entstehen sechs Quartette, die sich allesamt am neuen Stil orientieren und die er Joseph Haydn widmet. Das erste hiervon ist das Streichquartett in G-Dur. Im Jahre 1787 vollendet Wolfgang Amadeus Mozart die "kleine Nachtmusik".
Die "kleine Nachtmusik" komponiert Mozart für ein erweitertes Ensemble. Zum klassischen Streichquartett mit zwei Geigen (Violinen), einer Bratsche (Viola) und einem Cello (Violoncello) fügt er noch den Kontrabass hinzu. Heute werden die Stimmen meist mehrfach besetzt. Der Name "kleine Nachtmusik" ist eigentlich ein Beiname. Mozart notierte eine Randbemerkung is sein Werkverzeichnis: "Eine kleine Nachtmusik, bestehend in einem Allegro. Menuett und Trio. -Romance. Menuett und Trio, und Finale. -2 violini, viola e bassi." Obwohl ursprünglich nur für vier Stimmen geschrieben, wird die kleine Nachtmusik heute auch, in mehrfacher Besetzung der Stimmen, von großen Ensembles aufgeführt.

Die kleine Nachtmusik gehört sicherlich in die Gattung der leichten Muse. Als Serenade (ital. sereno: heiter) ist es ein Werk für die Abendunterhaltung, nicht für den Konzertsaal gedacht, sondern für das gesellige Ausklingen des Tages. Trotz der Einbettung ins Unterhaltungsgenre ist das Dur-lastige Werk aber nicht eindimensional oder gar frei jeder musikalischen Spannung. Im Gegenteil, Mozarts Komposition reduziert die Komplexität der musikalischen Idee auf ein abgerundetes Maß, das sich beim ersten Hören einprägt und beim zweiten Hören entfaltet. Kontrabass und Violoncello teilen sich die vierte Stimme des Quartetts und festigen das Gefüge der Hauptstimmen. Auf ihnen ruhen die Harmonien und Kontraste der helleren, kopflastigeren Instrumente mit Sicherheit und Leichtigkeit. Wir Hörer werden mitgetragen, wir dürfen mitschweben wie die Passagiere in einem Ballon, der bei ruhigen Windverhältnissen sanft an Höhe gewinnt.

Das Multitalent Mozart wird ob seines Facettenreichtums immer wieder
von den verschiedensten Weltanschuungen vereinnahmt. Die Kunstkritik
kennt einen patriotischen und einen weltbürgerlichen Mozart,
einen katholischen und einen liberalen. Mit der kleinen Nachtmusik
entzieht er sich unserer Deutung. Hier ist einer am Werke, der sich den
Etikettenbruch leisten kann. Die kleine Nachtmusik ist Mozarts letzte
Serenade. Doch mit seinem Abschied hat er das Genre neu
definiert.
Das frühe Talent und schöpferische Energie eines
Mozart finden in Ludwig von Beethoven einen Wiedergänger. Sein
Vater, ein rücksichtsloser Trinker, führt den
8-jährigen Ludwig im Jahre 1778 als 6-jähriges
Wunderkind
vor. Doch die Zeit ist noch nicht reif für die Aufnahme
extrovertierter Musiker. Die Gesellschaft wendet sich nach der
Aufbruchstimmung der französischen Revolution des Sturm und
Drang wieder alten Werten zu. Der Wiener Kongress von 1814/15
läutet eine Phase der Restauration, der Wiederherstellung
eines früheren Zustandes ein. Beethovens Versuch einer
Hinwegsetzung über alle musikalischen
Genres erschüttert das Publikum seiner Zeit. Erst im 20.
Jahrhundert gilt die musikalische Grenzüberschreitung
als wahre Tugend. Der Komponist Karlheinz Stockhausen schafft mit
seinem Hubschrauber-Streichquartett einen kühne Verbindung
von Wiener Klassik und der elektronischen Musikkultur unserer
Tage.