GESCHICHTE
TEIL 4

VON 5
Der 30-jährige Krieg (4): Der Schwedische Krieg
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Die schwedische Invasion

Die Zerstörung Magdeburgs

Im Jahre 1631 erleidet Magdeburg sein schwerstes Schicksal. Tilly, Oberbefehlshaber der katholischen Liga, zieht gegen den verbündete Stadt des Schwedenkönigs Gustav Adolf, belagert sie und nimmt sie am 20. Mai im Sturm. Die Einwohner hatten den Angreifern lange getrotzt, da sie sich Verstärkung durch den Schweden erhofften.

Doch die Unterstützung bleibt aus, und die Soldaten Tillys wüteten mit unvorstellbarer Grausamkeit. Das Wort "magdeburgisieren" geht in den deutschen Sprachschatz ein. Es steht für die völlige Zerstörung. Von 30.000 Einwohnern überlebten nur 5000. Zuflucht bieten  in der brennenden Stadt nur der Dom und ein Kloster. Alles anderen Gebäude werden dem Erdboden gleich gemacht. 

Gustav Adolf II. von Schweden greift nicht anders in den Konflikt ein, wie einst sein Rivale Christian IV. Er benutzt die Religion als Vorwand, um seine eigene Machtposition auszubauen, und er versucht, die Habsburger von der Ostsee zurückzudrängen. Die schwedische Invasion beginnt am 4. Juli 1630 auf der Insel Usedom. Von dort aus geht es in Richtung Magdeburg, das später von der katholischen Seite wieder in blutiger Weise zurückgewonnen wird. Zu spät trifft der Schwede der Elbe ein, Tillys Truppen hatten die einst blühende Stadt in Schutt und Asche gelegt. Erst in der ersten Schlacht bei Breitenfeld, nördlich vor den Toren Leipzigs, wendet sich das Blatt zu Gunsten von Gustav Adolf II. Er trifft am 17. September 1631 mit 47.000 Männern auf das Heer von Tilly mit 40.000 Soldaten. Die Schweden haben eine Überlegenheit an Geschützen und zersprengen die kaiserlichen Truppen. Der verwundete Tilly schleppt sich nach Halle. Er hat über 12.000 Mann und alle seine Kanonen verloren. Gustav Adolf startet einen Triumphzug durch Deutschland und lässt sich als christlicher Retter feiern, natürlich in protestantischer Auslegung. Ein Gedenkstein erinnert an das Scharmützel:

"Glaubensfreiheit für die Welt
rettete bei Breitenfeld,
Gustav Adolf, Christ und Held"

Der späte Triumph des Winterkönigs  

Ferdinand II.
Gustav Adolf von Schweden
Graf von Tilly
Kardinal Richelieu
Wallenstein

Das protestantische Schweden erhält finanzielle Zuwendungen des katholischen Kardinals Richelieu, der jenseits aller Glaubensfragen eine Politik der französischen Hegemonie verfolgt. Die Schweden erobern Mainz, Würzburg, Augsburg und im Mai 1632 München. Der unglückliche protestantische Kurfürst Friedrich V., der damals in Böhmen von den Kaiserlichen abgesetzt und als kurzlebiger "Winterkönig"  verhöhnt worden war, wohnt dem Einmarsch Gustav Adolfs in München bei. Die katholische Seite ist so sehr in Bedrängnis, dass sie jeden Strohhalm ergreift. In seiner Not setzt Kaiser Ferdinand II. den zuvor aus dem Amt gejagten Wallenstein wieder mit allen Vollmachten ein, und erneut kann dieser ein großes Heer organisieren. 1632 wird bei Lützen eine erbitterte Schlacht geführt, die auf beiden Seiten mit herben Verlusten endet. Nicht nur etwa jeder vierte Soldat muss mit dem Leben bezahlen, auch der schwedische Anführer findet den Tod. Gustav Adolfs Leiche wird ausgeraubt aufgefunden.   

Der kurze Friede von Prag

1633 formiert sich der "Heilbronner Bund" unter der Führung des Schwedischen Reichskanzlers Oxenstierna. Ziel ist die schwedische Hegemonie über Deutschland. Doch die Pläne zur Zerschlagung Deutschlands scheitern, alle Seiten sind noch einmal in sich gespalten. 1634 darauf wird Wallenstein im böhmischen Eger im Februar 1634 von bezahlten Mördern aus den eigenen Reihen niedergestochen -  Kaiser Ferdinand II. hatte ihm nie wirklich vertraut. Nachdem mit Wallenstein, Tilly und Gustav Adolf die drei wichtigsten Feldherren getötet sind, keimt für kurze Zeit Hoffnung in Europa auf. Nach einigen kleineren Gefechten einigt man sich am 6.9.1634 zum Frieden von Prag. Dabei wird das von Ferdinand erlassene Restitutionsedikt von 1929, das der katholischen Seite den Zugriff auf protestantischen Besitz ermöglichte, wieder aufgehoben. Ein Kriegsgrund war damit weggefallen. Doch die Kämpfe gingen trotzdem weiter. Am Vertrag sind, wie schon beim Augsburger Religionsfrieden von 1555, nicht alle protestantischen Gruppen beteiligt. Einige württembergische, calvinistische Gebiete treten nicht bei. Zudem wird aus Frankreich neue Unruhe geschürt. Längst ging es nicht mehr um Religion, sondern um die Vorherrschaft in Europa. Der sinnlose Krieg dauert weitere Jahre. 

Morgen bei aphilia: Der Schwedisch-Französische Krieg