GESCHICHTE
TEIL 4

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Die Karolinger: Die karolingische Renaissance

Aachen als Hauptstadt des fränkischen Reiches

Typisch für das Mittelalter ist das sogenannte Reisekönigtum: Der Regent zog mit seinem Hofstaat umher, um an möglichst vielen wichtigen Orten präsent zu sein und die Herrschaft zu sichern. Karl beließ es nicht dabei und machte Aachen zu seiner festen Aufenthalts- und Regierungsstätte. Boten wurden von Aachen in die Welt geschickt und Diplomaten aus Rom und Byzanz empfangen. Zwischen 796 und 805 wurde die Pfalzkapelle errichtet: Auf einem achteckigen Grundriss erheben sich Bögen und Säulen. Die Maße und Formen des Gebäudes sind voller Christlicher Symolik. Karl versteht sich als neuer, christlicher Nachfolger des römischen Imperiums und als Mittler zwischen Erde und Himmel.  Die Pfalzkapelle gehört zu den ältesten der noch fast vollständig erhaltenen Kirchen in Deutschland. Nach Karls Tod wurde Aachen zum Krönungsort einer Reihe mittelalterlicher Herrscher. 

Die karolingische Bildungsreform

Der Begriff Renaissance (frz: Wiedergeburt)

Im heutigen Verständnis wird damit die Zeit des Wandels im Europa des 15. und 16. Jahrhundert bezeichnet, in der das geistige Erbe der griechischen Antike wiederentdeckt (wiedergeboren) wurde, was schließlich zur Überwindung der mittelalterlichen Weltordnung führte. Im Unterschied hierzu ist die Karolingische Renaissance als eine zeitlich begrenzte Blütezeit des kulturellen Lebens einzuordnen.

Karl hatte nicht nur Herrschaft und Verwaltung seines Reiches im Sinne, sondern auch weitgehende kulturelle Reformen. Hier knüpfte er an die Vorarbeiten von Pippin an und förderte zunächst liturgische Erneuerungen und die Bildung des Klerus. Seit 777 hatte er zahlreiche Gelehrte an seinen Hof eingeladen, und dies sowohl aus den Reihen unterworfener Gegener wie befreundeter christlicher Länder. Der Angelsachse Alkuin gehört zu den wichtigsten Gelehrten seiner Zeit. Er etablierte die lateinische Dichtkunst, Rhetorik und Theologie an Karls Hof, sein Wissen breitete sich durch die Gründung von Schulen und Bibliotheken von der Aachener Hofschule in das Reich aus. Aus Aachen wurden die Kirchen und Klöster angewiesen, sich der Bildung anzunehmen.

Sprache und Schrift

Alkuin und seine Gelehrtenschule vertraten die Überzeugung, dass sich das rechte Leben (recte vivere) und das rechte Sprechen (recte loqui) wie zwei Seiten derselben Medaille verhielten. Folgerichtig reformierten sie auch Sprache und Schrift. Glaubt man Karls Biographen Einhard, so Konnte der Kaiser zwar gut lesen, hatte aber mit dem Schreiben durchaus Probleme. Vielleicht hat er deshalb nicht ganz uneigennützig die Schrift und damit auch das Erlernen dieser vereinfacht. Es entstand die karolingische Minuskelschrift. Minuskel sind Kleinbuchstaben, die schneller als die Großbuchstaben zu schreiben sind. Ebenso wurden Satzzeichen eingeführt und die Einhaltung von Abständen zwischen Buchstaben, Wörtern und Sätzen festgelegt. Die Werke der Kirchenväter und einige der antiken Autoren wurden in der neuen Schrift abgeschrieben und verbreitet. Zudem entstand in Aachen eine Hofbibliothek. Eine gelehrte Tafelrunde am Hofe verfasste Gedichte, um das "gute Sprechen" zu befördern.

Die Etablierung des Grafschaftssystems

Einhard
Karl der Große

Karl stand vor dem Problem, eine Vielzahl von rivalisierenden Stämmen unter einen Hut zu bekommen. Er entschied sich dafür, Grafen als oberste Verwaltungsbeamten für ein bestimmtes Gebiet einzusetzen. Die Ernennung nahm er persönlich vor. Der Graf hatte dafür Sorge zu tragen, dass das Gebiet im Sinne seines Herrn gut verwaltet wurde. Zum Informationsaustausch und zur Kontrolle der Grafen, errichtete Karl das "Nachrichtensystem" der Königsboten. Sie überbrachten den Grafen die Anweisungen aus Aachen und meldeten Ereignisse über die Lage in den Reichsgebieten an den Hof zurück. Die soziale Oberschicht des Reiches wurde somit in die Herrschaft eingebunden.

Treueeid und Vasallentum

(1) Aufstieg
(2) Pippinische Schenkung
(3) Sachsenkriege und Kasierkrönung
(4) Karolingische Renaissance
(5) Reichsteilungen

Die untergebenen Vasallen (lat. vasallus = unfreiwilliger Diener) waren dem Herrscher zu einem Treueeid verpflichtet. Zudem mussten sämtliche Untergebenen, also Adel, Kirchen und das gemeine Volk, militärische Dienste leisten. Als Gegenleistung erhielten sie Ländereien oder Ämter und Würden. Die Ländereien hießen Lehen, was seinen Ursprung im Begriff "leihen" hat. Der Lehnsherr hatte "sein" Gebiet also vom Herrscher nur als Leihgabe erhalten. Höhere Vasallen hatten die Möglichkeit, ihrerseits selbst Vasallen zu unterhalten. Innerhalb des Vasallentums gab es also eine gewisse Möglichkeit des sozialen Aufstiegs.

Morgen bei aphilia: Die Reichsteilungen