KUNST
TEIL 1

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Kunst: Impressionismus
Einführung | Maltechnik des Impressionimus | Der Neoimpressionismus | Impressionismus in Deutschland

Wie der Impressionismus zu seinem Namen kam

Der Maler Claude Monet gilt als der erste Impressionist. Allerdings ist dies zu seiner Zeit keineswegs ein Ehrentitel. Von der etablierten Kunstwelt abgelehnt, präsentiert er das 1873 vollendete Bild "Impression, Soleil Levant" (Eindruck, Sonnenaufgang) der Öffentlichkeit auf einer selbst mitorganisierten Austellung 1874 in Paris. Die Schau trägt den ironischen Namen "Société anonyme des artistes-peintres" (Anonyme Gesellschaft der Maler). Die Kunstkritiker alter Schule überhäufen die dort gezeigten Gemälde mit Spott, da sie "nur" subjektive Eindrücke und nicht das eigentliche Motiv wiedergeben. Eben dieser scheinbare Makel wird schnell zum Markenzeichen einer neuen Stilrichtung: Der Impressionismus ist geboren.

Das Lebensgefühl der Impressionisten

Der flüchtige Eindruck des Augenblicks und die Sinneswahrnehmungen im Auge des Künstlers treten bei den Impressionisten in den Vordergrund und verdrängten die Technik der traditionellen Ateliermalerei. Bevorzugter Arbeitsort ist die freie Natur. Farben, Licht und Schatten werden bedeutsamer als die realen Objekte. Die Künstler wollen, anders als im nachfolgenden Expressionismus, keine Wesensschau betreiben. Ihre Kunst ist subjektiv, spontan und ungestüm sein. Zentralperspektive und ideale geometrische Proportionierung stehen nicht mehr im Vordergrund.

Im Bild links portraitierte Eduard Manet seinen Kollegen Claude Monet. Es zeigt auf originelle Weise, wie Künstler in freier Natur arbeiten können, ohne von Schaulustigen gestört zu werden. Das Bootsatelier wahrt Nähe zur Natur und Intimität auf gleiche Weise. Das Wasserthema begleitet die Impressionisten in vielerlei Hinsicht. In seinem Garten in Giverny legt Monet einen Seerosenteich und eine japanische Brücke an. Um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert entstehen dort die berühmten Seerosenbilder.

Der Impressionismus in Bildhauerei und Dichtung

Auguste Rodin
Claude Debussy
Édouard Manet
Claude Monet

Der Impressionismus beeinflusst ausgehend von der Malerei auch andere Kunstrichtungen. In der Bildhauerei werden Oberflächen so modelliert, dass ein lebhaftes Spiel von Licht und Schatten entsteht. Hauptvertreter dieser Technik ist Auguste Rodin. Detlev von Liliencron überträgt den impressionistischen Stil auf die Dichtkunst. Auch hier bestimmt die Flüchtigkeit das Geschehen. Die Scheinwelt des Augenblicks kreist abseits der politischen Realitäten um Themen wie Liebe und Tod, Leben und Kunst.

Der Impressionismus in der Musik

Die große Welle vor Kanagawa
Deckblatt von Debussys La Mer: "Die große
Welle vor Kanagawa" (Japanischer
Farbholzschnitt)

Debussy überträgt den Impressionismus auf die Musik und komponiert Spielereien, die das Gesamtgefüge immer wieder neu kreieren. Der Komponist träumt von einer geheimnisvollen Übereinstimmung von Natur und Imagination. Das Spiel der Wellen im Wind wird zur Anregung für das Spiel der Töne auf der Klaviatur. Das Bild rechts zeigt einen japanischen Farbholzschnitt, den Debussy als Titelbild für eine Partiturausgabe von "La Mer" (das Meer) wählt. Das Stück trägt den Untertitel "Trois esquisses symphoniques" (Drei sinfonische Skizzen). Ganz im Sinne des Impressionismus will Debussy nicht das Meer an sich beschreiben, sondern den Eindruck, den es auf ihn hinterlassen hat. Zum Meer hat er eine ganz persönliche Beziehung. 1903 schrieb er in einem Brief: "Sie wussten vielleicht nicht, dass ich für die schöne Laufbahn eines Matrosen ausersehen war und dass nur die Zufälle des Daseins mich auf eine andere Bahn geführt haben."

Morgen bei aphilia: Die Maltechnik der Impressionisten