ARCHÄOLOGIE
Lektion

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Der Stein von Rosetta (4): Gründung der Ägyptologie 
Stein von Rosetta
Der Stein von Rosetta

Die Anfänge der Ägyptologie

Die von Champollion inspirierte Ägyptologie vereint Glanz und Skandal. Champollion wird mit Vorwürfen konfrontiert: Er soll sich bei seinem Forscherkollegen Young bedient haben, und er steht in Verdacht, Abschriften der Hieroglyphen nach eigenem Gutdünken zu interpretieren. Die Wissenschaft in ihrer Gründungszeit ist auch ein Spielplatz menschlicher Eitelkeiten.
Karl Richard Lepsius begründet die Ägyptologie in Deutschland. Er leitete eine ägyptische Expedition für den Preußenkönig Friedrich Wilhelm IV. und stellte sie in seinem Hauptwerk "Denkmäler Ägpten und Äthiopien" zusammen. Berichten zufolge wollte er dabei den Frevel begehen, den Namen des Preußen in der Schriftübertragung Champollions in die Cheopspyramide zu ritzen. Dessen ungeachtet gilt sein Werk bis heute als Standard. Seine Sammlungen sind im Ägyptischen Museum in Berlin zu besichtigen.

Die Ägyptologie heute

Jean-Francois Champollion
Karl Richard Lepsius

Heute präsentiert sich die Ägyptologie als moderne Spezialwissenschaft zu allen wesentlichen Aspekte der altägyptischen Hochkultur: Hierzu gehören Sprache, Literatur, Geschichte, Religion, Wissenschaft, Kunst und Kultur. Der Zeitraum erstreckt sich von der ägyptischen Vorgeschichte des 5. Jahrtausends bis zum Ende der römischen Herrschaft im 4. Jahrhundert nach Christus. Einstiegsqualifikation in die Ägyptologie ist, wie in jeder Wissenschaft zu einer bestimmten Hochkultur, die Sprache. Die wichtigsten altägyptischen Sprachen sind die Hieroglyphenschrift, die Hieratik, das Demotische und das Koptische. Enge Verbindungen pflegt die Ägyptologie zur Altorientalistik, zur klassischen Archäologie und zur Papyrologie. Ägyptologische Lehrstühle oder Seminare gibt es im deutschsprachigen Raum in Berlin, Bonn, Göttingen, Halle, Hamburg, Hannover, Heidelberg, Köln, Leipzig, Mainz, Marburg, München, Münster, Trier, Tübingen, Wien, Würzburg und Zürich.

Die Papyrologie

Papyrologie

Zentren der Papyrologie sind in Deutschland die junge Universität von Trier (gegründet 1970) und die alterwürdige Uni Heidelberg (geründet 1386). In dieser befindet sich eine Sammlung 4500 Papyri.

Der Großteil der weltweiten Papyrusfunde befindet sich heute im Ashmolean Museum in Oxford, im British Museum in London und im Ägyptischen Museum in Kairo.

Nach der Entzifferung der Hieroglyphen konnten die Sprachen des ägyptischen Kulturkreises  neu geordnet werden. Heute unterscheidet man zwischen den Hieroglyphen, dem Hieratischen (eine Art Schreibschrift der Hieroglyphen), dem Demotischen und dem Griechischen. Viele Schriften konnten erst jetzt übersetzt werden. Als gemeinsames Merkmal erwies sich die Benutzung von Papyrus als Schriftträger. Die Spezialdisziplin der Ägyptologie erhielt  In den Kulturen der Antike war Papyrus ein häufig verwendetes Material.
Rohmaterial das Mark des Papyrusrohrs. Es wurde zunächst in Streifen geschnitten und dann kreuzweise übereinandergelegt. In angefeuchtetem Zustand wurde es dann solange mit einem Schlegel geklopft, bis daraus ein beschreibbares Blatt entstand. Etwa 20 Blättern wurden anschließend zu einer Papyrusrolle aneinandergelegt. Wenn wir heute von einem antiken Buch sprechen, so meinen wir tatsächlich nichts anderes als eine Papyrusrolle. Das Pergament als Schreibmittel stand erst ab dem ersten Jahrhundert nach Christus zur Verfügung. Als Alternativen zu Papyrus dienten zuvor entweder Holz- oder Wachstafeln oder zerbrochene Scherben. Der Historiker Plinius berichtet in seiner Naturgeschichte (Naturis Historia) von unterschiedlichen Papyrusqualitäten. Die Hieratica wurden für religiöse Texte verwendet, die Emporitica nicht anders als das Zeitungspapier heute auch zum Einwickeln von Waren verwendet. Beschrieben wurden sie auf der Vorderseite, parallel zu den obersten Fasern.

Die Arbeit der Papyrologen

(1) Der Fund von Rosetta
(2) Hieroglyphen
(3) Pharaonen
(4) Ägyptologie
(5) Geschichte Ägyptens

Der Papyrologe sitzt an einer Primärquelle, mit deren Hilfe er Abschriften und Kommentare anderer Forscher kritisch begutachten kann. Die Gelehrten des Mittelalter fertigten auch Abschriften antiker Texte an, die sie mit redaktionellen Eingriffen versahen. Seine Arbeit beginnt mit der Entzifferung des lesbaren Textes und seiner Transskription. Lücken oder nicht entzifferbare Stellen werden anhand von Paralleltexten und der Einordnung in einen größeren Zusammenhang so gut wie möglich geschlossen.
An der Universität Heidelberg sind ungefähr 4500 griechische Papyri inventarisiert. Knapp 700 davon sind als Transskription der Fachwelt zugänglich. Es gibt also noch viel zu tun für die Papyrologen. Die meisten erhaltenen Papyri sind in Griechisch verfasst. Nach der Eroberung Ägyptens durch Alexander des Großen wurde Griechisch zur Amtssprache in Ägypten. 

Stein von Rosetta (4): Gründung der Ägyptologie