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Champollion ist nicht nur ein begeisterter Anhänger des Feldherrn und Politikers Napoleons, er teilt auch dessen Ägyptomanie. Jenes wäre ihm nach der Verbannung seines Kaisers zum Fluch beinahe zum Fluch geworden. Nicht immer hat er Zugang zu seinen Arbeitsmaterialien, und kann seiner Forschungsaufgabe nachgehen, die er als Lebensaufgabe versteht: Die Entzifferung der Hieroglyphen. Die Kernfrage lautet zunächst, in welche der beiden großen Kategorien die Hieroglyphen prinzipiell einzuordnen sind. Die Sprachwissenschaft unterscheidet Bilderschriften und Lautschriften. Das Chinesische ist beispielsweise eine reine Bilderschift. Ihre Zeichen repräsentieren exakt den Gegenstand, der auf ihnen abgebildet ist. Die Aussprache ist hiervon aber völlig unabhängig. Als Folge dieses Systems gibt es heute in China eine einheitliche Schrift, aber völlig unterschiedliche Sprechweisen. In den europäischen Sprachen hingegen werden die Zeichen (Buchstaben) mit Lauten gleichgesetzt.
Champollion ist sprachlich sehr begabt und hat schon frühzeitig damit begonnen, sich auch mit beiderlei Systemen auseinanderzusetzen. Bei den sorgsam hergestellten Hieroglyphen deutet zunächst alles daruf hin, dass sie zur Gruppe der Bilderschriften gehören. Demnach stünde jeweils eine Hieroglyphe für ein bestimmtes Wort wie Stadt, Reich oder Pharao. Zunächst macht sich der Wissenschaftler daran, für die drei gleichlautenden Texte auf dem Stein formale Übereinstimmungen zu finden. Er vergleicht dabei sowohl die Wortlängen und die Anzahl der Zeichen: Der Stein enthält 486 griechische Wörter und 1419 Hieroglyphen. Dies macht ihn stutzig, denn ein Text in einer Bildersprache ist nicht notwendig länger als in einer Zeichensprache. Vielleicht hat der Text der Hieroglyphen aber auch einen anderen Inhalt - für Champollion wäre damit eine Welt zusammengebrochen, denn für die Entzifferung wäre der Stein dann nicht hilfreicher als irgendein anderes Fundstück.

Weitere Erkenntnisse gewinnt er aus den Namen im Text. Im griechischen Teil kommen 10 Personennamen vor, darunter so bekannte wie Ptolemäus, Alexander und Berenike. Wo waren diese nun im hieroglyphoschen Text zu finden? Unterstützung erhält er durch ein Papyrus, das einen Namen in der demotischen Schrift enthält, die nach den Hieroglyphen als Verwaltungssprache in Ägypten eingesetzt wurde. In diesem Text findet sich das Wort Kleopatra. Nun beginnt Champollion ein Experiment. Er versucht sich daran, den Namen Kleopatra in die Hieroglyphenschrift zurück zu übertragen. Vermutlich wäre es beim Experiment geblieben, wenn er nicht eine Abschrift des Obelisken aus Philae erhalten hätte. In diesem Obelisken steht der Name der Kleopatra so, wie er ihn zurückgebildet hatte. Er bestand nicht aus einem einzigen Bild, sondern tatsächlich aus mehreren Zeichen, die an eine Lautschrift erinnerten. In den Namen von Kleopatra und Ptolemäus findet sich ein L, das durch einen Löwen repräsentierte wird. Der Legende nach soll Champollion folgenden Satz ausgerufen haben: "Die beiden Löwen werden dem Löwen zum Siege verhalfen!"
Nach und nach gelingt ihm die Entschlüsselung weitere
Buchstaben.
Die Wissenschaft hat eine Sensation: Die lange als Bilderschrift
für unübersetzbar gehaltenenen Hieroglyphen waren nun
bereit,
ihre Geheimnisse preiszugeben.
1822 schickt er seinen berühmten Brief an die Academie
Française.
Er teilt mit, dass er imstande ist, die Namen der Pharaonen zu
entziffern und listet auf, welche Übereinstimmungen zwischen
den
griechischen und den hieroglyphischen Lautzeichen existieren.
