KUNST
Teil 4

Von 4
Impressionismus: Der Impressionismus in Deutschland
Einführung | Maltechnik des Impressionimus | Der Neoimpressionismus | Impressionismus in Deutschland

Die Vertreter des Impressionismus in Deutschland

<Das Champagnerlied von Max Slevogt
Das Champagnerlied oder
Der Weiße d'Andrade
Max Slevogt 1902

In Deutschland wird der Impressionismus erst um die Jahrhundertwende, also gut 30 Jahre nach seiner Entstehung populär. Eine Folge dieser späten Geburt ist es, dass sich die deutschen Künstler auf die Pionierarbeit ihrer französischen Vorgänger stützen können. Dennoch ist die generelle Ablehnung am Anfang auch in Deutschland weit verbreitet. Man misstraut den Bildern, weil sie zu wenig natur- und gegenstandsgetreu waren. Max Liebermann, Lovis Corinth und Max Slevogt gelten als das Dreigestirn des deutschen Impressionismus. Orientiert am französischen und mediterranen Lebensgefühl geben sie ihren Werken Internationalität und Temperament. Mit dem Bild rechts schafft der damals erst 34-jährige Max Slevogt seinen Durchbruch. Es zeigt einen mit Slevogt befreundeten Opernsänger aus einer Inszenierung von Mozarts Don Giovanni.
Slevogt ist musikalisch gebildet, selbst Sänger und schafft das Bild wohl auch als Reminiszenz an sein eigenes Talent, dass er zugunsten der Malerei nicht auslebt. Mit dem Erfolg und der Anerkennung wandeln sich die Motive und Malstil der Impressionisten. Der ehemals verschmähte Impressionismus findet zum Bürgertum. Es entstehen Strand- und Reiterbilder im Nordseebad Noordwijk, und in der Hauptstadt Berlin wird Max Liebermann zu einem begehrten Porträtkünstler. Er malt berühmte Persönlichkeiten wie den Dichter Gerhart Hauptmann, den Direktors des Kaiser-Friedrich-Museums Wilhelm von Bode, und sogar den Reichspräsidenten Hindenburg. 1910 hat Liebermann ein Sommerhaus am Wannsee bezogen, das ihm als Refugium dient und aus dessen prachvollem Garten er viele Motive schöpft. 1920 wird er zum Leiter der Preußischen Akademie der Künste.

Die Künstlergruppe Secession

Nach Jahren der Konfrontation um Ausstellungsmöglichkeiten für umstrittene Bilder hat sich 1898 in Berlin die Künstlergruppe Secession begründet. Gleichnamige Gruppen gibt es sich auch in Berlin und Wien.
Die Secessionisten sind Gegenpol zur offiziellen, von den Künstlern als überholt und pathetisch empfundenen Kulturauffassung des Kaiserreichs. Kaiser Wilhelm II. hatte seine Haltung stets klar definiert. Die Kunst sollte höheren Ideen und Idealen dienen, strebsam sein und das deutsche Volk moralisch erheben. Für individuelle Empfindungen und kritische Zwischentöne war hier kein Platz. Schon der Name Secession (Abspaltung) stellt zu diesen Zeiten des allgemeinen patriotischen Hochgefühls eine starke Provokation dar. Die Künstler organisieren Ausstellungen mit im- und expressionistischen Werken und organisieren sich eine eigene Jury. Zur Weltausstellung in St. Louis 1904 nahmen sie aber nicht teil, da die freie Auswahl ihrer Werke verwehrt wurde. 1910 kommt es zum Bruch innerhalb der Gruppe: Als Bilder von expressionistischen Malern zurückgewiesen werden, gründeten einige Rebellen die "Neue Secession". Im Folgejahr übergibt Liebermann, seinen langjährigen Vorsitz der Gruppe an Lovis Corinth ab.
Die Secessionisten erwiesen ihrem Namen auch weiterhin alle Ehre, denn der Abspaltungsprozess setzt sich fort. 1914 gründete sich unter der Beteiligung von Liebermann ein Zusammenschluss mit dem Namen "freien Secession". Sie organisiert Ausstellungen bis 1923.

Impressionismus als "entartete Kunst"

Impressionismus und Expressionismus

Gleichzeitig zum Abklingen des Impressionismus zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelte sich der Expressionismus. Einige Künstler können auch beiden Stilrichtungen zugeordnet werden.
Charakteristisch für den Expressionismus sind kräftige Farben, Einfachheit und eine sehr starke innere Unruhe, die im Unterschied zum Impressionismus auch zerstörerische Züge zeigen kann.

Lovis Corinth
Joseph Goebbels
Max Liebermann

Obgleich der Impressionismus in den 30er Jahren seinen Zenit bereits lange lange überschritten hat, erachten die Nationalsozialisten seine Vetreter und seine Werke als eine Gefahr. Am 19. Juli 1937 eröffnet in München die von Reichspropagandaminister Goebbels initiierte Ausstellung "Entartete Kunst". Sie zeigte 650 der von den Nationalsozialisten konfiszierten Kunstwerke. Ab 1941 wandert sie über 12 weitere Städte durch Deutschland und findet insgesamt über 3 Millionen Besucher. Durch die Ausstellung sollte der Kunstbegriff der Moderne in der Bevölkerung diffarmiert werden. Schon seit 1933 gab es mit der Reichskulturkammer eine straff organisierte staatliche Organisation, die den den Kulturbetrieb regulierte. Alle Personen, deren Kunstverständnis nicht mit der Nazi-Ideologie übereinstimmte, wurden faktisch mit einem Berufsverbot belegte. Juden waren prinzipiell vom Kunstbetrieb ausgeschlossen. Viele Künstler flüchteten ins Ausland oder gingen in die "innere Emigration", stellten also ihre Arbeit ein und blieben den Machthabern gegenüber unauffällig. Wie viele andere moderne Kunstrichtungen galten auch Im- und Expressionismus als "entartet".

Fazit

Ausstellungsführer Entartete Kunst
Titelblatt des Ausstellungsführers
"Entartete Kunst" (1937)

Nach der Bücherverbrennung von 1933 war die Ausstellung "Entartete Kunst" die zweite spektakulär in Szene gesetzte Propagandaaktion gegen den freien Kulturbetrieb. Man beachte die Anführungszeichen um das Wort Kunst auf dem Titelblatt des Ausstellungsführers im Bild rechts. Ob die von den nationalsozialistischen Machthabern beabsichtigte Diskreditierung so auch erreicht wurde, ist aus heutiger Perspektive gerade bezüglich des Impressionismus' höchst umstritten. Nicht nur war die impressionistische Welle zur Zeit der Ausstellung bereits wieder am abklingen, die Präsentation lockte nicht zwangsläufig nur Verächter an. Gerade die Verfemung der Bilder weckte auch Interesse. Schwerwiegender als die Ausstellung ist sicherlich die Beschlagnahmung von Kunstwerken und die Drangsalierung der Künstler einzuschätzen.
Auch stellt sich die prinzipielle Frage nach dem Verhältnis von Moderne und NS-Regime. Dieses war durchaus ambivalent, was im Bereich des Films offensichtlich ist. Die Propaganda benötigte moderne Produktionen, um die Regierungsverbrechen ästhetisch zu rechtfertigen. In der Malerei gab es durchaus Versuche, Bilder und die Intentionen ihrer Schöpfer im Sinne der nationalsozialistischen Ideologie umzudeuten. 

Der Impressionismus: Kursende