GESCHICHTE
TEIL 3

VON 5
Die Karolinger: Sachsenkriege und Kaiserkrönung

Die Sachsenkriege

Im Schatten von Karls Kampf gegen die Langobarden in Italien traten in der Mitte des Reiches die Sachsen auf den Plan. Nachdem sie immer wieder über fränkische Siedlungen und Kirchen in Hessen hergefallen waren, änderte Karl seine Vorgehensweise von den damals üblichen "Strafexpeditionen" zu einer systematischen Kriegsführung. Das Jahr 772 markiert den Beginn der Sachsenkriege. Heftige Kämpfe tobten um die Festung Eresburg in der Nähe des heutigen Paderborn. Diesen sächsischen Stützpunkt hatte Karl 772 erobert und die Irminsul, eine heidnische Kultstätte nahe der Festung zerstören lassen.
Die Sachsen gewannen sie jedoch während eines Italienzuges von Karl wieder zurück und 775 eroberte Karl die Festung erneut. Zusätzlich eroberte er die Sigiburg an der Ruhr und versicherte sich durch Treueeide und Geiseln der Loyalität der Stämme der Ost- und der Westfalen. Im Jahre 777 kam es erstmals zu einer Reichsversammlung auf sächsischem Territorium. Ort war das eigens gegründete "Karlsburg", das wahrscheinlich Ursprung des heutigen Paderborn ist. Von dort wurde die planmäßige Christianisierung der Sachsen vorangetrieben. Als Hilfskräfte dienten angelsächsische Missionare, also englische Nachkommen von Sachsen, die auf der Insel christianisiert worden waren und nun den Glauben im Gebiet ihrer Vorfahren verbreiteten.

Das Blutgericht bei Verden an der Aller

Einhard
Karl der Große

Das Jahr 782 wirft einen dunklen Schatten auf die Vita Karls des Großen. Zeitgenössische Quellen berichten, dass Karl die Auslieferung sächsischer Rädelsführer erzwang und sie auf der Stelle köpfen ließ. Hierbei soll er voller Zorn und Rachsucht gewesen sein. Chronisten berichten von 4500 Opfern, deren Blut das Wasser der Aller rot färbte. Die Sachsenkriege dauerten aber noch eine lange Zeit an. Schließlich kam es zwischen Karl und seinem sächsischen Gegner Widukind 785 zu Friedensverhandlungen. Widukind ließ sich taufen, womit eine Wende im fränkisch-sächsischen Konflikt eingeleitet wurde. Trotzdem kam es nach der Errichtung eines Bischofssitzes in Bremen im Jahre 787 zu Unruhen. Karl vertrieb die Sachsen aus den Gebieten zwischen Weser und Elbe und ließ sie in verschiedene Gruppen aufgesplittet in Gallien und Germanien neu ansiedeln. 804 wurde der letzte Kriegszug gegen die Sachsen durchgeführt. Von da an waren sie integriert und christianisiert.

Die Kaiserkrönung

(1) Aufstieg
(2) Pippinische Schenkung
(3) Sachsenkriege und Kaiserkrönung
(4) Karolingische Renaissance
(5) Reichsteilungen
Karls Titel

Karolus serenissimus augustus a Deo coronatus magnus pacificus imperator Romanum gubernans imperium, qui et per misericordiam dei rex Francorum atque Langobardorum

Karl, allergnädigster erhabener, von Gott gekrönter, großer Frieden stiftender Kaiser, das römische Reich regierend, von Gottes Gnaden auch König der Franken und Langobarden

Am 25. Dezember 800 wird Karl der Große von Papst Leo III. im Petersdom in Rom zum Kaiser gekrönt. Seit dem Niedergang des Weströmischen Reiches war dieser Titel im westlichen Europa vakant. Für das byzantinische Kaisertum bedeutete dies eine ungeheure Provokation, denn Karl bezeichnete sich als Augustus Imperator Renovatio Imperii Romani, als Kaiser des erneuerten Römischen Reiches in direkter Nachfolge der römischen Kaiser. Das fränkische Reich sollte Nachfolger des Römischen Imperiums sein. Eben dies beanspruchte auch das christlich-orthodoxe Byzantinische Reich.
Immerhin kann man Karl zugute halten, dass er in die Krönungszeremonie recht unschuldig hineingeraten war. Wie Karls Biograph Einhard berichtet, setzte Leo III beim Weihnachtsgottesdienst dem betenden Karl völlig überrascht eine Krone auf. Daraufhin sollen die anwesenden Geistlichen mit der Huldigungslitanei begonnen haben. Karl versicherte, er hätte "an jenem Tage trotz des Hohen Festes die Kirche nicht betreten, wenn ihm die Absicht des Papstes vorher bekannt gewesen wäre."

Morgen bei aphilia: Die karolingische Renaissance