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(9) Der König Ptolemaios,
der ewig lebt, geliebt von Ptah, der Gott Epiphanes Eucharistos,
der Sohn des Königs Ptolemaios und der
Königin Arsinoe, der Götter Philopatores, ist ein
Wohltäter sowohl der
Tempel und
(10) Deren Bewohner als auch aller
anderen gewesen, die seine Untertanen
sind. Er ist ein Gott,
entstanden aus einem Gott und einer Göttin (und)
(11) den Göttern wohlgesinnt. Er hat den Tempeln
Einkünfte an Geld und Getreide geschenkt, er
hat große Summen aufgewandt, um Ägypten zum
Wohlstand zu verhelfen und die Tempel zu
versorgen,
(12) und er ist mit seinen eigenen Mitteln freigebig umgegangen; und er
hat einige Abgaben und
Steuern erlassen, die in Ägypten erhoben wurden, und andere
hat er ermäßigt, damit das Volk
und alle anderen
(13) während seiner Herrschaft in Wohlstand leben
mögen; und er hat die Schulden an die Krone
erlassen, viele an der Zahl, die in Ägypten und dem
übrigen Königreich noch zu bezahlen waren;
und diejenigen, welche
(14) im Gefängnis saßen, und diejenigen, welche
schon
seit langer Zeit unter Anklage standen, hat er von allem befreit, was
ihnen zur Last gelegt worden war; und er hat
bestimmt, dass die Götter weiterhin an den Einkünften
der Tempel und den
jährlichen Zuwendungen an dieselben, sowohl an
(15) Getreide als auch an Geld, teilhaben sollen, desgleichen auch an
den ihnen zugeteilten
Einkünften aus dem Rebland und den Gärten und den
anderen Ländereien, die zu seines Vaters
Zeit den Göttern gehörten;
Zeile 9 knüpft
nahtlos an die Zeilen 1 bis 8 (letzter Kursteil) an. Der
Herrscher
Ptolemaios (Ptolemäus) verkündet der Priesterschaft
von
Ägypten ein Dekret. Seine eigene Person setzt er darin mit
den Göttern gleich. In Zeile 10 spielt auf den
falkenköfigen Horus an, den Sohn von Göttin Isis und
Gott Osiris. Als der Stein beschrieben wird, ist König
Ptolemäus V., der fünfte Pharao (König) der
ptolemäischen Dynastie im neunten Jahr seiner Herrschaft.
Hauptstadt Ägyptens ist die von Alexander dem Großen
gegründete Metropole Alexandria, ein weltoffener Platz, an dem
Handel, Kultur und Wissenschaft blühen. Das Zentrum
der mächtigen Priesterkaste ist aber die alte
Hauptstadt Memphis. Das Dekret soll die Einheit des Landes
sichern.
(16) und er hat ferner bestimmt, dass
in Bezug auf die Priester diese
keine höheren Gebühren bei
der Zulassung zum Priesteramt zu entrichten haben, als was ihnen
während der Herrschaft seines Vaters und bis zum ersten Jahr
seiner eigenen Herrschaft auferlegt war;
und er hat die Mitglieder der
(17) Priesterorden von der Pflicht entbunden, einmal jährlich
nach Alexandrien zu reisen; und er hat bestimmt, dass niemand mehr zum
Dienst in der Flotte gepresst
werden dürfe; und die Steuer
auf Byssusgewebe, die die Tempel an die Krone bezahlten,
(18) hat er um zwei Drittel ermäßigt; und welche
Dinge auch immer in früherer Zeit vernachlässigt
worden waren, hat er wieder in ihre gute
Ordnung versetzt, da er darum besorgt war, wie die althergebrachten
Pflichten gegenüber den
Göttern gemäß den Gebräuchen
wieder
erfüllt werden könnten;
(19) und ebenso hat er allen gleich Gerechtigkeit widerfahren lassen,
wie Hermes der Große; und er hat verfügt, dass den
Angehörigen des Kriegerstandes, die zurückkehren, und
anderen, die
(20) in den Tagen des Aufruhrs übelgesinnt waren, erlaubt
würde, bei Rückkehr ihre früheren
Besitztümer wieder an sich zu nehmen; und er traf
Maßnahmen, dass Reiterei und Fußtruppen
und Schiffe gegen diejenigen ausgesandt würden, die
(21) über das Meer und, vom Land her in Ägypten
eingedrungen waren, und er wandte große
Summen Geldes und Mengen an Getreide auf; damit die Tempel und alle
anderen im Lande in
Sicherheit seien; und
(22) er zog nach Lycopolis im Gau Busirus, das besetzt und gegen eine
Belagerung befestigt und mit einem reichlichen Vorrat an Waffen und
allen anderen
Notwendigkeiten versehen war sah, dass schon lange
Unzufriedenheit
(23) unter den gottlosen Feinden herrschte, die sich darin versammelt
und den Tempeln und allen
Einwohnern Ägyptens großen Schaden zugefügt
hatten, und er
(24) schlug gegenüber ein Feldlager auf, er umgab die Stadt
mit
Wällen und Gräben und sorgfältig
ausgeführten Befestigungen; als der Nil im achten
Jahr stark anstieg, was gewöhnlich zur
Überschwemmung
(25) des flachen Landes führt, verhinderte er das, indem er an
vielen Stellen die Ausgänge der
Kanäle mit Dämmen absperrte, und er stellte Reiter
