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Die von Champollion inspirierte Ägyptologie vereint Glanz und
Skandal. Champollion wird mit Vorwürfen
konfrontiert: Er soll sich bei seinem Forscherkollegen Young bedient
haben, und er steht in Verdacht, Abschriften der Hieroglyphen nach
eigenem Gutdünken zu interpretieren. Die Wissenschaft in
ihrer Gründungszeit ist auch ein Spielplatz menschlicher
Eitelkeiten.
Karl Richard Lepsius begründet die
Ägyptologie in
Deutschland. Er leitete eine ägyptische Expedition
für den Preußenkönig Friedrich Wilhelm IV.
und stellte sie in seinem Hauptwerk "Denkmäler Ägpten
und Äthiopien" zusammen. Berichten zufolge wollte er dabei den
Frevel begehen, den Namen des Preußen in der
Schriftübertragung Champollions in die Cheopspyramide zu
ritzen. Dessen ungeachtet gilt sein Werk bis heute als Standard. Seine
Sammlungen sind im Ägyptischen Museum in Berlin zu
besichtigen.
Heute präsentiert sich die Ägyptologie als moderne Spezialwissenschaft zu allen wesentlichen Aspekte der altägyptischen Hochkultur: Hierzu gehören Sprache, Literatur, Geschichte, Religion, Wissenschaft, Kunst und Kultur. Der Zeitraum erstreckt sich von der ägyptischen Vorgeschichte des 5. Jahrtausends bis zum Ende der römischen Herrschaft im 4. Jahrhundert nach Christus. Einstiegsqualifikation in die Ägyptologie ist, wie in jeder Wissenschaft zu einer bestimmten Hochkultur, die Sprache. Die wichtigsten altägyptischen Sprachen sind die Hieroglyphenschrift, die Hieratik, das Demotische und das Koptische. Enge Verbindungen pflegt die Ägyptologie zur Altorientalistik, zur klassischen Archäologie und zur Papyrologie. Ägyptologische Lehrstühle oder Seminare gibt es im deutschsprachigen Raum in Berlin, Bonn, Göttingen, Halle, Hamburg, Hannover, Heidelberg, Köln, Leipzig, Mainz, Marburg, München, Münster, Trier, Tübingen, Wien, Würzburg und Zürich.
Nach der Entzifferung der
Hieroglyphen konnten die Sprachen des ägyptischen
Kulturkreises neu geordnet werden. Heute unterscheidet man
zwischen den Hieroglyphen, dem Hieratischen (eine Art Schreibschrift
der Hieroglyphen), dem Demotischen und dem Griechischen. Viele
Schriften konnten erst jetzt übersetzt werden. Als gemeinsames
Merkmal erwies sich die Benutzung von Papyrus als
Schriftträger. Die Spezialdisziplin der Ägyptologie
erhielt In den
Kulturen der Antike war Papyrus ein häufig verwendetes
Material.
Rohmaterial das Mark des Papyrusrohrs. Es wurde zunächst in
Streifen geschnitten und dann kreuzweise übereinandergelegt.
In angefeuchtetem Zustand wurde es dann solange mit
einem Schlegel geklopft, bis daraus ein beschreibbares Blatt
entstand. Etwa 20 Blättern wurden anschließend zu
einer Papyrusrolle aneinandergelegt. Wenn wir heute von einem
antiken Buch sprechen, so meinen wir tatsächlich
nichts anderes als eine Papyrusrolle. Das Pergament als Schreibmittel
stand erst
ab dem ersten Jahrhundert nach Christus zur Verfügung.
Als Alternativen zu Papyrus
dienten zuvor entweder Holz- oder Wachstafeln
oder zerbrochene Scherben. Der Historiker Plinius berichtet in seiner
Naturgeschichte (Naturis
Historia) von unterschiedlichen Papyrusqualitäten. Die
Hieratica
wurden für religiöse Texte verwendet, die Emporitica
nicht anders als das Zeitungspapier heute
auch zum Einwickeln
von
Waren verwendet. Beschrieben wurden sie auf der Vorderseite, parallel
zu
den obersten Fasern.
Der Papyrologe sitzt an einer Primärquelle, mit deren Hilfe er
Abschriften und Kommentare anderer Forscher kritisch begutachten kann.
Die Gelehrten des Mittelalter fertigten auch
Abschriften antiker Texte an, die sie mit redaktionellen
Eingriffen versahen. Seine Arbeit beginnt mit der Entzifferung des
lesbaren Textes und seiner Transskription. Lücken
oder nicht entzifferbare Stellen werden anhand von Paralleltexten und
der
Einordnung in einen größeren Zusammenhang so gut wie
möglich geschlossen.
An der Universität Heidelberg sind ungefähr 4500
griechische Papyri inventarisiert. Knapp 700 davon sind als
Transskription der Fachwelt zugänglich. Es gibt also noch viel
zu tun für die Papyrologen. Die meisten erhaltenen Papyri sind
in Griechisch verfasst. Nach der Eroberung Ägyptens durch
Alexander des Großen wurde Griechisch zur Amtssprache in
Ägypten.