ARCHÄOLOGIE
TEIL 4

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Die sieben Weltwunder: Der Artemistempel von Ephesos
Pyramiden von Gizeh | Gärten der Semiramis | Zeusstatue von Olympia | Artemistempel von Ephesos | Mausoleum von Halikarnass | Koloss von Rhodos | Leuchtturm von Alexandria

Der Tempel zu Ehren der Artemis

Henderson: Dinsmore 1950, jüngerer Tempel
Rekonstruktion des jüngeren Tempels

Ephesos ist zu antiker Zeit eine blühende Handelsmetropole an der kleinasiatischen Ägäisküste in der heutigen Türkei. Das Stadtgebiet erstreckt sich um die Mündung des Flusses Kaystro was seine besonderen Tücken hat. Sumpfiger Untergrund und Erdbeben stellen die Kunst der antiken Baumeister immer wieder auf die Probe. Wenn man nun vom Artemistempel von Ephesos als Weltwunder spricht, sind eigentlich zwei Bauwerke gemeint. Mit den Bauarbeiten für den älteren Artemistempel, er wird von den Archäologen Tempel "D" genannt, wurde 560 v.Chr. begonnen (die Bauwerke A bis C waren lediglich Holzkonstruktionen). Auftraggeber war der Lyderkönig Krösus. Die Vollendung des Bauwerks konnte er freilich nicht mehr erleben, denn die Arbeiten sollten sich über 120 Jahre hinziehen. Nach der Vollendung ruhte schließlich eine gewaltige Dachkonstruktion auf 127 Marmorsäulen. Die Höhe der im ionischen Stil konstruierten und in einer Doppelreiche um das Bauwerk geführten Säulen betrug 19 Meter. Das Allerheiligste des Tempels zierte eine zwei Meter hohe Statue der griechischen Jagdgöttin Artemis. Doch die Gigantomanie des Tempels wurde schließlich zur Projektionsfläche für die menschliche Eitelkeit. Im Jahre 356 v. Chr. wollte sich ein gewisser Herostratos in der Weltgeschichte verewigen und zündete das Bauwerk an. In derselben Nacht soll der Legende nach Alexander der Große das Licht der Welt erblickt haben, der später die persische Herrschaft über Ephesos beendete.

Die Wiedererrichtung des Tempels

Alexander der Große  Heraklit
Paulus
Über Heraklit, den eigenwilligen Philosophen und Spross einer alten Königsfamilie von Ephesos, wird folgende Geschichte erzählt:

Heraklit verachtete die Unmündigkeit der Bürger seiner Stadt Ephesos. Nachdem er des öfteren von ihnen um Rat gefragt wurde und er dies nicht etwa als Ehre sondern als Belästigung empfand, befahl er sein Buch "Über die Natur" in den Tempel der Artemis zu bringen, damit es nur von wenigen Bürgern gelesen werden konnte. Doch das Verhältnis zwischen Artemis und Heraklit war wohl nicht unproblematisch - das  Buch ist bis heute verschollen.

Der zweite Tempel wird schon nach kurzer Zeit und wieder am selben Ort errichtet. Der Schutt des alten Gebäudes dient dabei als Fundament. Als Baumeister werden Cheirokrates, Demetrios und Paionios erwähnt. Kein geringerer als Phidias schafft die Amazonen - Statue für das Innere. Der berühmte Bildhauer ist auch der Schöpfer eines anderen Weltwunders, der Statue des Zeus in Olympia. Der neue Tempel verhilft Ephesos wieder zum alten Glanz und wird in der Stadt zu einem wichtigen Zentrum. Die stolze Stadt fällt im Jahre 133 v. Chr. an das Römische Imperium und wird zur Hauptstadt zur Provinz Asia. 

Paulus in Ephesos

Forum Archaeologie
 Forum Archäologie

Durch die Missionsreisen des Apostels Paulus geht das vierte Weltwunder auch in die biblische Geschichtsschreibung ein. Kapitel 19 der Apostelgeschichte berichtet über einen Streit mit dem Silberschmied Demetrios, der durch das aufkommende Christentum um den Bestand des Artemiskultes und dem damit verbundenen Broterwerb fürchtete. Im Jahre 262 n. Chr. wird der Tempel durch die Goten endgültig zerstört. Die archäologische Erforschung der Überreste beginnt in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Die Stunde eines Schatzjägers schlägt 1903. Der Brite David Hogarth entdeckte über 3000 Perlen, Schmuckgegenstände und Münzen, den "Schatz der Artemis". Die Überreste der Bildhauerwerkstatt des Phidias werden 1956 freigelegt.   

Morgen bei aphilia: Das Mausoleum von Halikarnas