und Fußtruppen auf;
(26) um sie zu bewachen; nach kurzer Zeit nahm er die Stadt im Sturm
und
vernichtete alle
gottlosen Feinde in ihr, gleich wie Hermes und Horus, der Sohn der Isis
und des Osiris, die ehemals die Rebellen in demselben
(27) Distrikt überwältigt hatten, und wegen
denjenigen, die die Rebellen zu den Zeiten seines
Vaters angeführt und das Land in Unruhe gestürzt und
den Tempeln Unrecht zugefügt hatten, kam er nach Memphis, um
(28) seinen Vater und sein eigenes Königtum zu
rächen;
und als er dorthin kam, um sich den besonderen Feierlichkeiten zur
Thronbesteigung zu unterziehen,
bestrafte er alle so wie sie es verdient hatten;
König Ptolemäus gibt den Priestern Steuerleichterungen und entpflichtet sie vom Kriegsdienst. Die gottlosen Feinde, von denen Ptolemäus berichtet, gibt es auch zahlreich im Landesinneren. Ptolemäus bekämpft Aufständische, die sich gegen seine Regierung erheben. Ab Satz 24 berichtet er von einer miltärischen Auseinandersetzung im "achten Jahr", gemeint ist das achte Jahr seiner 205 v. Chr. begonnenen Herrschaft. Ptolemäus verhindert die Bewässerung der Felder, um die Bewohner von Lycopolis mürbe zu machen und den Aufstand niederzuschlagen.
(29) und er erließ den
Tempeln alle Schulden an die Krone, die bis zu seinem achten
Jahr noch nicht bezahlt waren, keine kleinen Summen Geldes und Mengen
an Getreide; ebenso
erließ er die Geldstrafen für
(30) das noch nicht an die Krone abgeführte Byssus-Gewebe wie
auch, für den gleichen Zeitraum, die verschiedenen
Gebühren für die
Nachprüfung bereits abgeführten Gewebes; und er
befreite die Tempel von des Arlabe für jeden
Aroura
geheiligten Landes und ebenso davon, einen
(31) Krug Wein für jeden Aroura Weinland abgeben zu
müssen; und er machte viele Schenkungen für Apis und
Mnevis und die anderen heiligen Tiere in
Ägypten, da er sehr viel mehr Rücksicht nahm auf
alles was den
(32) Göttern zugehörte als die Könige vor
ihm; und für ihre Bestattungen gab er alle Dinge, die man
brauchte, reichlich und prächtig, und was normalerweise an
ihre besonderen Schreine geleistet wurde, mit Opferungen und
Feierlichkeiten und anderen
üblichen Bräuchen;
(33) und er behielt die Ehrungen der Tempel und Ägyptens bei,
wie es das Gesetz vorschreibt; und er schmückte den Tempel des
Apis reich mit Werken, indem er
ihm Gold und Silber
(34) und Edelsteine gab, keine kleinen Beträge; und er hat
Tempel und Schreine und Altäre gestiftet, und er hat
diejenigen instand gesetzt, die dessen bedurften,
da ihm in allen religiösen Dingen
(35) der Geist eines wohltätigen Gottes eigen ist; und auf
Fürbitte hin erneuert er den rühmlichsten aller
Tempel während seiner Regierungszeit, wie es sich ziemt;
und als Belohnung für diese Dinge haben ihm die
Götter Gesundheit, Sieg, Kraft und alle
anderen schönen Dingen gegeben,
(36) und er und seine Kinder sollen die Königswürde
für alle Zeiten behalten. Mit gutem Glück: Die
Priester aller Tempel im Lande haben beschlossen,
die bereits bestehenden Ehrungen für
(37) den König Ptolemaios, der ewig lebt, geliebt von
Ptah, der Gott Epiphanes Eucharistos, beträchtlich zu
vergrößern, ebenso diejenigen für seine
Eltern, die Götter Philopatores, und für seine
Vorfahren, die
wohltuenden Götter und
(38) die Götter Adelphoi und die Götter Soteres, und
an der sichtbarsten Stelle in jedem Tempel ein Standbild des ewig
lebenden Königs Ptolemaios, geliebt von
Ptah, der Gott Epiphanes Eucharistos aufzustellen,
(39) das dasjenige von „Ptolemaios, der Verteidiger von
Ägypten" genannt werden soll, neben dem der Hauptgott
des Tempels stehen und ihm die Siegeswaffe
überreichen soll, und alle sollen in
(40) Stil angefertigt werden; und alle Priester sollen den Standbildern
dreimal am Tage huldigen und ihnen die heiligen Gewänder
anlegen und alle anderen
üblichen Ehrungen erweisen, wie sie den übrigen
Göttern an den ägyptischen
Festtagen zuteil werden;
Ptolemäus hat in der Vergangenheit Tempel, Schreine und Standbilder errichtet und möchte dies in Zukunft auch weiterführen. Das Signal an die Priester ist eindeutig: Ptolemäus möchte sich mit Zugeständnissen ihrer Loyalität versichern. Der Handel nützt beiden seiten, denn als Gott Ptolemäus wird er selbst in den Standbildern dargestellt. In Zeile 37 nimmt er Bezug zu Ptah, dem ägyptischen Gott der Handwerker. Vielleicht ist dies ein kleiner Hinweis darauf, dass er sich Statuen von bester Qualität erwünscht.