Das Schreiben wird später als "Brief an Herrn Dacier" (dieser
war Sekretär der Academie
Française) publik gemacht. Champollion hat seinen
Lebenstraum erfüllen können.
(1)
ΒΑΣΙΛΕΥΟΝΤΟΣ
ΤΟΥ
ΝΕΟΥ
ΚΑΙ
ΠΑΡΑΛΑΒΟΝΤΟΣ
ΤΗΝ
ΒΑΣΙΛΕΙΑΝ
ΠΑΡΑ
ΤΟΥ
ΠΑΤΡΟΣ
ΚΥΡΙΟΥ
ΒΑΣΙΛΕΙΩΝ
ΜΕΓΑΛΟΔΟΞΟΥ
ΤΟΥ ΤΗΝ
ΑΙΓΥΠΤΟΝ
ΚΑΤΑΣΤΗΣΑΜΕΝΟΥ
ΚΑΙ ΤΑ
ΠΡΟΣ
ΤΟΥΣ
(2)
ΘΕΟΥΣ
ΕΥΣΕΒΟΥΣ
ΑΝΤΙΠΑΛΩΝ
ΥΠΕΡΤΕΡΟΥ
ΤΟΥ ΤΟΝ
ΒΙΟΝ ΤΩΝ
ΑΝΘΡΩΠΩΝ
ΕΠΑΝΟΡΘΟΣΑΝΤΟΣ
ΚΥΡΙΟΥ
ΤΡΙΑΚΟΝΤΑΕΤΗΡΙΔΩΝ
ΚΑΘΑΠΕΡ
Ο
ΗΦΑΙΣΤΟΣ
Ο ΜΕΓΑΣ
ΒΑΣΙΛΕΥΣ
ΚΑΘΑΠΕΡ
Ο ΗΛΙΟΣ
(1) Unter der Regierung
des
Jünglings, der seinem Vater in der
Königswürde nachfolgte, Gebieter
über die
Diademe, der ruhmvollste, der Ägypten errichtet hat und fromm
(2) gegenüber den Göttern ist, der über
seine
Feinde triumphiert, der das gesittete Leben der Menschen
wiederhergestellt hat, Herr der Dreiessig-Jahr-Feiern, gerecht wie
Hephaistos der Große, ein König der Sonne gleich,
(3) großer König der Oberen und der Unteren
Länder, Abkömmling der Götter Philopatores,
der von Hephaistos anerkannt ist, dem die Sonne Sieg gegeben hat, das
lebende Ebenbild des Zeus, Sohn der Sonne, PTOLEMAIOS,
(4) DER EWIG LEBT, GELIEBT VON PTAH, im neunten Jahr, als Aetos, Sohn
des Aetos,Priester des Alexanders war, und der Götter Soteres,
und der
Götter Adelphoi, und der Götter Euergetai, und der
Götter Philopatores, und
(5) des Gottes Epiphanes Eucharistos; als Pyrrha, Tochter des Philinos,
Athlophore der Berenike Euergetis war; als Areia, Tochter des Diogenes,
Kanephore der Arsinoe
Philadelphos war; als Irene,
(6) Tochter des Ptolemaios, Priesterin der Arsinoe Philopator war; am
vierten Tag des Monats Xandikos, nach den Ägyptern der 18. Tag
des Monats Mekhir.
DEKRET. Die Oberpriester haben sich versammelt und die Propheten und
diejenigen, die den inneren
Schrein betreten, um die
(7) Götter zu gewanden, und die
Fächer-Träger
und die heiligen Schreiber und die anderen Priester aus den Tempeln des
ganzen Landes, sie waren alle nach Memphis
gekommen, um dort mit dem König zusammenzutreffen, zum Fest
des Empfangs der
Königswürde
(8) Durch PTOLEMAIOS, DER EWIG LEBT, GELIEBT VON PTAH, DER GOTT
EPIPHANES EUCHARISTOS, in die er seinem Vater nachfolgte. Sie hatten
sich an
diesem Tag im Tempel zum Memphis versammelt und sprachen: