KUNST
TEIL3

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Der Impressionismus: Neoimpressionismus
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Der Neoimpressionismus

Der Spät- oder Neoimpressionismus bildet den Übergang zwischen den ersten Impressionisten und der Moderne. Die Künstler lösen sich immer mehr von der Natur als Vorlage. Es steht nicht mehr der subjektive Eindruck der Natur im Vordergrund, sondern das Bild selbst. Auch werden die vormals romantischen Naturmotive durch modernere, urbanere Themen ergänzt. Hinzu kommen aufklärerische Intentionen, die Kunst will wissenschaftlich sein und den Betrachter über den aktuellen Stand in Kenntnis setzen. Die Farbtheorie und die Optik sind für die Neoimpressionisten nicht nur für den Malstil von Interesse. Der Künstler wird zum Avantgardisten, der dem Kunstbetrachter die Welt der Zukunft zeigt. Es ist das Zeitalter der Verbreitung des elektrischen Lichts. Das Lichterspiel der Sterne tritt in Konkurrenz mit dem Schaufenster und der künstlich erleuchteten Cafeterasse.

Die Belle Époque

Jede Kunst - von der Höhlenmalerei bis zur Moderne - ist letztendlich ein Kind ihrer Zeit. Prägend für den Neoimpressionismus ist hierbei die Belle Époque (frz. schöne Epoche). Es ist die Epoche der ersten Filmvorführungen, der Bars und Cabarets, der Salons und Ateliers, und des ungestümen Glaubens an Fortschritt, Geschwindigkeit und die Planbarkeit der Zukunft. Die Lebenserwartung steigt dank neuer Erkenntnisse in Hygiene und Medizin. Das etablierte Bürgertum entwickelt neue Lebensstile und verlangt nach Unterhaltung. Die Mode legt das Korsett ab und die Künstler experimentierten mit Techniken, die die herkömmlichen Genregrenzen sprengen. Als neue Formen der Kunst entstehen Poster und Plakate.

Das künstlerische Refugium der Pariser Bohéme

Vincent van Gogh
Henri de Toulouse-Lautrec

Rund um den Montmatre schlägt das Herz der französischen Kunstszene. Im Bild rechts portraitiert Henri de Toulouse-Lautrec eine Tänzerin des Moulin Rouge und schafft zugleich ein Dokument über den Ort und die Epoche. Die ausschweifende Tänzerin bestimmt die Szenerie im Vordergrund, die Menschenmenge im Hintergrund bleibt anonym im Dunkeln. Der Herr vorne rechts scheint sich in den Mittelpunkt begeben zu wollen, in Bewusstsein eines gewissen Risikos. Vielleicht wird er sich der Tänzerin nähern können, es besteht aber ebenso die Möglichkeit, dass sie ihm mit ihrem Fuß den Zylinder vom Kopf stößt und er sich vor der Menge zum Gespött macht. Das Gesamtbild wirkt durch seine starken Kontraste auch aus der Ferne. Dies ist wichtig, da es sich um ein mittels Steindruck vervielfältigtes Werbeplakat handelt.

Der Künstler wird durch seinen Entwurf über Nacht berühmt. In den Vergnügungslokalen und der Halbwelt von Montmartre findet er neben Auftraggebern für Plakate und Illustrationen auch eine neue, urbane Heimat. Seine Motive spiegeln wider, dass das Leben in der Boheme mit allen Ausschweifungen, Versprechungen und Enttäuschungen zu seinem Leben geworden ist. Durch einen Selbstmordversuch seiner Angebeteten erschüttert und dem Alkohol und Absinth verfallen stirbt Henri de Toulouse-Lautrec bereits im jungen Alter von 36 Jahren.

Morgen bei aphilia: Der Impressionismus in Deutschland