(41) und für den
König Ptolemaios, den Gott Epiphanes
Eucharistos, von König Ptolemaios und Königin Arsinoe
hergekommen, den
Göttern Philopatores, in jedem der Tempel eine Statue und
einen goldenen Schrein zu errichten
(42) Und ihn im inneren Gemach bei den anderen Schreinen aufzustellen;
und bei den großen Festen, an denen die Schreine in der
Prozession mitgetragen werden,
soll auch der Schrein des Gottes Epiphanes
Eucharistos in der
Prozession mitgetragen werden.
(43) Damit er sich leicht unterscheiden ließe jetzt und
für alle Zeiten, sollen dem Schrein die zehn goldenen Diademe
des Königs aufgesetzt und ein Uräus
beigefügt werden, aber statt
(44) der uräusförmigen Diademe, welche sieh auf den
anderen Schreinen befinden, soll hier in deren Mitte die pschent
genannte Krone sein, die er sich aufsetzte als
er in den Tempel zu Memphis trat,
(45) um darin die feierlichen Handlungen anlässlich der
Annahme
der Königswürde vorzunehmen; und es sollen auf der
viereckigen Oberfläche rund
um die Diademe nebst der vorerwähnten Krone auch goldene
Symbole angebracht werden
(46) Dass dies des Königs ist, der die Oberen und
die Unteren Länder manifest macht. Und weil es der 30. Tag des
Mesore ist, an dem der Geburtstag
des Königs gefeiert wird und ebenfalls
(47) an dem er seinem Vater in die Königswürde
nachfolgte, haben sie in den Tempeln diese Tage als Namenstage in Ehren
gehalten, weil sie Quellen reichen Segens
für alle sind; es wurde ferner angeordnet, dass an diesen
Tagen in jedem Monat in den Tempeln ganz
Ägyptens Feierlichkeiten abgehalten werden,
(48) an welchen Brand- und Trankopfer dargebracht und alle sonstigen,
an
anderen Feierlichkeiten üblichen Zeremonien vollzogen werden
sollen
(49) in den Tempeln dienen. Und ein Festtag soll jährlich
für den König Ptolemaios, der ewig lebt, geliebt von
Ptah, der Gott Epiphanes Eucharistos, in den Tempeln des ganzen
(50) Landes abgehalten werden, vom 1. Tag des Thot an für
fünf Tage, an welchen sie Kränze ragen und Brand- und
Trankopfer darbringen und die anderen
üblichen Ehrungen erweisen sollen, und die
Priester sollen
(51) Priester des Gottes Epiphanes Eucharistos
genannt werden,
zusätzlich zu den Namen der anderen Götter denen sie
dienen; und ihre
Priesterwürde soll auf allen offiziellen Dokumenten erscheinen
(52) und Privatpersonen soll ebenfalls erlaubt sein, den Festtag
einzuhalten und den vorerwähnten Schrein aufzustellen und ihn
in ihren Häusern zu haben und
jährlich die genannten Feste abzuhalten,
(53) Damit es allen zur Kenntnis gelange, dass das Volk
Ägyptens den Gott Epiphanes Eucharistos, den
König,
verherrlicht und ehrt, wie das Gesetz
es verlangt. Dieses Dekret soll in eine Stele aus
(54) Hartem Stein in heiligen und einheimischen und
griechischen Buchstaben eingemeißelt
und in jedem Tempel der
ersten, zweiten und dritten [Ordnung] neben dem Standbild des ewig
lebenden Königs
aufgestellt werden.
Die letzte Zeile nennt noch einmal die Schriftarten. Anmerkung: Heilige Buchstaben sind die Hieroglyphen, einheimische die demotischen. Die Sprache der Priester sind die Hieroglyphen, an sie wendet sich Ptolemäus zuerst, denn er braucht sie zur Sicherung seiner Macht. Die Sprache der ägyptischen Beamten ist das Demotische. Sie treiben für Ptolemäus die Steuern ein, der Stein von Rosetta ist also auch ein Amtsschreiben. Das Griechische ist die Sprache der Regierung und der Gelehrten. Zeile 54 offenbart auch, dass es eine ganze Fülle von "Kopien" des Steins geben könnte. Das Dekret enthält die Vorschrift, in allen wichtigen Tempeln des Landes neben der Statue des Königs plaziert zu werden.