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Der Name Mesopotamien bedeutet
"zwischen den Flüssen" und geht auf den Griechen
Polybios zurück, der im zweiten Jahrhundert v. Chr. das Land
zwischen Euphrat und Tigris bereiste. Dieses fruchtbare Gebiet mit der
Hauptstadt Babylon war das Zentrum vieler Reiche. Der griechische
Historiker
Herodot (um 485 - 425 v. Chr.) bezeichnete Babylon unter Nebukadnezar
II. als eine Stadt, "die
jede andere an Glanz übertraf". Dabei erwähnte er
sowohl die gewaltigen Mauern wie auch den in der Bibel
beschriebenen Turm zu Babel, Angaben zu den hängenden
Gärten der Semiramis, einer mythischen
Königin des Orients, fehlen jedoch. Genauere Hinweise finden
sich erst in
späteren Quellen, unter anderem bei Diodorus Siculus
(1. Jahrhundert v. Chr.)
und Strabon (ca. 63 v. Chr. - 23 n. Chr.), die erst einige Jahrhunderte
später ihre
Aufzeichnungen verfassten.
Mit Ausnahme der Pyramiden, des ersten und ältesten
Weltwunders, sind heute alle Weltwunder der Antike
eingestürzt. Allerdings bezeugen steinerne
Überreste und zeitnahe Quellen deren vergangene Existenz. Da
von den hängenden Gärten jedoch relativ wenig
bekannt, gelten sie als großes Mysterium unter den
Weltwundern.
Diodorus und Strabon liefern Material, das zunächst für die Existenz der Gärten spricht. So werden einige Details zu Erdanhäufungen und zum Bewässerungssystem angeführt. Das Wasser wurde demnach in großen Behältnissen mit einer Art Paternoster nach oben gebracht und durch Röhren, die "wie eine Panflöte" angelegt waren, über die Bepflanzungen geführt. Allerdings hatte Diodorus Babylon erst zur Zeit Cäsars betreten. Archäologen gehen jedoch davon aus, dass die Gärten ungefähr im 6. Jahrhundert v. Chr. angelegt sein mussten. Jedoch hatte etwa in der zeitlichen Mitte zwischen der Erbauung und der detaillierten Beschreibung des Weltwunders ein sehr folgenreicher politischer Umbruch stattgefunden. Der makedonische Feldherr Alexander der Große besiegte 333 v. Chr. die persische Streitmacht bei Issos und ein zweites Mal 331 bei Gaugamela. Die Griechen nahmen das Land ein, verbanden die babylonische Kultur mit ihrer eigenen. In ihrem Glauben an den Fortbestand der giechisch - babylonischen Kultur erichteten sie sogar Theater. Doch schon 323 starb Alexander und es brachen neue Kämpfe um die Herrschaft in Mesopotamien aus, bei denen die Hauptstadt Babylon schwer verwüstet wurde. Hungernöte beherrschten das gebiet und Plünderer zogen umher. Es ist schwer vorstellbar, dass die blühenden Gartenanlagen diese Zeit schadlos überstanden haben. All diese Faktoren erschweren die Einschätzung um die Glaubwürdigkeit der antiken Quellen.
Die neuzeitlichen Forschungen zu Mesopotamien begannen mit den Berichten des Italiners Pietro della Valle. Seine Reisen führten ihn durch Ur und Babylon. 1625 brachte er Keilschriftzeichen nach Europa, die damals noch niemand entziffern konnte. Der englische Offizier Nery Rawlinson entdeckte 1842 bei Behistun im heutigen Iran ein Relief mit einem Text in drei Sprachen, der die Enträtselung der Schriftzeichen ermöglichte. Sein Landsmann Henry Layard fand bei Ausgrabungen riesige Skulpturen mit dem Kopf eines Menschen und dem Körper eines Stieres, die der Stadt als Torwächterfiguren dienten. Ab 1899 entdeckte der deutsche Archäologe Robert Koldewey bei umfangreichen Grabungen in Babylon neben Fundamenten auch zahlreiche Gegenstände und Figuren. Sie können heute als Teil der vorderasiatischen Sammlung im Pergamonmuseum auf der Berliner Museumsinsel besichtigt werden. 1917 musste Koldewey das Grabungebiet verlassen, da britisches Militär einrückte. Und auch heute ist es aufgrund der angespannten politischen Lage im Irak für die Archäologen nicht möglich, die Grabungsarbeiten fortzusetzen. Zudem wurden bei den Kämpfen im Jahr 2003 zahlreiche Reliefs auf Tonziegeln beschädigt. Die Enträtselung um das Wunder der Semiramis bleibt eine archäologische Herausforderung.